Lebensdaten
1805 bis 1879
Geburtsort
Braemar (Aberdeenshire, Schottland)
Sterbeort
Bogenhausen bei München
Beruf/Funktion
Astronom
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116662204 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lamont, Johann
  • Lamont, Johann von
  • Lamont, Johann
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Zitierweise

Lamont, Johann von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116662204.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Robert Lamont (* 1747, 1816), Gefälleinnehmer d. Gfsch. Aberdeen in B., Forstverw. d. Earl of Fife;
    M Elspeth Ewan; ledig.

  • Leben

    Schon als Kind fiel L. durch hohe Begabung auf. 1816 mußte er nach dem Tod des Vaters seine Ausbildung vorübergehend einstellen, bis er – von dem in Schottland für das Regensburger Stift tätigen Pater Gallus Robertson dazu gewonnen – als für den geistlichen Beruf bestimmter Zögling 1817 in das Schotten-Stift in Regensburg aufgenommen wurde. Seine Familie, Mutter und 2 Brüder, die bald danach in die USA auswanderten, hat er nie wiedergesehen. Er besuchte das Gymnasium mit großem Erfolg und konnte sich dabei nicht nur ein ausgezeichnetes Wissen in Höherer Mathematik, sondern durch Arbeiten in der Werkstatt auch solide praktische Kenntnisse der Mechanik aneignen. 1827 wurde er – nach Verzicht auf das ursprüngliche Berufsziel – Gehilfe an der Sternwarte Bogenhausen b. München, ein Jahr später Adjunkt. Das Institut wurde von J. Soldner geleitet, dessen Gesundheitszustand sich bald erheblich verschlechterte; als er 1833 starb, wurde L. zunächst vorläufig, 1835 endgültig zum Nachfolger, d. h. Konservator und Direktor, ernannt. Er blieb in dieser Stellung bis an sein Lebensende; 1852 wurde er außerdem Professor an der Univ. München Zunächst sorgte L. mit großer Energie dafür, daß die zahlreichen Meridianbeobachtungen, die Soldner in den letzten Jahren gemacht und unpubliziert hinterlassen hatte, ausgewertet wurden. Zusätzlich gelang es ihm, 1836 die Aufstellung eines Fraunhoferschen Refraktors zu erreichen, der damals eines der größten Fernrohre der Welt war (10½-Zoll-Refraktor aus der Utzschneider-Fraunhoferschen Werkstätte mit 28,5 cm Öffnung und 5 m Brennweite). Mit diesem Gerät beobachtete L. Nebelflecke und die Satelliten der Planeten Saturn und Uranus. Gleichzeitig wurden die Beobachtungen am Meridiankreis fortgesetzt, seit 1838 unter Mithilfe eines und später mehrerer Gehilfen. 1850 führte L. als erster Astronom in Europa mittels eines von ihm selbst konstruierten Chronographen die viel genauere, in den USA entwickelte Methode der elektrischen Registrierung von Sterndurchgängen ein. Die aus diesen Beobachtungen hervorgegangenen Kataloge teleskopischer Sterne haben für die astronomische Forschung in der Mitte des 19. Jh. eine wichtige Rolle gespielt. – Für die geophysikalische Forschung hat sich L. noch größere Verdienste erworben als für die Astronomie. Er bemühte sich mit Erfolg|darum, daß meteorologische Messungen mit einwandfreien Geräten vor allem auf dem Observatorium in Bogenhausen und auf dem Hohen Peißenberg gemacht wurden. Auf geodätischem Gebiet konnte er, unterstützt durch Oberst C. v. Orff, die bayer. mit der österr. Landesvermessung zusammenschließen. – Besonders gründlich untersuchte L. Fragen des Erdmagnetismus. 1840/41 errichtete er mit Unterstützung durch Kronprinz Maximilian ein erdmagnetisches Observatorium auf der Sternwarte. In mehreren großen Vermessungsreisen, die ihn an viele Orte in Bayern, später nach Frankreich, Spanien, Belgien, Holland, Norddeutschland und Dänemark führten, machte er Messungen der Komponenten des erdmagnetischen Feldes. Voraussetzung für diese Arbeiten war die von ihm selbst entworfene Konstruktion eines magnetischen Reise-Theodoliten. Auch für die regelmäßigen Messungen auf der Sternwarte hat er eine Reihe von registrierenden Geräten konstruiert, mit deren Hilfe große Mengen von Messungen durch wenig Personal erledigt werden konnten. L. verwandte einen erheblichen Teil seiner Einkünfte für die Konstruktion von Geräten. Er hinterließ der Univ. München ein Kapital von 72 000 Mark zur Unterstützung bedürftiger Studenten. L.s Nachfolger als Direktor der Sternwarte und Professor für Astronomie, H. Seeliger, wurde erst 3 Jahre nach L.s Tod eingesetzt; die 1887 eingestellten erdmagnetischen Arbeiten nahm man 1896 wieder auf.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1835) u. d. Leopoldina (1846); Maximilians-Orden f. Wiss. u. Kunst (1854); 1973 „Lamont-Krater“ auf dem Planet Mars.

  • Werke

    Observationes astronomicae in specula regia Monachiensi (mit astronom. Beobachtungen), 10 Bde., sowie Ann. d. kgl. Sternwarte bei München (mit astronom., meteorolog. u. geophysikal. Beobachtungen), 22 Bde. u. 12 Suppl.bde., 1833-57;
    Hdb. d. Erdmagnetismus, 1849;
    Hdb. d. Magnetismus, 1860;
    zahlr. Btrr. in Abhh., SB u. Gel. Anz. d. math.-physikal. Kl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. s. W. Bachmann, Gesamtverz. d. Schrr. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1970.

  • Literatur

    ADB 17;
    F. v. Kobell, in: SB d. math.-physikal. Kl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. v. 20.3.1880, S. 263-65;
    v. Schafhäutl, in: Hist.-pol. Bll. f. d. kath. Dtld. 85, 1880, S. 54-82;
    C. v. Orff, in: Vj.schr. d. astronom. Ges. 15, 1880, S. 60-82;
    Geist u. Gestalt II, 1959, S. 48 f.;
    Sterne u. Weltraum 12, 1973, S. 329;
    Pogg. I, III;
    Dict. of Scientific Biogr. VII, 1973, S. 607-09.

  • Portraits

    Gem. v. K. Rexhäuser, 1896 (München, Bayer. Ak. d. Wiss.), Abb. in: Geist u. Gestalt III, 1959, Abb. Nr. 99 u. Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1956.

  • Autor/in

    Felix Schmeidler
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmeidler, Felix, "Lamont, Johann von" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 451-452 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116662204.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lamont: Johann v. L., Astronom und Physiker, geb. den 13. December 1805 zu Braemar in Schottland (unweit des königlichen Schlosses Balmoral), den 6. August 1879 zu Bogenhausen bei München. Sohn eines Steuerbeamten, ward L. in einer Privatlehranstalt gebildet, allein da der Vater — einem alten, aber verarmten Geschlechte ungehörig — schon 1816 verstarb, so schien die Zukunft des jungen Mannes in Frage gestellt. Zufällig aber traf es sich, daß Pater Gallus Robertson, einer der Emissäre, welche das Schottenkloster zu Regensburg von Zeit zu Zeit behufs Gewinnung von Novizen in das Mutterland zu entsenden pflegte, mit L. bekannt wurde und ihn mit sich nach Deutschland nahm. Unter der Leitung des Priors P. Benedict Deasson bildete er sich rasch zu einem tüchtigen Mathematiker aus und machte sich zugleich aufs Genaueste mit mechanischen Arbeiten bekannt. Euler's theoria motus corporum solidorum hat er bereits während dieser Jugendperiode studirt und verarbeitet. Im J. 1827 ward er als Gehülfe an die unweit Münchens in Bogenhausen gegründete Sternwarte berufen, deren Vorstand, Steuerrath Soldner, die neue Katastrirung des Königreichs Baiern zu leiten hatte. 1828 ward er Assistent. 1835 — nach Soldner's Tode — Director des Instituts, und zwar hatte er diese Ernennung wesentlich dem weiten Blicke des Akademiepräsidenten v. Schelling zu danken, welcher den befähigtsten Candidaten unter einer Menge von Bewerbern herauszufinden verstand. So wohnte er denn im Ganzen 52 Jahre in dem stillen Dörfchen, das er für längere Zeit nur verließ, um auf einer Reihe wissenschaftlicher Reisen für eine magnetische Geographie Mitteleuropas, wenn dieser Ausdruck gestattet ist, die Grundlagen zu gewinnnen. Für die Sternwarte war allerdings schon 1834 der zweite aller existirenden Riesenrefractoren bestellt worden und am 8. November 1836 konnte er auch zur Aufstellung gelangen, allein im Uebrigen blieben die Mittel der Sternwarte beschrankt und nur die persönliche Anspruchslosigkeit des Directors, dem auch sein treuer Adjunct Feldkirchner mehrere Hülfsarbeiter ersetzte, vermochte mit der sparsamen Besoldung (zuletzt erst 4000 fl.) und dem nicht minder sparsamen Etat der Anstalt (erst seit 1875 2500 st.) auszureichen. Die technische Geschicklichkeit Lamont's, der ein Zimmer seiner Behausung zur ständigen Werkstätte umgewandelt hatte, machte freilich die Beihülfe eines Mechanikers überflüssig. Einsam, aber glücklich, lediglich von einer alten Haushälterin bedient, von den Bewohnern Bogenhausens verehrt, lebte L. ausschließlich der Wissenschaft; nach München verfügte er sich nur, um seine Vorlesungen zu halten, um als Professor der Astronomie den Senatsverhandlungen anzuwohnen oder auch um einen geselligen Abend im katholischen Cafino zu verleben. Sowol religiös als politisch huldigte er streng-conservativen Anschauungen. Seine eiserne Gesundheit ließ erst in den letzten Lebensjahren nach, und zwar war es merkwürdigerweise eine Verletzung des Rückenmarkes, die er sich als Knabe durch einen Sturz vom Pferde zugezogen, der er nach 60 Jahren unterliegen sollte. Alle Versuche, ihn besserer Pflege halber nach der Stadt zu|bringen, schlugen sehl; er wollte in seinem Bogenhausen sterben, dessen Ehrenbürger er seit einigen Jahren war. An äußeren Ehren war Lamont's späteres Leben reich: er war Inhaber vieler Orden und Mitglied der hervorragendsten gelehrten Gesellschaften geworden. Auch ein namhaftes Vermögen hatte sich der für die gewöhnlichen Freuden des Lebens gleichgültige Mann erspart; er verwendete es zu einer Stiftung für Mathematik-Studirende, deren Kapitalwerth zur Zeit 72 000 Reichsmark beträgt. In Lamont's wissenschaftlicher Wirksamkeit haben wir die astronomische, geodätische und physikalische Seite zu unterscheiden. Sein treffliches Utzschneider'sches Fernrohr verwandte er besonders zur Untersuchung der Nebelflecken und Sternhaufen. Einen dieser letzteren, der dem Sobiesty'schen Schilde angehört, vermaß er genau bis ins Einzelnste, und da diese Vermessungsarbeit von Helmert (damals in Hamburg) nach 30 Jahren wiederholt wurde, so hat die Nachwelt eine treffliche Grundlage für weitere Forschungen auf diesem Gebiete erhalten. Da der Refractor ferner die so äußerst lichtschwachen Uranusmonde zu sehen gestattete, so benutzte er diesen günstigen Umstand zu einer Neubestimmung der Uranusmasse, durch welche Bouvard's Ergebniß erheblich herabgesetzt ward. Diese letztere Arbeit erschien im 11. Bande der „Memoirs of the Royal Astronomical Society"; die anderen Studien wurden in den verschiedenen Veröffentlichungen der Sternwarte bekannt gegeben, von welchen 10 Bände unter dem Titel „Observationes Astronomicae in Specula Regia Monacensi“, 34 weitere als „Annalen der königlichen Sternwarte bei München“ vorliegen. Im J. 1840 begann L. die kleinen Sterne 7. bis 10. Größe am Meridiankreise zu beobachten; er brachte es schließlich auf 80 000 beobachtete Sterne, und zwar war darunter zweimal der in dieser seiner Eigenschaft noch nicht erkannte Planet Neptun. Die chronographische Registrirung der Durchgangsmomente ward in Bogenhausen früher eingeführt als auf irgend einer anderen Sternwarte. — Als Geodät hat L. das Verdienst, den Anschluß der baierischen an die österreichische Landesvermessung durchgeführt zu haben. Bei der Bestimmung der Längendifferenzen zwischen den Sternwarten von Wien, München, Genf und Straßburg war er hervorragend betheiligt, unterstützt von seinem Freunde und Schüler, dem Obersten v. Orff. Die „Astronomische Bestimmung der Lage des baierischen Dreiecksnetzes auf dem Erdsphäroid“ zeigt am besten, wie viel L. für die Geographie seines Adoptivvaterlandes geleistet hat. — Ist nun auch das Erwähnte allein schon genügend, einen Mann berühmt zu machen, so tritt es doch geradezu zurück gegen sein unsterbliches Schaffen auf dem Felde der tellurischen Physik. Er rief einen meteorologischen Verein ins Leben, der über ganz Deutschland sich erstreckte und auch in allen angrenzenden Ländern Freunde und Mitglieder zählte. Aus Mangel an Mitteln konnten zwar nur drei Jahrgänge von der Vereinszeitschrift „Annalen für Meteorologie und Erdmagnetismus“ (1842—1844) erscheinen, allein diese bilden auch eine unerschöpfliche Fundgrube für den Fachmann. Dir baierischen Gerichtsärzte versah er mit selbstverfertigten Instrumenten, um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen. In Bogenhausen wurden zahlreiche Selbstregistratoren originaler Construction aufgestellt, und L. zog aus deren Angaben Resultate, durch deren Vergleichung mit jenen des Observatoriums auf dem Peissenberge die Witterungskunde Baierns fest begründet werden konnte. Eingehend studirte er Bodentemperatur und Luftelektricität; er gelangte (85. Band von Poggendorff's Annalen) dahin, eine ständige negative Ladung des Erdkörpers äußerst wahrscheinlich zu machen. Für seine magnetischen Messungen erfand er den bekannten compendiösen „Reisethedolithen“, mit dessen Hülfe er für eine große Anzahl deutscher, spanischer, französischer, portugiesischer, belgischer, holländischer und dänischer Orte die erdmagnetischen Constanten bestimmte. Drei größere Werke bezeugen Lamont's|unermüdliche Thätigkeit für diesen Gegenstand: das „Handbuch des Erdmagnetismus“ (Berlin 1849), das „Handbuch des Magnetismus“ (Leipzig 1860) und die treffliche populäre Schrift „Astronomie und Erdmagnetismus“ (Stuttgart 1848). Der Telegraphentechnik endlich leistete er einen nicht genug zu würdigenden Dienst durch seine Monographie „Der Erdstrom und der Zusammenhang desselben mit dem Erdmagnetismus“ (Leipzig 1862).

    • Literatur

      v. Schafhäutl, Johann v. Lamont in Jörg's Hist.-pol. Blättern, Jahrg. 1880, S. 54 ff. — v. Orff, Johann v. Lamont in Carl's Repert. f. Experimentalphyf., phys. Technik, math. u. astron. Instrumentenkunde, Jahrg. 1880, S. 685 ff.

  • Autor/in

    Günther.
  • Empfohlene Zitierweise

    Günther, "Lamont, Johann von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 570-572 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116662204.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA