Lebensdaten
1875 bis 1925
Geburtsort
Carmel (Insel Ösel)
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Religionspsychologe ; lutherischer Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 119522438 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Girgensohn, Karl Gustav
  • Girgensohn, Karl
  • Girgensohn, Karl Gustav
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Zitierweise

Girgensohn, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119522438.html [19.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus ausgebreiteter balt. Gelehrtenfam., zu d. auch Christoph Heinr. Otto (1796–1869), ev. Theol. (s. ADB IX) gehört;
    V Julius (1836–1911), Propst, Pastor in Karkus/Livland, S d. Gustav Carl (1786–1872), Hofrat, Oberlehrer in Dorpat, u. d. Julie Emilie Triebel;
    M Ida (1849–1916), T d. Pastors Reinhold Hunnius in Karris/Ösel, u. d. Elwine Gahlnbäck;
    Karkus 1908 Nelly (1882–1944), T d. Gg. v. Oettingen (1824–1916), Prof. d. Med. in Dorpat (s. BLÄ), u. d. Dorothea Baronesse Wrangell;
    Ov d. Ehefrau August v. Oettingen (1823–1908), Zivilgouverneur v. Livland, livländ. Landmarschall, Nicolai v. Oe. (1826–76), Präs. d. livländ. Konsistoriums, Landmarschall, Alexander v. Oe. (1827–1905), Theologe, Statistiker, Arthur v. Oe. (1836–1920), Prof. d. Physik in Dorpat u. L., Musiktheoretiker;
    1 S, 2 T.

  • Leben

    G. wurde 1903 Privatdozent, 1907 zunächst außerordentlicher Professor der systematischen Theologie in Dorpat, ordentlicher Professor 1919 in Greifswald und 1922 in Leipzig. Nachdem sein theologisches Studium an der Dorpater Universität beendet war, begab er sich nach Berlin, wo ihn nicht nur die Theologie (Reinhold Seeberg), sondern auch die Psychologie anzog und beeinflußte. Der verlorene Konnex zwischen dem Glauben der Kindheit und dem Geistesleben der Gegenwart wurde wieder hergestellt. – G.s besonderes Arbeitsgebiet war die Religionspsychologie. Seine Untersuchungen wurden 1903 mit dem Buche „Die Religion, ihre psychischen Formen und ihre Zentralidee“ eingeleitet, dessen Gedankengang im Großen den traditionellen Bahnen folgte, und nichts ließ ahnen, daß der Verfasser ein Bahnbrecher der rein empirischen Religionspsychologie werden sollte. – Es war G. klar, daß eine Methode gefunden werden mußte, um für den psychologischen Zweck besseres Material herbeizuschaffen, als das, welches in Autobiographien geboten wurde oder mit Hilfe von Fragebogen gesammelt werden konnte. Zu diesem Zwecke ließ er sich für ein Semester von seinen Pflichten als Hochschullehrer beurlauben und arbeitete in Bonn unter Anleitung von Oswald Külpe, der damals als erster gewagt hatte, die höheren seelischen Erscheinungen zum Gegenstand experimenteller Selbstbeobachtung zu machen. 1920 konnte G. sein Hauptwerk „Der seelische Aufbau des religiösen Erlebens, Eine religionspsychologische Untersuchung auf experimenteller Grundlage“ (1921, 21930 mit Nachtrag von W. Gruehn), wozu neben der Selbstbeobachtung auch die Gesprächsmethode angewandt wurde, fertigstellen. Hauptergebnis war: das religiöse Grunderlebnis besteht in einem eigentümlichen synthetischen Akt, in welchem Gedanke (Intuition, vor allem der Gottesgedanke) und Ichfunktion (die persönliche Seite) zu unlösbarer Einheit verschmolzen sind. Ein so großes und eingehendes Material zur Aufhellung des religiösen Lebens hatte bisher nie vorgelegen.

    Der frühe Tod G.s bedeutete einen unersetzlichen Verlust für die religionspsychologische Forschung. Eine große und schwierige Aufgabe: die Arbeit weiterzuführen, fiel Werner Gruehn (1887–1961) zu, seinem ersten Schüler aus der Dorpater Zeit. Die ernsthafte religionspsychologische Forschung war sowohl in Europa wie in Amerika in Stillstand geraten, als G. seine Untersuchungen begann. Auf dem Boden der evangelischen Theologie brach das Verständnis für seine Arbeit sich nur langsam Bahn, während man sich ihr von katholischer Seite anerkennend gegenüberstellte.

    G. hat das Verdienst, nicht nur durch eigene Forschungen Religionspsychologie als reine Tatsachenwissenschaft betrieben, sondern auch eine neue einheitliche Forschung angeregt und die Religionspsychologie als Tatsachenwissenschaft zu internationalem Ansehen gebracht zu haben. Mit Recht wird man, obgleich die amerikanische und englische Forschung davon bisher unberührt blieben, von einer neuen Epoche der Religionspsychologie seit G. sprechen können. Auch dort, wo nicht mit Hilfe der sogenannten experimentellen Methode, ja, sogar nicht nach streng empirischen Prinzipien gearbeitet wird, ist seine Betrachtungsweise zu spüren, gleichwie seine Ergebnisse beachtet werden. Noch in der heutigen Religionspsychologie treten die Auswirkungen seiner Arbeit deutlich hervor.

  • Werke

    Weitere W u. a. Der Schriftbeweis in d. ev. Dogmatik einst u. jetzt, 1914;
    Rel.psychol., Rel.wiss. u. Theol., 1923, 21925;
    Die Inspiration d. Hl. Schr., 1925;
    Autobiogr. in: Die Rel.wiss. d. Gegenwart in Selbstdarst. II, 1926, S. 41-76 (W, P).

  • Literatur

    W. Gruehn, K. G., s. rel.psychol. Entwicklung, in: Archiv f. d. ges. Psychol. 55, 1926, S. 219-50 (W);
    ders., Die Theol. K. G.s, 1927 (Bibliogr.);
    V. Grönbaek, Rel.psykologi, Kopenhagen 1958, S. 52-62.

  • Autor/in

    Villiam Grönbaek
  • Empfohlene Zitierweise

    Grönbaek, Villiam, "Girgensohn, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 410 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119522438.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA