Lebensdaten
erwähnt 985, gestorben 1002
Sterbeort
Herzberg am Harz
Beruf/Funktion
Markgraf von Meißen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123899168 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ekkehard
  • Ekkard I.
  • Ekkehard I. von Meißen
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Zitierweise

Ekkehard I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123899168.html [26.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Mgf. Günther ( 982), S des Ekkehard;
    B Gunzelin ( n. 1017), Mgf. v. Meißen (abgesetzt 1009);
    Schwanhild, T des Hermann Billung ( 973), Hzg. der Sachsen;
    3 S, 2 T, Hermann ( 1038), Mgf. v. Meißen, Ekkehard II. ( 1046, s. NDB IV), Gunther ( 1025), Kaplan Ottos III., Kanzler Heinrichs II. für Dtld. 1009-23, EB v. Salzburg (seit 1024), Liudgard ( 1012, Werner, 1014, Mgf. v. der Nordmark), Mathilde ( Dietrich, 1034, Mgf. der sächsischen Ostmark).

  • Leben

    E. entstammte einem der edelsten thüringischen Geschlechter, das in Kleinjena/Unstrut seinen Stammsitz hatte. Hier gründete er ein Benediktinerkloster, und eine Ansiedlung von Kaufleuten geht wohl in seine Tage zurück. Mit der Markgrafschaft östlich der Saale betraute ihn Theophanu 985. Er war eine der glänzendsten Gestalten in der Geschichte der deutschen Ostmarken. Bischof Volkold von Meißen, der von den Böhmen vertrieben worden war, führte er zurück, gliederte die Milciener in der Oberlausitz, die sich der deutschen Herrschaft im Slawenaufstand von 983 oder im Verlaufe der böhmisch-polnischen Auseinandersetzungen entzogen hatten, der Mark wieder ein, entsetzte 993 die Brandenburg, stellte die deutsche Oberherrschaft über Böhmen wieder her, was zur Rückkehr Bischof Adalberts nach Prag führte, und unterstützte immer wieder nachdrücklich den deutschen Bischof Thiedag von Prag. Gemeinsam mit EB Gisiler von Magdeburg sorgte er seit 990 für einen Ausgleich zwischen Böhmen und Polen. Eine Ausdehnung des Bistums Meißen auf Schlesien wurde 995 in die Wege geleitet, um dieses strittige Gebiet gleichsam zu neutralisieren. Der Böhmenherzog Boleslav III. wurde schließlich sein (nicht des deutschen Königs!) miles. Aber auch gegen Polen wußte er das deutsche Ansehen zu festigen. Durch Heiraten seines gleichnamigen Sohnes und seines Bruders Gunzelin knüpfte er verwandtschaftliche Bande mit dem Piastenhause. Auch sonst war er in der Reichspolitik tätig, wie seine Interventionen beweisen. Zeitweise galt er als der vertrauteste Berater des Königs. Auf dem Romzug 997/98 leitete er die Belagerung der Engelsburg. Auch 999 ist er in Italien anzutreffen. Der König belohnte seine Dienste, indem er seine Lehen in Allod verwandelte. Diese Besitzungen sind vor allem am Zusammenfluß beider Mulden zu suchen. Über ganz Thüringen erlangte er nach dem Bericht des wohlunterrichteten Thietmar von Merseburg durch gemeinsame Wahl des ganzen Volkes das Herzogtum, ein Vorgang, der in der Geschichte des Reiches seit einem Jahrhundert ohne Beispiel war. Auch die Meißner waren dabei beteiligt. Diese Wiederbelebung des Wahlrechts ermutigte ihn anscheinend, sich nach dem Tode Ottos III. um die deutsche Königskrone zu bewerben, doch vermochte er sich nicht durchzusetzen. Aus undurchsichtigen, wahrscheinlich privaten Gründen wurde er von persönlichen Feinden ermordet. Er war als Heerführer ebenso bedeutend wie als Politiker, aber ehrgeizig und gewalttätig. Thietmar sagt von ihm: „Er wäre in jeder Hinsicht ein vollendeter Mann gewesen, hätte er nur demütig bleiben wollen“ (V, 7).

  • Literatur

    ADB V (unter Ekkard);
    Jbb. d. Dt. Gesch., Otto II. u. Otto III.;
    dass., Heinr. II.;
    H. Beumann u. W. Schlesinger, Urkk.stud. z. dt. Ostpol. unter Otto III., in: Archiv f. Diplomatik 1, 1955; weitere L s. Ekkehard II.

  • Autor/in

    Walter Schlesinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Schlesinger, Walter, "Ekkehard I." in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 430-431 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123899168.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ekkard I., Markgraf von Meißen, ein Sohn des thüringischen Grafen Günther, dem Kaiser Otto I. nach Gero's Tode einen Theil der thüringischen Mark übertragen hatte und der, obgleich in Ungnade gefallen und seines Amtes entsetzt, dennoch nebst seinem Sohne den Kaiser Otto II. auf seinem Zuge nach Italien begleitete und dort in der Schlacht gegen die Byzantiner 982 seinen Tod fand. Durch seine Tapferkeit gewann er die Gunst des Kaisers und bewährte auch nach dessen Tode seine Treue, indem er fest zu der verwittweten Kaiserin Theophano stand und auf der Zusammenkunft der sächsischen Großen zu Asselburg sich den Ansprüchen Heinrichs des Zänkers von Baiern so nachdrücklich widersetzte, daß die Versammelten dem kleinen Otto III. den Eid der Treue erneuerten. Zum Lohn dafür gab ihm Theophano nicht allein die Mark seines Vaters zurück, sondern dazu auch noch nach Rikdags Tode die thüringische oder die Mark Meißen, wobei zugleich diese letztere von dem Verbande mit der Nord- und der Ostmark, sowie dem Herzogthum Sachsen gänzlich losgelöst wurde. Doch mußte E., um in den Besitz Meißens zu gelangen, vorher Boleslav II. von Böhmen durch zwei Feldzüge zur Herausgabe derselben zwingen, worauf er auch die Milziener sich unterthan machte, an der Bekämpfung der Luitizen Theil nahm, endlich sogar Boleslav's gleichnamigen Sohn und Nachfolger in Lehensabhängigkeit von sich brachte. Im J. 998 begleitete er den Kaiser auf dem Römerzuge; er war es, der durch Eroberung der Engelsburg den Crescentius dem Todesurtheil überlieferte. Solche Thaten und Erfolge erwarben ihm beim Kaiser wie im Reiche eine hervorragende Geltung. Jener, der ihn auch auf der Durchreise nach Gnesen in Meißen begrüßte, verwandelte ihm den größten Theil seiner Reichslehen in erbliches Eigenthum, die Thüringer erkannten nach einer nicht ganz klaren Angabe Thietmars (V, 5: super omnem Thuringiam communitotius populi electione ducatum promeruit) seine vorwaltende, der herzoglichen analoge Stellung ausdrücklich an. Dies, sowie seine Vermählung mit Suanhilde, einer Schwester des Sachsenherzogs Bernhard und Wittwe des reichen Markgrafen Thietmar, seine nahe Verwandtschaft mit dem mächtigen Polenfürsten Boleslav Chabry, die er durch die Verheirathung seines Sohnes Hermann mit einer Tochter desselben noch enger knüpfte, vor allem aber seine persönlichen Eigenschaften machten ihn zu einem der ersten unter den Fürsten des Reiches. Er war nach Thietmars Zeugniß „eine Zierde des Reichs, eine Säule des Vaterlandes, die Hoffnung der Seinen, ein Schrecken der Feinde und überhaupt ein vollendeter Mann, wenn er nur in der Demuth hätte verharren wollen“. So durfte er wol nach Otto's III. unbeerbtem Tode die Hand selbst nach der Krone ausstrecken, allein auf dem Tage zu Frosa bei Magdeburg gelang es dem Markgrafen Lothar v. d. Nordmark, der sein persönlicher Gegner war, weil er dessen Sohne Wernher die einst verlobte Tochter Luitgarde dann, bei größeren Plänen, verweigert und ihn zur Wiederherausgabe der aus dem Kloster Quedlinburg Entführten gezwungen hatte, die sächsischen Großen von der Unterstützung seiner Bewerbung zurückzuhalten und auf einem zweiten Tage, zu Werla, dieselben für den Herzog Heinrich von Baiern zu gewinnen. Erbittert über die fehlgeschlagene Hoffnung brach E. nach Duisburg auf, um sich dort mit Herzog Hermann von Schwaben gegen Heinrich zu verständigen. Zu Hildesheim empfing ihn Bischof Bernward mit königlichen Ehren, doch schon Paderborn öffnete ihm die Thore erst auf Befehl des Bischofs Rothar, Herzog Hermann sagte die Zusammenkunft ab und auf dem Rückwege wurde E. in der Nachtherberge zu Pöhlde von den Söhnen des Grafen Siegfried von Nordheim überfallen und erschlagen (30. April 1002), sei es zur Vergeltung eines von ihm zu Werla den kaiserlichen Schwestern Sophia und Adelheid angethanen Schimpfes oder auf geheimes Anstiften Heinrichs von Baiern, sei es, daß dabei, wie Knochenhauer (Geschichte Thüringens) vermuthet, die Eifersucht der thüringischen Großen, insbesondere des weimarischen Grafenhauses mitgewirkt haben mag. Seine Leiche wurde aus dem Begräbniß zu Großjena bei Naumburg später in das von ihm gegründete St. Georgskloster zu Naumburg versetzt. Seine Tochter Mathilde wurde durch ihre Vermählung mit Markgraf Dietrich von der Ostmark die Stammmutter des wettinischen Hauses.

    • Literatur

      C. Sagittarii Exercitatio hist. de Eccardo I. Misniae marchione, Jenae 1675. 4°.

  • Autor/in

    Flathe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Flathe, Heinrich Theodor, "Ekkehard I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 789-790 unter Ekkard [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123899168.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA