Lebensdaten
um 745 bis 814
Beruf/Funktion
Abt von St. Riquier bei Amiens ; Staatsmann ; Dichter ; Heiliger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11926997X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Angilbert
  • Angilbert, Hofkapellan
  • Angilbert, of Saint Riquier
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Verknüpfungen

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Zitierweise

Angilbert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11926997X.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus einem vornehmen Geschlecht, vermutlich Neustriens.

  • Leben

    Am fränkischen Hofe aufgewachsen, Schüler Alkuins, wurde A. Freund und Staatsmann Karls des Großen. Aus seinem Liebesbund mit Karls Tochter Bertha (Ursprung der Sage von Eginhard und Emma) gingen zwei Söhne hervor, der Historiker Nithard und Harnid. A. begleitete 782 Pippin, den zum König von Italien ernannten Sohn Karls. 792, 794 und 796 betraute Karl A. mit wichtigen Gesandtschaften an den Papst. A.s Name steht unter den Zeugen von Karls Verfügung über seinen Schatz zugunsten der Kirche (811). 790 übergab Karl A. als Laienabt das Kloster Centula (St. Riquier bei Amiens), das A. mit prachtvollen Neubauten und zahlreichen Handschriften ausstattete. Er lebte meist in Aachen, blieb eifriges Mitglied der Hofakademie, in der er wegen seiner von den Zeitgenossen bewunderten Gedichte Homer genannt wurde. Sie stehen nicht über dem Durchschnitt seiner Zeit, für das Leben am Hofe Karls sind sie sehr aufschlußreich. Ob A. das nur als Bruchstück erhaltene, unter dem Titel „Karolus Magnus et Leo papa“ herausgegebene Epos verfaßte, ist stark umstritten. Die Mönche seines Klosters verehrten ihn später als Heiligen, doch war der vornehm auftretende und prachtliebende Laienabt ein ausgesprochener Repräsentant der weltoffenen und weltfrohen Richtung in der Umgebung Karls des Großen.

  • Werke

    Gedichte, in: J. P. Migne, Patrologiae cursus completus I, S. 306 ff. (vgl. L. Traube, O Roma nobilis, 1891, S. 326 ff.);
    De ecclesia Centulensi libellus, in: XV, S. 174 ff. (Ber. üb. d. Verwaltung seines Klosters).

  • Literatur

    ADB I;
    Vitae, in: AA SS OSB IV, 1, S. 108 bis 130;
    F. Lot, Hariulfe, Chronique de l'Abbaye de Saint-Riquier, Paris 1894;
    Wattenbach I, S. 191 ff.;
    Hauck II, S. 180 f.;
    Manitius I, S. 543 ff.;
    H. v. Schubert, Gesch. d. christl. Kirche im Früh-MA, 1921, S. 362, 753 u. ö.;
    E. Patzelt, Die Karoling. Renaissance, 1924;
    G. Schnürer, Kirche u. Kultur im MA I, 1924, S. 357, 362;
    P. Lehmann, Das lit. Bild Karls d. Gr. vornehml. im lat. Schrifttum d. MA, in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss. IX, 1934;
    K. Jakob, Qu.kde. d. dt. Gesch. im MA I, 41943, S. 101;
    O. Schumann, in: Vf.-Lex. d. MA I, 1933;
    LThK;
    Enc. Catt. I, 1949.

  • Autor/in

    Johannes Bühler
  • Empfohlene Zitierweise

    Bühler, Johannes, "Angilbert" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 294 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11926997X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Angilbert, Zeitgenosse und Freund Karls des Großen, 18. Febr. 814. Am Hofe von Kindheit auf erzogen, scheint A. frühzeitig für den geistlichen Stand bestimmt gewesen zu sein, und die niederen Weihen empfangen zu haben. Im J. 782 begleitete er den noch als Kind zum König von Italien gekrönten Pippin als primicerius palatii, und hatte an der Regierung des Landes den wesentlichsten Antheil. Heimgekehrt, betheiligte er sich eifrig an den Studien und dichterischen Uebungen der Hochschule; mit Alcuin verband ihn warme Freundschaft, von welcher mehrere Briefe Alcuin's an ihn zeugen. Zugleich blieb er in Staatsgeschäften thätig, und übernahm dreimal wichtige Gesandtschaften an den Papst. Zuerst 790 wird A. Abt von Centula, später Saint-Riquier, in der Picardie genannt. Dieses Kloster hat er, durch den König unterstützt, in glänzendster Weise mit Hülfe königlicher Baumeister ganz neu erbauen lassen und prachtvoll ausgeschmückt, namentlich auch die Bibliothek mit 200 Büchern vermehrt. Im J. 800 hatte er die Freude, seinen königlichen Herrn als Gast hier zu empfangen. Uebrigens aber hinderte ihn nach der Sitte der Zeit die Würde als Abt nicht, auch ferner am Hofe zu leben, wo er der glückliche Liebhaber von Karls Tochter Bertha war. Denn Karl, welcher sich nicht entschließen konnte, seine Töchter zu verheirathen, gestattete ihnen dafür um so größere Freiheit. A. selbst schildert uns in einem schönen Gedichte, einem Gruß aus der Ferne, die königliche Pfalz und deren Bewohner, dann auch sein nahe gelegenes Haus mit dem Garten, worin seine Knaben spielen. Diese sind Harnid und Nithard, der Historiker, welcher seine Herkunft von der Bertha selbst berichtet hat. Höchst wahrscheinlich ist es dieses Verhältniß, welches zu der unhistorischen Sage von Eginhard und Emma Anlaß gegeben hat.

    In einem anderen Gedicht schilderte A., als er, 796 nach Italien eilend, dem jungen König Pippin, dem Sieger über die Avaren, begegnete, die Freude des Wiedersehens, die ungeduldige Erwartung am Hofe, und vorausschauend die zärtliche Begrüßung des jungen Helden im Kreise der Seinen.

    Viel Aehnlichkeit mit diesen Gedichten zeigt das bedeutende Bruchstück eines Epos über Karls Geschichte, die ersten 536 Verse des dritten Buches. Nach einer Lobrede auf den großen König werden hier die Bauten zu Aachen beschrieben, eine große Jagd, bei welcher mit besonderer Vorliebe die Töchter Karls geschildert werden, endlich die Zusammenkunft des Königs mit dem aus Rom flüchtenden Papst Leo. Daß auch dieses Gedicht A. zuzuschreiben sei, wird dadurch wahrscheinlich, daß er im Hofkreise den Dichternamen Homer führte, und also wahrscheinlich mit einem Epos beschäftigt war, welches vermuthlich unvollendet geblieben ist.

    • Literatur

      Die gedruckten Gedichte Angilbert's hat Migne im 99. Bande seiner Patrologia gesammelt. Vgl. Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen, 3. Aufl. I. 131—137. II. 373. §. 7.

  • Autor/in

    Wattenbach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenbach, Wilhelm, "Angilbert" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 459-460 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11926997X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA