Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
baltische Familie
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 139789200 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Moritz

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Zitierweise

Moritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139789200.html [27.06.2022].

CC0

  • Biographische Darstellung

    Die ursprünglich in der Altmark ansässige Familie verzweigte sich über Magdeburg und Berlin weiter nach Livland und Rußland, wo – neben Lehrern, Künstlern und Ingenieuren – sechs Mitglieder als Pastoren, fünf als Ärzte und drei als Juristen tätig waren. Der erste näher bekannte Vertreter der Familie ist Georg ( 1726) aus Ziegenhagen bei Stendal, Schneider und seit 1706 Magdeburger Bürger. Während sein ältester Sohn Johann Gottfried (1711–90) Kantor am Friedrichswerderschen Gymnasium wurde, amtierte der jüngste, Johann Andreas (1721–94), als Pfarrer in Fahrland bei Potsdam, wo er die durch Fontanes „Wanderungen“ bekannte „Fahrlander Chronik“ schrieb. Johann Christian Friedrich (1741–95) kam 1766 als Konrektor der Stadtschule nach Dorpat und heiratete hier die Schwester des DichtersJakob Michael Reinhold Lenz. Später war er Pastor livländ. Gemeinden, u. a. bei St. Jakobi in Riga, 1780-89 zugleich Rektor des kaiserl. Lyzeums. Sein Sohn Friedrich Gottlieb (1769–1833) befaßte sich intensiv mit Sprache und Kultur der Esten und Letten. Als Pastor und Propst in Anzen war er 1838 maßgeblich an der Gründung der Gelehrten Estnischen Gesellschaft beteiligt, in der sein Bruder Ludwig (1777–1830) das Amt des Sekretärs übernahm. Dieser wirkte als Pastor der estn. Marienkirche und war zudem 1817-23 Lektor der estn. Sprache an der Universität. Mehrere Söhne Friedrich Gottliebs gingen nach Rußland: Karl (1799–1870, russ. Adel), Dr. med., praktizierte seit 1832 als Arzt der Gewehrfabrik und des Kadettenkorps in Tula, zuletzt in Moskau (s. Qu.). 1838 wechselte Friedrich (1803–57) aus einem livländ. Pfarrort an die dt. St. Annen-Gemeinde nach St. Petersburg. In nachhaltigen Bemühungen initiierte er soziale Einrichtungen wie das in Ovcyno untergebrachte Marien-Asyl (1844) und die Predigerwitwenkasse. Julius (1808–86), seit 1845 ebenfalls als Arzt in St. Petersburg, ermöglichte seinem jüngeren Bruder Arnold (1821–1902, s. Pogg. II-IV; BJ VII, Tl.) ein Mathematikstudium in Dorpat. Dieser wurde 1849 Gründungsdirektor des Meteorologisch-magnetischen Observatoriums in Tiflis (Georgien). Rudolf (1809–57), ein Sohn des Ludwig, unterrichtete an staatl. Gymnasien in St. Petersburg Geschichte und ev. Religion. Zur vierten livländ. Generation gehören Kinder des Petersburger Pastors Friedrich und ein Sohn des Meteorologen Arnold. Emanuel (1836–1908, s. BLÄ), Dr. med., war 1884-1906 der erste Leiter des Alexander-Hospitals der Angehörigen des Dt. Reiches, wo auch seine Schwester Elise (1838–1919) als Oberin tätig war, sowie langjähriger Redakteur der „St. Petersburger Medicin. Wochenschrift“, Präses des „Vereins St. Petersburger Ärzte“ und des „Deutschen Ärztl. Vereins“. Er führte die antiseptische Wundbehandlung nach J. Lister in St. Petersburg ein. Als Wirkl. Staatsrat erreichte er, ebenso wie einst Karl, den erblichen Adelsstand. Einer seiner Söhne, Otto (1873–1920), arbeitete gleichfalls als Arzt am Alexander-Hospital, seit 1918 auch als dessen Direktor, während ein anderer, Friedrich (1866–1947, s. ThB), nach einer Ausbildung u. a. in Düsseldorf, München, Wien und Paris am Polytechnikum in Riga lehrte und dann in Berlin als Porträtmaler Erfolg hatte. In Livland war noch Erwin (1842–1907), Sohn des Pastors Friedrich, als Rechtsanwalt, Stadtverordneter und Syndikus der Stadt Riga ansässig; er hatte für die Balt. konstitutionelle Partei, deren Präses er war, einen Sitz in der Reichs-Duma. Von seinen Söhnen war Burchard (1867–1934) Chemiker und Fabrikdirektor in Reval, Erwin (1873–1940) ebenso wie sein Vater Rechtsanwalt und Stadtverordneter in Riga. Julius (1846–1920), ein weiterer Sohn des Petersburger Pastors Friedrich, erwarb sich als Pomologe in Karlsruhe, Geisenheim, am Reichsgesundheitsamt und schließlich an der Biologischen Reichsanstalt Verdienste bei der Erforschung und Bekämpfung der Reblaus. Der Sohn des Meteorologen Arnold, Alexander (1861–1936), wurde nach einem Physikstudium in Dorpat und dem Besuch der Kriegsakademie 1899 Oberst im russ. Generalstab. Er führte eine Kavallerie-Division in Samara, nahm an den Kämpfen in Polen 1916 teil und emigrierte während der russ. Revolution.

  • Literatur

    Balt. fam.geschichtl. Mitt. 6, 1936, Nr. 1;
    Revaler Ztg. v. 18.8.1936;
    Balt. Ahnen- u. Stammtafeln 28, 1986, S. 5-26;
    Dt.balt. Biogr. Lex. |

  • Quellen

    Qu. Dienstliste f. Dr. Karl M., 1832, in: Militärhist. Archiv Moskau, Fonds 943, Rep. 1, Sache 337.

  • Autor/in

    Erik Amburger
  • Zitierweise

    Amburger, Erik, "Moritz" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 145-146 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139789200.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA