Lebensdaten
1867 bis 1916
Geburtsort
Bisenz bei Ungarisch-Hradisch (Mähren)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Maler ; Graphiker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 129207594 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kurzweil, Max
  • Kurzweil, Maximilian

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Zitierweise

Kurzweil, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129207594.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus dt.stämmiger, seit 18. Jh. in Böhmen nachweisbarer Fam.;
    V Carl (1831–1909), Zuckerfabr., S d. Friedrich (1791–1871), Apotheker in Brünn, Zuckerfabr. in B.;
    M Marie (1844–1925), T d. Landesadvokaten Franz Marterer in Prag;
    Concarneau (Bretagne) 1895 Martha (1872- n. 1923), T d. Octave Guyot, Kaufm. u. Vizebgm.

  • Leben

    K. wuchs seit 1875 in Wien auf, wo sich seine Eltern niedergelassen hatten. Nach Absolvierung des Schottengymnasiums lernte er an der dortigen Akademie 1886-88 bei C. Griepenkerl, 1890-91 bei L. C. Müller und 1894-95 bei K. Pochwalski. 1893-94 hielt er sich in Paris und der Bretagne auf, wo er in der Künstlerkolonie Concarneau seine spätere Frau kennenlernte. Seit der Eheschließung verbrachte er dort regelmäßig den Sommer. 1895 trat K. der Genossenschaft bildender Künstler (Künstlerhaus) in Wien bei, die er zusammen mit den Secessionisten 1897 verließ. Auch nach seinem Austritt aus der Secession mit der Klimt-Gruppe 1905, beteiligte er sich an ihren Ausstellungen. 1903 arbeitete er an der Redaktion der Zeitschrift Ver sacrum mit. Obwohl ihm seine Vermögensverhältnisse erlaubten, unabhängig seiner Kunst zu leben, übernahm er als Nachfolger Rudolf Jettmars 1909 eine Lehrtätigkeit an der Kunstschule für Frauen und Mädchen, die ihn veranlaßte, sich noch mehr mit der Aufgabe des Porträts auseinanderzusetzen. 1911 führte die Galerie Miethke die einzige Kollektivausstellung K.s durch. 1915 wurde er in Dalmatien, 1916 in Mähr.-Ostrau als Kriegsmaler eingesetzt. Er ging als Konsequenz persönlicher Umstände und einer ihm wesenseigenen Melancholie zusammen mit seiner Schülerin Helene Heger in den Tod. K.s Werk ist vielseitig und zeigt ein reiches Spektrum formaler Möglichkeiten sowie unterschiedliche Anregungen. In seiner Malerei überwiegt anfangs das genrehafte Element, dem er aber eine zurückhaltende und zugleich gefühlstiefe symbolistische Bedeutsamkeit verleiht (Ein lieber Besuch, 1894, Privatbes.; Genesen, 1896, Hist. Mus. d. Stadt Wien). Hier schon richtet K. seine besondere Aufmerksamkeit auf differenzierte Lichtverhältnisse und raffinierte Helligkeitswerte, die sich auch in den zahlreichen späteren, koloristisch reichen Landschaftsbildern aus Concarneau, Dalmatien und der Toskana finden. K. ist in diesen Werken der franz. Freilichtmalerei impressionistischer Prägung verpflichtet, hält sich aber von Einflüssen der gleichzeitig arbeitenden Gruppe der Nabis oder auch Gauguins völlig frei. Die Wiener Stiltendenzen der Jahrhundertwende treten dagegen besonders in K.s drudegraphischem Werk hervor, wo ihn seine Sensibilität vor oberflächlichen Effekten bewahrt. K. verstand es, seine Bilder wohlüberlegt, mitunter spannungsreich zu komponieren (Die Kinder Siedek, 1909, Privatbes.). Sein Bestes gab er jedoch in Frauendarstellungen, so in dem großformatigen Sitzbildnis seiner – ihm auch sonst häufig als Modell dienenden – Gattin unter dem Titel „Dame in Gelb“, 1899 (Hist. Mus. d. Stadt Wien). Mit einer ganz und gar schwebenden Farbgebung umreißt er darin formelhaft das Lebensgefühl der Jahrhundertwende. Auch in dem weithin bekannt gewordenen Farbholzschnitt „Der Polster“ (1903) bestimmt K. die ganzfigurige sitzende Gestalt zum Ausdrucksträger der seelischen Verfassung. In seinen späten, teilweise mit der Spachtel aufgetragenen Bildern gelangt K. schließlich noch zu einer expressiv-temperamentvollen Malweise.

    K.s Künstlergestalt und Werk wurden erst 1964 durch die Ausstellung „Wien um 1900“ und 1965/66 durch eine Retrospektive der Österr. Galerie der Vergessenheit entrissen.

  • Literatur

    Kunstchronik, NF 27, 1916, S. 346;
    K. Moll, in: Die bildenden Künste, Wiener Mhh., 1916-18, S. 13 (P);
    Wien um 1900, Ausstellungskat. Wien, 1964;
    E. Köller, Ein neuentdeckter Künstler d. Wiener Secession, in: Weltkunst 34, 1964, S. 654;
    M. K., Ausstellungskat. d. Österr. Gal., Wien, 1965/66;
    H. Adolph-Paburg, in: Alte u. moderne Kunst 11, 1966, H. 87, S. 28;
    F. Novotny u. H. Adolph, M. K., 1969 (W, L, P);
    R. Waissenberger, Die Wiener Secession, 1971;
    C. Nebehay, Ver sacrum, 1975, S. 138-43;
    H. Fuchs, Die österr. Maler d. 19. Jh. II, 1973;
    ThB;
    ÖBL.

  • Portraits

    Selbstbildnis, um 1910 (Privatbes.), Abb. in: M. K., Ausstellungskat. Wien, 1965/66, u. b. Novotny - Adolph, s. L.

  • Autor/in

    Hans Ries
  • Empfohlene Zitierweise

    Ries, Hans, "Kurzweil, Max" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 339 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129207594.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA