Lebensdaten
1873 bis 1939
Geburtsort
Bozen
Sterbeort
Bozen
Beruf/Funktion
Maler ; Holzschnitzer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118849875 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Moser, Carl
  • Moser, Carl, der Jüngere
  • Moser, Carlo
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Zitierweise

Moser, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118849875.html [17.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Vincenz (1818–82), Rotgerber u. Maler in B. (s. ThB; ÖBL), S d. Carl Sigmund (1790–1865), Rotgerber u. Krippenbauer in B.;
    M Rosina Mayer (1848-1910) aus Innsbruck;
    B Josef (1882–1956), Maler;
    Schw Franziska (Fanny) (1878–1974, Carl Dallago, 1869–1949, Schriftst. u. Philosoph, Mitarb, d. Zs. „Der Brenner“, s. ÖBL);
    Vt Josef (1868–1941), Bildhauer; – ledig.

  • Leben

    Nach Absolvierung der Handelsakademie Dresden (1891–93) war M. als Kaufmann in seiner Heimatstadt tätig. Franz v. Defregger wurde auf die künstlerische Begabung M.s aufmerksam und riet zum Studium. 1896-1901 studierte M. an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Karl Raupp, Gabriel v. Hackl und seit 1898 bei Ludwig Herterich. Studienreisen führten ihn 1901 durch Deutschland, Italien, Korsika und Frankreich. Ein zunächst für kurze Zeit gedachter Parisaufenthalt wurde für ihn entscheidend. M. blieb 1901-07 in Paris und setzte sein Studium an der Académie Julian fort. Die Sommermonate verbrachte er in der Bretagne, vor allem in Douarnenez und Concarneau, wo er 1902 dem Maler und Mitbegründer der Wiener Secession Max Kurzweil (1867–1916) begegnete. Dieser regte ihn zur Beschäftigung mit dem Farbholzschnitt an und vermittelte ihm jene technischen Kenntnisse, des Holzschneidens und Druckens, die ihm sein Freund Emil Orlik nach seiner Rückkehr 1901 aus Japan weitergegeben hatte. Dadurch erreichte M. bereits in seinen ersten Farbholzschnitten Ergebnisse von erstaunlicher technischer Qualität. Dies sowie die freie künstlerische Verarbeitung Japan. Vorbilder, vor allem des Holzschnitts, in der franz. Kunst jener Zeit („Japonismus“) wurden für ihn zum entscheidenden Erlebnis. Anders als fast alle franz. Künstler der Zeit (mit Ausnahme etwa Henri Rivières, dessen Farbholzschnitte aus der Bretagne ihn beeindruckten) vollzog M. seine Auseinandersetzung mit der Kunst der Japaner in deren ureigenstem Metier, dem Holzschnitt. Das Beispiel der „Schule von Pont Aven“ befruchtete ihn künstlerisch und wirkte lange, auch nach seiner Rückkehr nach Bozen, nach. Seit 1905 stand M. in Kontakt mit dem Künstlerkreis um das Pariser Café du Dôme, vor allem mit Jules Pascin und Albert Weisgerber. Thematisch beschäftigten ihn während der Zeit in Frankreich Darstellungen aus dem Leben der Fischer und Bauern der Bretagne, die breton. Landschaft, einzelne Tierdarstellungen (Pfau) und Pariser Stadtmotive (Canal Saint-Martin).

    1907 war M., da sein Erbteil verzehrt war, gezwungen, nach Südtirol zu seiner Familie zurückzukehren. In Bozen entstanden noch viele Jahre lang Farbholzschnitte und Ölgemälde, in denen das Erlebnis der Bretagne|verarbeitet wurde, daneben Trachtenfiguren und Landschaften aus dem heimatlichen Bereich (Schloß Runkelstein, Seiser Alm) und aus Oberitalien (Parona di Valpolicella, Venedig, Trient). Seit 1910 fand M.s künstlerische und technisch meisterliche Beherrschung des Farbholzschnitts internationale Beachtung (Ausstellungen u. a. in Hamburg, Wien, Rom, Zürich, Leipzig, Venedig, Mailand, Turin, Brüssel). Seine Blätter gelangten in großer Zahl in öffentliche und private Sammlungen, besonders in das Museum für Moderne Kunst in Bozen, in die Graphische Sammlung Albertina in Wien und in das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck. M. druckte meist von 6 bis 10 Platten, die (nach japan. Vorbild) ihrerseits wieder in nicht benachbarten Teilen verschieden eingefärbt wurden, so daß oft 16 bis 18 Druckfarben zu unterscheiden sind. Die Drucke sind von Abzug zu Abzug stark variiert, so daß aus M.s bester Zeit (bis etwa Ende der 20er Jahre) kaum gleiche Drucke bestehen. Auch die Druckplatten wurden ständig verändert, ausgetauscht, bereichert oder vereinfacht. Der Katalog der Holzschnitte umfaßt mit Varianten 115, der der Gemälde 110 Werke. Noch zu seinen Lebzeiten geriet M., zuletzt verarmt und isoliert, in Vergessenheit. Erst 1973 wurde mit Ausstellungen in Bozen, Wien und Innsbruck wieder auf sein Werk aufmerksam gemacht. Gesamtausstellungen 1978 und 1989 in Bozen und Innsbruck machten Bedeutung und Umfang von M.s Werk vollends deutlich.

  • Literatur

    K. Kuzmany, Jüngere österr. Graphiker II (Holzschnitt), in: Die graph. Künste 31, 1908;
    V. Pica, in: L'odierna Arte del bianco e nero, Ausst.kat. Mailand 1923;
    ders., in: Emporium 56, 1922, Nr. 5;
    E. Fussenegger, Holzschneider C. M., 1930;
    W. Kirschl, Malerei u. Graphik in Tirol 1900–40, Ausst.kat. Wien u. Innsbruck 1973;
    ders., C. M., Das graph. Werk, Ausst.kat. Innsbruck 1978 (W, L, P);
    ders., C. M. 1873-1939 (W, L, P), 1989.

  • Autor/in

    Wilfried Kirschl
  • Empfohlene Zitierweise

    Kirschl, Wilfried, "Moser, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 197 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118849875.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA