Lebensdaten
1811 bis 1832
Geburtsort
Paris
Sterbeort
Schönbrunn
Beruf/Funktion
Kaiser der Franzosen ; König von Rom ; Prinz von Parma ; Herzog von Reichstadt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118743996 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Napoleon
  • Napoleon II. Francois Joseph Charles
  • Napoleon II. Franz
  • mehr

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Zitierweise

Napoleon II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118743996.html [26.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Napoleon I. (1769–1821), Kaiser d. Franzosen; Stief-V (seit 1821) Adam Adalbert Gf. v. Neipperg (1775–1829), Obersthofmeister in Parma; M Marie Louise (1791–1847), Kaiserin d. Franzosen, Hzgn. v. Parma (s. NDB 16), T d. Kaisers Franz II. (seit 1804 Kaiser Franz I. v. Österreich, 1768-1835, s. NDB V) u. d. Maria Theresia v. Neapel-Sizilien (1772–1807); Halb-B Charles Macon (* 1806, Comte Léon), Alexandre Comte Walewski (1810–68), franz. Dipl. u. Min., Wilhelm Albrecht Gf., seit 1864 Fürst v. Montenuovo (1819–95), österr. Gen. (s. ÖBL; NDB 18*); – ledig.

  • Leben

    Die Geburt eines unehelichen Sohns aus der Verbindung mit Éléonore Denuelle de la Plaigne Ende 1806 überzeugte Napoleon I., daß er Vater werden könne, der Tod seines Lieblingsneffen Napoléon Charles, des ältesten Sohns seines Bruders König Ludwig von Holland und seiner Stieftochter Hortense de Beauharnais, im Mai 1807 ließ ihn von seinen Plänen einer Nachfolge durch Adoption abrücken, und die Ehen seines Bruders Jérôme sowie seiner Stiefkinder Eugène und Stéphanie de Beauharnais mit Vertretern des Reichsfürstenstands wiesen ihm den Weg zu einer entsprechenden Verbindung. So heiratete Napoleon nach der Scheidung von Joséphine (Dez. 1809) im März 1810 Marie Louise, die älteste Tochter Kaiser Franz' I. von Österreich und einer Bourbonin. Die Bonapartes hatte er durch Senatsbeschluß vom 30.1.1810 von der Erbfolge ausschließen und für seinen Erben am 17.2.1810 den Titel eines Königs von Rom (in Analogie zum Rom. König des Alten Reichs) beschließen lassen. Für dessen Stellung, Erziehung und Hofstaat nahm er sich die Regelungen des Ancien Régime für die Enfants de France zum Vorbild, und mit der Gfn. Montesquiou machte er eine ausgesprochene Repräsentantin des alten Adels zur nur ihm verantwortlichen kgl. Gouvernante. Der kolossale Königspalast auf dem Hügel von Chaillot blieb allerdings Projekt.

    Die Geburt N.s und seine Taufe am 9. Juni in Notre-Dame wurden zum Höhe- und Wendepunkt von Napoleons Laufbahn: Begründung einer legitimen Dynastie, endgültige Trennung von der Revolution, Distanzierung von der Armee, fortschreitende Monarchisierung und Aristokratisierung des Empire. Die Vaterrolle machte Napoleon Freude, und er nahm sich, wenn er in Paris bzw. Saint-Cloud war, wo Marie Louise mit N. gewöhnlich|lebte, Zeit für seinen kleinen Sohn. Aber anläßlich der Verschwörung des Generals Malet im Oktober 1812, die den Kaiser totsagte, nahm man von N. keine Notiz. Um dem abzuhelfen, suchte Napoleon den Thronfolger in der Öffentlichkeit aufzuwerten. Im März 1813 wollte er ihn vom Papst krönen lassen, was Pius VII. jedoch ablehnte. Im April 1813 und erneut am 24.1.1814, als Napoleon Frau und Sohn zum letzten Mal sah, wurde Marie Louise nun jedoch zur Regentin bestellt. Am 29. März verließen sie auf Napoleons Befehl Paris in Richtung Süden. Am 4. April dankte der Kaiser zugunsten N.s ab, schloß ihn aber zwei Tage später in seinen Verzicht ein. Marie Louise reiste mit N. auf Wunsch ihres Vaters nach Wien. Nach Napoleons Rückkehr von Elba fürchtete man in Wien eine Entführung. Die Gfn. Montesquiou und ihr franz. Personal wurden entlassen. An ihre Stelle traten der hochgebildete Moritz Gf. v. Dietrichstein, Hauptmann Johann Baptist v. Foresti und weitere deutsche Lehrer. Am 22.6.1814 hatte Napoleon zugunsten seines Sohnes abgedankt. N. wurde von den Kammern der Hundert Tage als Kaiser anerkannt. Aber mit Ludwigs XVIII. Rückkehr nach Paris am 8. Juli begann die Zweite Restauration.

    Der Wiener Kongreß bestimmte, daß Parma, Piacenza und Guastalla nach Marie Louises Tod nicht, wie im Vertrag von Fontainebleau vom 11.4.1814 vorgesehen, an N. fallen sollten, sondern zurück an die span. Bourbonen. Daraufhin übertrug Kaiser Franz, der seinen Enkel gern hatte, aber sich Metternich und der großen Politik fügte, in der vor allem England keinen Bonaparte auf einem europ. Thron sehen wollte, die sog. pfalzbayer. Güter Ghzg. Ferdinands III. von Toskana in Nordböhmen an N. als „Franz Hzg. v. Reichstadt“, mit der Anrede Durchlaucht und Rang nach den Erzherzögen (Patent vom 22.6.1818), und stufte ihn damit wie einen deutschen Mediatisierten ein. Die Einkünfte von 500 000 Gulden sollten ihm jedoch erst nach Marie Louises Tod zufließen. Seine Erziehung zum österr. Prinzen gestaltete sich schwierig. Der hübsche blonde Knabe vermochte zwar in Gesellschaft zu gefallen, zeigte jedoch am Unterricht wenig Interesse. Kaiserin Maria Ludovika wollte einen Kleriker aus ihm machen. Dann entsprach man jedoch den Wünschen N.s und entschied sich für die Offizierslaufbahn. 1822 Korporal, 1828 Hauptmann bei den Kaiserjägern, wurde er 1832 schließlich Oberst bei der Infanterie. Er träumte von einem zweiten Don Juan d'Austria oder einem neuen Prinzen Eugen. Ein ungestümer Reiter, ging er gerne auf die Jagd und war von den Frauen umschwärmt. Ein herzliches Verhältnis verband ihn mit Sophie von Bayern (1805–72), der Frau Erzhzg. Franz Karls (1802–78), deren zweiten Sohn, den späteren Kaiser Maximilian von Mexiko (1832–67), man immer wieder für ein Kind N.s. erklärte. Marie Louise, zumeist abwesend, konnte ihm nie eine wirkliche Mutter werden, obwohl er an ihr hing. Von den Onkeln standen ihm wohl die Erzherzöge Johann (1782–1859) und Rainer (1783–1853) am nächsten. 1831 ließ er sich detailliert von Marschall Marmont über die Feldzüge seines Vaters berichten. Eine echte Freundschaft verband ihn mit dem Generalstäbler Anton Gf. Prokesch v. Osten (1795–1876), den er 1830 in Graz kennengelernt hatte. In den Gesprächen N.s mit Prokesch wie mit Kaiser Franz ist von einem Königtum in Griechenland, Polen, Belgien, Italien oder wenigstens Korsika die Rede. Revolutionär hätte es nach N.s Vorstellungen freilich nicht sein dürfen. Dem Bonapartismus in Frankreich blieb er durchaus fremd, und daß ihn Metternich als Druckmittel gegen Louis Philippe benützte, wußte er nicht. Er wußte auch nicht, wie krank er war. Sein starkes Längenwachstum hatte seinen Organismus überfordert. Er litt schließlich an Tuberkulose. Den Militärdienst mußte N. widerwillig aufgeben. Daß sein Tod, über den Metternich sicher nicht unglücklich war, auf böse Machenschaften des Kanzlers zurückgeführt wurde, lag nahe. Man kann den Wiener Hof- und Regierungskreisen höchstens den Vorwurf machen, daß sie die Warnungen der Ärzte, zumal des Leibarztes Johann Malfatti (1775–1859), nicht ernst genug genommen, N.s Militarismus nicht unterbunden und ihn nicht in das günstigere Klima Italiens gelassen haben. Als Prätendent des Bonapartismus wurde N. von seinem Vetter Charles Louis Napoléon abgelöst, der mit ganz anderem, eben doch revolutionärem Einsatz 20 Jahre später Napoleon III. werden sollte.

    Die Legende vom seiner franz. Wurzeln beraubten jungen Aar im goldenen Wiener Käfig geht auf Auguste Barthélemys und Joseph Mérys Gedicht „Le Fils de l'Homme, ou Souvenirs de Vienne“ (1829) zurück und durchzieht das 19. Jh., über Hugo und Dumas, aber auch August Gf. v. Platen, bis zu Edmond Rostands poetischem Drama „L'Aiglon“ (1900), auf dem die Oper von Arthur Honegger und Jacques Ibert (1937) basiert. Auch der Film hat sich ihrer bemächtigt. Der Vergleich mit Kaspar Hauser ist nicht unbegründet. – Nachdem Napoleon III. vergeblich versucht hatte, Österreich zur Herausgabe der sterblichen Überreste N.s an Frankreich zu bewegen, ließ Hitler sie am 15.12.1940, dem 100. Jahrestag der Überführung Napoleons I. von St. Helena, in den Invalidendom an die Seite seines Vaters überführen.

  • Literatur

    A. Gf. Prokesch-Osten, Mein Verhältniß zum Hzg. v. Reichstadt, 1878; F. Masson, Napoléon et son fils, 1904; O. Aubry, Le Roi de Rome, 1932 (L. P, dt. 1935); A. Castelot, L'Aiglon, Napoléon Deux, 1959 (L, P, dt. 1960); J. Tulard, Napoléon II, 1992 (L); S. Normington, Napoleon's Children, 1993 (L, P); J. Tulard (Hrsg.), Dict. Napoléon, 1987, S. 1230 f. (P).

  • Portraits

    Gem. v. F. Gérard 1812 (Musée de Versailles, Abb. in.: G. Martineau, Le Roi de Rome, 1982); Gem. v. Sir Thomas Lawrence 1818/19 (Fogg Art Mus., Harvard Univ., Cambridge, Mass., Abb. in: K. Garlick, Sir Thomas Lawrence, A complete catalogue of the oil paintings, 1989, Nr. 591); Kupf. v. T. Benedetti nach e. Gem. v. M. M. Daffinger (Österr. Nat.bibl. Wien, Abb. in: E. Wertheimer, Der Hzg. v. Reichstadt, Ein Lb., 1902); Totenmaske (Schloß Schönbrunn. Wien, Abb. in: G. Holler, Napoleons Sohn, Der unglückl. Hzg. v. Reichstadt, 1987).

  • Autor

    Peter Fuchs
  • Empfohlene Zitierweise

    Fuchs, Peter, "Napoleon II." in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 732-734 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118743996.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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