Lebensdaten
1843 bis nach 1926
Geburtsort
Groß-Wiederitzsch bei Leipzig
Sterbeort
Johannisberg bei Kötzschenbroda
Beruf/Funktion
Fabrikant
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 133756955 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nacke, Emil

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Zitierweise

Nacke, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133756955.html [18.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Emil Hermann Julius, Maureraufseher in Werdau;
    M Agnes Thusnelde Joseph aus Wildenhain.

  • Leben

    Als Student des Polytechnikums Dresden wurde N. 1869 beurlaubt, um für die Thodesche Papierfabrik in Hainsberg eine Strohstoffabrik nach dem Verfahren des Ingenieurs Weber aus Kopenhagen zu entwerfen. Der Aufschluß des Strohs erfolgte dabei mit Natron (Natriumbicarbonat) in rotierenden Kugelkochern, die direkt mit Dampf beheizt wurden. Erst nach Fertigstellung dieser Anlage legte N. am Polytechnikum die Schlußprüfung ab. Im Anschluß an eine Studienreise nach Paris trat er 1870 in die Maschinenfabrik Gruson in Magdeburg ein. Dann kehrte er nach Dresden zurück und ließ sich als Zivilingenieur nieder.

    N. erwarb von Weber eine Lizenz auf dessen Verfahren zur Strohstoffabrikation und baute eine entsprechende Anlage für die der Leipziger Firma Ferdinand Flinsch gehörige Patentpapierfabrik in Penig. Weitere Strohstoffabriken folgten, u. a. für die Firmen C. H. Kallert in Altöls bei Sprottau, Scheerer in Göritzhain, Hahn & Roth in Dohna, Linke in Hirschberg und die Winterschen Papierfabriken in Altkloster bei Buxtehude. Neben dem franz. Ingenieur Hector J. Lahouse spielte N. so eine entscheidende Rolle beim Aufbau der deutschen Strohzellstoffindustrie, die um 1880 mit 50 Fabriken ihre größte Entfaltung erreichte und 1913 (es existierten noch 16 Fabriken) mit 50 000 Jahrestonnen ihr bestes Produktionsergebnis erzielte. N. erfand einen eigenen Raffineur mit liegender Welle und vertikalen Steinen, der in Lizenz von der Maschinenfabrik J. M. Voith in Heidenheim gebaut wurde, und einen Bleich- und Waschholländer mit neuartigem Zirkulationsapparat. Stroh ist als Papierrohstoff grundsätzlich sehr gut geeignet; der zunehmende Einsatz von Holz als Rohstoff wurde nicht zuletzt durch die mit einer über das ganze Jahr gleichmäßigen Versorgung der Fabriken mit Stroh verbundenen Probleme bewirkt.

    N. plante gemeinsam mit der Firma Ferdinand Flinsch die Gründung einer Strohzellstoffabrik in Kötitz bei Coswig (Sachsen). Nachdem sich der Geschäftspartner zurückgezogen hatte, liierte sich N. mit der Firma C. H. Kallert in Altöls, reorganisierte den dortigen Fabrikbetrieb und nahm das Werk in Kötitz in Betrieb. Zur selben Zeit bemühte sich, unter dem Eindruck einer wachsenden Zahl preisgünstig mit Holz als Rohstoffbasis arbeitender Sulfitzellstoffabriken, ein Konsortium um den Zusammenschluß der deutschen Strohzellstofferzeuger unter dem Namen „Vereinigte Strohstoffabriken“. Die Fabriken in Altöls, Kötitz, Ingelheim, Gengenbach, Dohna und Rheindürkheim verbanden sich unter diesem Namen, und N. fungierte 1885-90 als Vorstandsmitglied des Konzerns und technischer Leiter der Fabriken in Altöls und Kötitz.

    1890 zog sich N. vollständig aus diesem Tätigkeitsgebiet zurück und konzentrierte sich auf seine bereits zu Beginn der 1870er Jahre in Dresden gegründete Maschinenfabrik, die sich vor allem mit dem Bau von Maschinen und Einrichtungen für die Papier- und Pappenindustrie befaßte und die er nun ebenfalls nach Kötitz verlegte. 1895 erfand N. einen Gasmotor und kam dadurch 1900 zum Automobilbau. Schon 1898 und erneut 1906/07 und 1909 beteiligte er sich an Automobilrennen und zwar auch mit Autos aus eigener Fertigung. Er war der erste Automobilhersteller Sachsens, noch vor August Horch (1903). N. baute zunächst große Pkw unter dem Markennamen „Coswiga“, 1910-12 auch zwei kleinere Typen, 1911 folgte ein Zweitonner, 1913 ein Dreitonnen-Lkw und ein Omnibus. Das Programm bestand seit 1926 aus 2,5-, 3,5 und 5 t-Lkw-Chassis mit eigenen Ottomotoren und verschiedenen Aufbauten sowie Omnibussen. 1930 stellte N.s Automobilfabrik die Fertigung von Nutzfahrzeugen ein und beendete 1932 auch die übrige Automobilproduktion. 1902 erfand N. das Prinzip der sog. Innenbackenbremse. 1902-12 war er Vorstandsmitglied d. 1901 gegründeten Vereins Dt. Motorfahrzeug-Industrieller (VDMI).

  • Werke

    DRP 39 534 v. 1886 (Papierstoff-Holländer mit vertikal od. schräg stehender Welle), 69 077 v. 1892 (Papierstoff-Raffineur mit horizontaler Welle u. vertikalen Steinen), 86 659 v. 1895 (Gasmaschine mit extra Kompressionsraum u. erhitztem Verbindungskanal), 129 663 v. 1901 (Antrieb f. Motorwagen), 152 330 v. 1903 (Antrieb f. Motorwagen), 143 154 v. 1902 (Innenbackenbremse), 146 283 v. 1903 (Reibungskupplung), 189 744 v. 1906 (Reibungskupplung), 129 115 v. 1901, 143 154 v. 1902, 146 283 v. 1903.

  • Literatur

    Carl Hofmann, Prakt. Hdb. d. Papierfabrikation, 21891/97, S. 1163-67;
    W. Schacht, Strohzellstoff, in: Ver. Dt. Papierfabrikanten, FS z. 50j. Jubiläum d. Ver., 1922, S. 275-81;
    Uhlemann, E. N., Ein Btr. z. Gesch. d. Papierfabrikation, in: Der Papier-Fabrikant 22, 1924, H. 24 a, S. 120-20c (P);
    H. Ch. Gf. v. Seherr-Thoß, Die dt. Automobilindustrie, 21979.

  • Autor/in

    Frieder Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Frieder, "Nacke, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 686 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133756955.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA