Lebensdaten
1603 bis 1657
Geburtsort
Berne
Sterbeort
Oldenburg
Beruf/Funktion
oldenburgischer Staatsmann
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 120688506 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Möller, Hermann
  • Müller, Hermann
  • Mylius, Hermann
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Zitierweise

Mylius von Gnadenfeld, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120688506.html [25.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ocko ( 1625), Müllermeister in B. u. Hahnenknoop;
    M N. N. ( 1615);
    Oldenburg 1637 Catharina (1613–55, s. L), T d. oldenburg. Rentmeisters u. Advokaten Johannes Mausolius ( 1631/34) aus Uelzen u. d. Ilse Bremes; Gvm d. Ehefrau Bernd Bremes, Bgm. in Diepholz;
    1 S.

  • Leben

    M. eignete sich an den Universitäten Helmstedt (1616), Rostock (1626), Straßburg (1627), Tübingen (1628), Basel (1632) und Leiden (1633) eine gründliche humanistische und juristische Bildung an und begleitete vermutlich als Informator und Hofmeister junge Adelige auf ihren Bildungsreisen. 1632 erwarb er in Basel den Grad eines licentiatus iuris utriusque und wurde 1634 als Sekretär in der Kanzlei des Gf. Anton Günther v. Oldenburg angestellt, dessen Vertrauen er gewann. Seine beiden wichtigsten diplomatischen Aufgaben in den folgenden Jahren waren die Behauptung der Oldenburg. Neutralität sowie die völkerrechtliche Anerkennung des 1623 vom Kaiser verliehenen Weserzollprivilegs, dessen Ertrag bis 1820 eine sichere Grundlage für den oldenburg. Staatshaushalt bildete. Seit 1636 war M. fast jedes Jahr als Sondergesandter in Europa unterwegs, um in meist zähen und geduldigen Verhandlungen Schutzbriefe der kriegführenden Staaten für Oldenburg zu erlangen. Er leistete damit einen entscheidenden Beitrag, um die Neutralitätspolitik des Gf. Anton Günther abzusichern und sein Land erfolgreich aus dem verheerenden 30jährigen Krieg herauszuhalten. 1644-48 gelang es M. in Osnabrück und Münster, den Weserzoll in den Friedensverträgen zu verankern und ihm damit internationale Anerkennung zu verschaffen. Er war auch daran beteiligt, den erbitterten Widerstand Bremens gegen diesen seinen Handel belastenden Zoll zu brechen; M. selbst konnte 1653 beim Reichstag in Regensburg die förmliche Unterwerfung der brem. Vertreter entgegennehmen. Im Rahmen seiner diplomatischen Sondermissionen hielt M. sich 1651/52 in London auf, um durch einen Schutzbrief Cromwells eine Garantie für die Sicherheit der Oldenburg. Schiffe im engl.-holländ. Seekrieg zu erwirken. Bei diesen Verhandlungen lernte er den Dichter und Parlamentssekretär John Milton kennen, mit dem er in diesen Monaten auch Briefe wechselte; M.s Gesandtschaftstagebuch bildet eine wichtige Quelle zur Biographie Miltons und seiner Freunde. Gf. Anton Günther honorierte die erfolgreiche Tätigkeit seines Sekretärs: 1646|ernannte er ihn zum Rat und Landrichter in Kniphausen, 1648 schenkte er ihm das Gut Gnadenfeld am Jadebusen, 1652 erwirkte er beim Kaiser die Erhebung M.s in den Adelsstand und 1656 berief er ihn schließlich zum Mitglied des als Zentralbehörde der Grafschaft vorgesehenen Geheimen Rats. In diesem kam M. aber offenbar keine wichtige Funktion mehr zu, nachdem er 1654 einen ersten Schlaganfall erlitten hatte.

  • Werke

    De Cessione Bonorum, 1632, in: Disputationes Juridicae Basiliensium, 1658 (Univ.bibl. Basel);
    Kurzer, jedoch gründl. Ber., was in d. Hochgräfl. Oldenburg. Weser-Zoll-Sache v. d. Zeit d. Münster. Friedens-Tractates bis auf Ostern 1653 vorgegangen, 1653. – Briefe: Corr. of Milton and M., in: The Works of John Milton, XII, hrsg. v. Th. O. Mabbot, 1936, S. 337-79. – Diarium: The Chief Passages relating to Milton in the MS Relatio or Tagebuch of M., ebd., XVIII, 1938, S. 484-92.

  • Literatur

    ADB 23;
    K. Düßmann, Gf. Anton Günther v. Oldenburg u. d. Westfäl. Frieden 1643–53, 1935;
    M. Richter, Die Anfänge d. Elsflether Weserzolls, 1967;
    H. Lübbing, in: Oldenburg. Fam.kde., 9, 1967, S. 539-57;
    L. Miller, John Milton and the Oldenburg Safeguard, New Light on John Milton and His Friends in the Commonwealth from the Diaries and Letters of H. M., 1985 (P);
    H. Friedl, in: Biogr. Hdb. z. Gesch. d. Landes Oldenburg, 1992 (P).

  • Portraits

    Kupf. v. A. van Hulle, 1696/97, Abb. b. Miller u. Friedl (beide s. L).

  • Autor/in

    Hans Friedl
  • Empfohlene Zitierweise

    Friedl, Hans, "Mylius von Gnadenfeld, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 669 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120688506.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mylius: Hermann M., geb. 1600 zu Hahnenknop im Oldenburgischen, war der Sohn eines Müllers, erhielt in Hamburg seine Ausbildung und trat dann als Secretär in den Dienst des Grafen Anton Günther von Oldenburg,|dessen Bestrebungen, die Schrecken des 30jährigen Krieges von seinem Ländchen abzuwehren und die Berechtigung zur Erhebung eines Zolles auf der Weser gegen die Einsprüche und Beeinträchtigungen des benachbarten Bremen zu sichern, er mit Eifer und Geschick unterstützte. Im J. 1636 ging M. als Gesandter nach Wismar, um bei dem Kanzler Oxenstierna die Neutralität der Grafschaft Oldenburg zur Anerkennung zu bringen, im J. 1637 nach Holland, um im Interesse seiner Heimath die heranziehenden Hessen und Franzosen von Ostfriesland abzuhalten, und noch in demselben Jahre nach Schweden, um über Seitens eines schwedischen Gesandten erhobene Unterstützungsforderungen in Stockholm selbst Beschwerde zu führen. Im J. 1642 zum Rath bei der Regierung in Oldenburg und später (1647) zum Landrichter in Kniphausen ernannt, wohnte er 1642 dem Frankfurter Deputationstage bei, nahm 1644 an den zu Osnabrück eröffneten Friedensverhandlungen Theil und wirkte im folgenden Jahre bei dem Abschluß des dänisch-schwedischen Friedens zu Brömsebroe mit. König Christian IV. von Dänemark, wol durch diese Verhandlungen auf ihn aufmerksam geworden, suchte ihn für seinen Dienst zu gewinnen; M. aber schlug die glänzenden Anerbietungen aus und blieb seinem heimathlichen Herrscher treu. Er erlangte bei den Friedensverhandlungen zu Münster die Anerkennung des Weserzolles (1648), war 1649 bei dem Nürnberger Friedensexecutionsreceß thätig, erwirkte 1652 bei Cromwell die Anerkennung der Neutralität Oldenburgs in dem holländisch-englischen Seekriege und wohnte endlich 1653 und 1654 noch dem Reichstage zu Regensburg als Gesandter bei. Graf Anton Günther hatte M. bereits im J. 1648 durch die Schenkung eines mit adlichen Freiheiten ausgestatteten Gutes belohnt und im J. 1652 bei dem Kaiser die Erhebung in den Adelstand als Mylius von Gnadenfeld und die Ernennung zum comes palatinus erwirkt. M. starb zu Oldenburg im J. 1657.

  • Autor/in

    Mutzenbecher.
  • Empfohlene Zitierweise

    Mutzenbecher, "Mylius von Gnadenfeld, Hermann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 143-144 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120688506.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA