Lebensdaten
1675 bis 1726
Geburtsort
Halle/Saale
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Jurist ; Naturforscher ; Mineraloge
Konfession
lutherische Familie
Normdaten
GND: 100225659 | OGND | VIAF: 56953728
Namensvarianten
  • Mylius, Gottlieb Friedrich
  • G. F. M.
  • M., G. F.

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Zitierweise

Mylius, Gottlieb Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100225659.html [18.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit 1398 in Sachsen, Thüringen, Hessen u. Franken nachweisbarer Gelehrtenfam.; der Augsburger Sup. Georg (1548–1607), Dr. theol., mußte als Initiator d. luth. Opposition gegen d. Einführung d. Gregorian. Kalenders seine Heimatstadt verlassen, seit 1603 Theol.-Prof. in Wittenberg (s. ADB 23); – V Heinrich Otto (1635–1703), seit 1675 Kammermeister in H., S d. Joachim Friedrich (1591–1669), Pastor in Joditz u. Ahornberg (Oberfranken), Adjunkt d. Diözese Hof, u. d. Pfarrers-T Margarete Gertrud Lessner;
    M Clara Elisabeth (1642–1708), T d. Bruno Stisser, Dr. iur., Kabinettsältester in Magdeburg;
    B Johann Heinrich d. Ä. (1659–1722), Jurist (s. ADB 23), Christian Otto (1678–1760), Dr. iur., führte 1730 als Gen.auditeur d. preuß. Armee d. Ermittlungen gegen Kronprinz Friedrich u. Lt. Katte wegen versuchter Desertion (s. ADB 23);
    Schw Clara Elisabeth (* 1672, ⚭ Johann Georg Francke, 1669–1747, Pastor u. Archidiakon an d. Marienkirche in H., preuß. Konsistorialrat);
    Vt Andreas (1649–1702), Jurist, Univ.-Syndikus in Leipzig (s. ADB 23);
    1700 od. 1710 Johanne Christiane, T d. Johann Friedrich Scipio, Erbherr in Zweinaundorf b. L.; kinderlos; – N Gustav Heinrich (1684–1765), sächs. Appellationsger.rat (s. ADB 23);
    Gr-N Johann Christoph (1710–57), Univ.-Bibliothekar in Jena (s. ADB 23), Johann Heinrich d. J. (1710–33), Jurist, Beisitzer am sächs. Oberger.hof (s. ADB 23), Ernst Heinrich M., Edler v. Ehrengreif (1716–81, erbl. Reichsadel 1768), württ. Gesandter in Wien (s. ADB 23); Verwandter Franz (s. 2).

  • Leben

    M. studierte seit 1693 Jura in Halle und Leipzig, wo einflußreiche Verwandte wirkten und|er sich als Advokat beider Rechte niederließ. Er wurde Oberaktuarius (Schöppenschreiber) beim kurfürstl.-sächs. Gerichtshof in Leipzig und Sekretär des Kurfürsten und Königs August II. von Sachsen und Polen. Durch Erwerbungen, Tausch und eigene Sammeltätigkeit gelang es ihm, ein bedeutendes Naturalienkabinett anzulegen. Angeregt durch Philipp Jacob Spener, August Hermann Francke und Johann Jacob Scheuchzer und wie diese vorwiegend physikotheologisch motiviert, gehörte M. zu den wissenschaftlich interessierten Laien der Aufklärung, die sich der Naturforschung in ihren jeweiligen Heimatregionen widmeten. In seinem zweibändigen Werk über die sächs. Fossilfunde (Memorabilium Saxoniae subterraneae, 1709-18) nennt er darüber hinaus neben fachlichem Interesse auch „Ruhm für das Vaterland“ als Motiv seiner Sammel- und Publikationstätigkeit.

    M. war der erste, der fossile Pflanzen aus Mitteldeutschland naturgetreu wiedergab. Deshalb wurden seine Abbildungen als Erstbelege später mehrfach in Standardwerken dieser Disziplin reproduziert. Seine Objekte (Farne, Calamiten, Farnsamer, Coniferen, außerdem Muscheln, Korallen und Fische) stammen vorwiegend aus dem Rotliegenden und Zechstein des Harzes und des Thüringer Waldes und sind größtenteils identifizierbar. Mit seinem Werk begründete M. den Ruf von Manebach (Thüringen) als überragendes Fundgebiet fossiler Rotliegendpflanzen und als eine der heute noch zugänglichen Ursprungsstätten der Paläobotanik. Da M. mit Scheuchzer in Verbindung stand und ihm schon 1708 auch druckfertige Abbildungstafeln übersandte, die dieser in sein „Herbarium diluvianum“ (1709) übernahm, galt bisher irrtümlich dieser als Erstbeschreiber der Thüringer Pflanzenfossilien. M. verglich die echten paläobotanischen Objekte, die neben zahlreichen Pseudofossilien (meist Dendriten) dargestellt sind, mit rezenten Pflanzen und benannte sie danach. Die Natur der Fossilien blieb ihm unklar, er übernahm daher auch spekulative Deutungen älterer Autoren als „Naturspiele“, glaubte an unterirdische Keimungen, spontane Zeugungen oder „Opfer der Sintflut“ und verbrämte seine Beschreibungen im Stile physikotheologischer Naturbeschreibungen mit Bibelzitaten und Glaubensbekenntnissen.

    M.s Arbeit basierte auf seiner bedeutenden Sammlung von Mineralien, Gesteinen und Fossilien, die bis 1716 auf 5197 Nummern anwuchs. Sie wurde wahrscheinlich in diesem Jahr an den Leipziger Apotheker Johann Heinrich Linck verkauft, dessen Naturalienkabinett ebenfalls überlokale Bedeutung hatte und von dessen Sohn weitergeführt wurde. 1840 gelangte die Sammlung in das Fürstlich Schönburg-Waldenburgsche Naturalienkabinett und von dort in das Heimatmuseum Waldenburg (Sachsen).

  • Werke

    Memorabilium Saxoniae subterraneae, Des Unterirdischen Sachsens seltsame Wunder d. Natur, 2 T., 1709/18;
    Museum sive Catalogus rerum naturalium et Fossilium tam exoticarum quam domesticarum … = Gottlieb Friedrich Mylii Cabinet od. kurze Beschreybung aller Natürlicher u. aus d. Erden so wohl frembder als absonderlich im Sachsen-Lande gefundener Sachen, Auktionskat. Oster-Messe Leipzig 1716.

  • Literatur

    ADB 23;
    Johann Christoph Mylius, Historia Myliana …, 3 Bde., 1751-52;
    Johann Carl Mylius, Gesch. d. Familien Mylius, 1895;
    M. Barthel, Von M. bis Schlotheim, in: A. Grote (Hrsg.), Macrocosmos in Microcosmo, 1994, S. 707-20;
    A. Seifert, Das Lincksche Naturalien- u. Kunstkab. in Leipzig (1670–1840) u. seine teilweise Neuaufstellung im Fürstl. Schönburg. Naturalienkab. in Waldenburg (Sachsen), in: Mus.kde. NF 7, 1935, S. 1-15. |

  • Quellen

    Qu.: Zentralbibl. Zürich, Nachlaß Scheuchzer; Archiv d. Franckeschen Stiftungen, Halle/Saale; Univ.-Archiv Halle/Saale. – Zur Fam.: J. C. Mylius, Gesch. d. Familien M., 1895, S. 50-58.

  • Autor/in

    Ilse Jahn
  • Empfohlene Zitierweise

    Jahn, Ilse, "Mylius, Gottlieb Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 664 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100225659.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mylius: Gottlieb Friedrich M., kurfürstlich sächsischer Secretär und Oberschöppenschreiber in Leipzig, geb. am 7. April 1675 zu Halle a. S., am 6. August 1726 (in Leipzig?), machte sich durch einige mineralogisch-paläontologische Publicationen bekannt. Hierher gehören: „Memorabilium Saxoniae subterransae“, 2 Theile 1709 und 1718, dann „Museum seu catalogus rerum naturalium et fossilium tam exoticarum quam domesticarum“, Lips. 1716. Letztere Schrift ist nur ein Verzeichniß von Mineralien, Steinen, Versteinerungen und einigen Curiositäten seiner großen Sammlung (ohne Beschreibung) in mehr als 5000 Exemplaren, welche M. zum Verkaufe stellte, während derselbe im ersteren Werke „des unterirdischen Sachsens seltsame Wunder der Natur“ beschreibt und in vielen Bildern zur Darstellung bringt. Bemerkenswerth sind darunter besonders die Fischreste aus dem Kupferschiefer aus dem Eislebenschen mit Angabe der aufeinander folgenden Gebirgsschichten, dann die Pflanzenreste des Manebacher Kohlengebirgs mit Anthracosien und die Muschelkalkversteinerungen aus dem Suhlischen. Auch Dendriten werden abgebildet und als Bäumchen bezeichnet, obwol der Verfasser auf die Aehnlichkeit mit den Eisblumen an den Fenstern hinweist. Bezüglich der Perlen der Flußmuscheln äußert er die Ansicht, daß dieselben Eier der Muschelthiere seien.

    • Literatur

      Poggendorff, Biogr. Lex. II, 50.

  • Autor/in

    v. Gümbel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Gümbel, Wilhelm von, "Mylius, Gottlieb Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 143 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100225659.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA