Lebensdaten
1859 bis 1929
Geburtsort
Wolferstedt (Thüringen)
Sterbeort
Weimar
Beruf/Funktion
Pädagoge
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 117204218 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Muthesius, Karl
  • Muthesius, K.

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Zitierweise

Muthesius, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117204218.html [19.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ehrenfried (1831–91), Maurermeister in Jena, S d. Georg Wilhelm (* 1796) aus Vogelsberg, Maurer in Großneuhausen b. Buttstädt, u. d. Johanna Maria Rödiger ( 1861);
    M Henriette (1833–1919), seit 1892 in Weimar, T d. Christian Müller (1797–1892),|Maurermeister in Wolferstedt, u. d. Sophie Elisabeth Kaiser (1790–1855);
    B Hermann (s. 2);
    Jena 1884 Bianca (1864–1940), T d. Karl Zeuner (1821–69) aus Naumburg, Nadler u. Gastwirt in Jena, u. d. Henriette Hintzel (1829–1914) aus Jena;
    2 S, 1 T, Hans (s. 3), Volkmar (1900–79), Dr. iur., Wirtsch.journalist, Mitinh. u. Geschäftsführer d. Fritz Knapp Verlags, Chefredakteur d. „Zs. f. d. gesamte Kreditwesen“, 1961-72 Präs. d. Bundes d. Steuerzahler (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1980; Nassau. Biogr.);
    E Peter (1930–93), Wirtsch.journalist, seit 1977 Chefredakteur d. „Zs. f. d. gesamte Kreditwesen“ u. Geschäftsführer d. Fritz Knapp Verlags.

  • Leben

    M. besuchte die Volksschule und das Lehrerseminar in Weimar. Danach war er zwei Jahre Mitglied des pädagogischen Seminars des Herbartianers Karl Volkmar Stoy an der Univ. Jena. 1881 wurde er ohne abgeschlossenes Universitätsstudium Seminarlehrer in Weimar. 1905/06 war er dort auch Bezirksschulrat und seit 1906 Direktor des Lehrerseminars. Im Zuge der Einheitsschulpolitik des sozialdemokratischen Kultusministers Greil und der Verlagerung der Lehrerbildung an das Institut für Erziehungswissenschaft der Univ. Jena schied er 1923 aus dem Dienst aus.

    M. gehörte zwischen 1890 und 1920 zu den literarisch und politisch aktivsten Volksschulpädagogen in Deutschland. Er wirkte maßgeblich im 1871 gegründeten „Deutschen Lehrerverein“ und seiner „Erziehungswissenschaftlichen Hauptstelle“ und nach 1914 im „Deutschen Ausschuß für Erziehung und Unterricht“. Befreundet u. a. mit Georg Kerschensteiner und Eduard Spranger, galt er in der 1902 einsetzenden pädagogischen Reformbewegung als eine der „tragenden Persönlichkeiten“ (Spranger). Zunächst orientiert an Schillers Gedanken einer ästhetischen Erziehung, wollte er in Annäherung an Kerschensteiners Arbeitsschulgedanken später der Berufsbildung schon in den Volksschulen größeren Raum gewähren. In einer vielbeachteten Rede auf der Deutschen Lehrerversammlung in Königsberg 1904 plädierte er dafür, die Unterschiede in der Ober- und Volksschullehrerausbildung im Hinblick auf eine einheitliche Volksbildung abzubauen, und forderte, die Universitäten für die Weiterbildung von Seminarabiturienten zu öffnen. Mit seinem pädagogischen Hauptwerk „Die Berufsbildung des Lehrers“ (1913) erstellte er ein systematisch bedeutsames Programm seminaristischer Lehrerbildung. Auf der Reichsschulkonferenz von 1920 vertrat M. als Berichterstatter aber mit Nachdruck das Modell einer ausschließlich universitären Ausbildung auch der Volksschullehrer. Von Ausnahmen in Hamburg, Braunschweig und Thüringen abgesehen, folgte die Entwicklung der Lehrerbildung in der Weimarer Republik aber eher den Konzepten seiner Opponenten, zu denen in diesem Fall auch Sprangerzählte. Diese favorisierten entweder die alten Seminare oder neu zu gründende pädagogische Akademien. Neben der Lehrerbildung widmete sich M. intensiv schulpädagogischen Fragen, vor allem zur Aufgabe der Volksschule angesichts der Lebenswelt der Jugendlichen. Er engagierte sich 1915 auch mit gemäßigt nationalistischen Tönen für ein einheitliches Bildungswesen sowie für größere Zuständigkeiten des Reiches und sprach sich für eine an der Idee der Gemeinschaft orientierte soziale Erziehung der Jugend aus. Liebevoll-anekdotisch und bewundernd beschäftigte er sich mit den Weimarer Klassikern, deren Lehren er zu popularisieren suchte.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Berlin 1927).

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Spiele der Menschen, 1899;
    Kindheit u. Volkstum, 1899;
    Schulaufsicht u. Lehrerbildung, 1902;
    Univ. u. Volksschullehrerbildung, 1904;
    Grundsätzliches z. Volksschullehrerbildung, 1911;
    Schule u. soz. Erziehung, 1912;
    Das Bildungswesen im neuen Dtld., 1915;
    Die Einheit d. dt. Lehrerstandes, 1917;
    Die Zukunft d. Volksschullehrerbildung, 1919. – Schrr. z. d. Klassikern: Schillers Briefe üb. d. ästhet. Erziehung des Menschen, 1897;
    Goethe, e. Kinderfreund, 1903;
    Herders Familienleben, 1904;
    Altes u. Neues aus Herders Kinderstube, 1905;
    Goethe u. Pestalozzi, 1908;
    Goethe u. Karl Alexander, 1910;
    Goethe u. d. Handwerk. 1927. – Hrsg.: B. Goltz, Buch d. Kindheit, 1913.

  • Literatur

    A. Bahr, in: DBJ XI, 1929, S. 22-26;
    E. Spranger, in: G. Franz (Hrsg.), Thüringer Erzieher, 1966, S. 343-53 (W, P);
    Wi. 1905-28;
    Lex. d. Päd., III, 1954;
    Kosch, Lit.-Lex.3

  • Autor/in

    Heinz-Elmar Tenorth
  • Empfohlene Zitierweise

    Tenorth, Heinz-Elmar, "Muthesius, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 650 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117204218.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA