Lebensdaten
1632 bis 1691
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Prag
Beruf/Funktion
Orgelbauer
Konfession
katholisch?
Normdaten
GND: 137913451 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mundt, Johann Heinrich

Orte

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Zitierweise

Mundt, Johann Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137913451.html [16.06.2019].

CC0

  • Leben

    M. kam vor 1668 nach Böhmen, um sein Handwerk bei dem Prager Orgelbauer Hieronymus Artmann zu erlernen. Seine erste nachweisbare Arbeit ist eine Reparatur der Orgel der Thomaskirche auf der Prager Kleinseite 1668 in Zusammenarbeit mit Matthäus Köhler (Kehler) aus Zwittau. Der erste vollständige Neubau entstand zeitgleich 1668-70 in der Zisterzienser-Klosterkirche in Osseg bei Dux mit II Manualen und 26 Registern (11/26, nur Prospekt erhalten). Von dort aus bewarb sich M. für den Neubau der Orgel in der Prager Teinkirche. Im September 1670 erhielt er den Zuschlag und erbaute das Werk (II/29) bis 1673 für 3122 Gulden, 21 Kreuzer und 3,5 Denare. Dieses größte und heute noch erhaltene Instrument M.s verhalf ihm schon während der Bauphase zu Ruhm und Anerkennung und außerdem zum unentgeltlichen Erwerb des Prager Bürgerrechts. Bei der Examinierung der Orgel am 28.4.1673 kam es jedoch zu Beanstandungen durch die offenbar konservative Prüfungskommission. Deshalb sowie wegen eines Brands der Kirche 1682 nahm M. mehrere Nachbesserungen vor allem in klanglicher Hinsicht vor. Zu den weiteren herausragenden Orgelbauten gehören die Instrumente in der Zisterzienserkirche von Hohenfurth (II/27, 1679) und in der Kirche St. Nikolaus in der Prager Altstadt (II/16, 1685). Im März 1691, wenige Tage vor seinem Tod, kaufte M. das Haus „Zum goldenen Sessel“ in Prag.

    M., in dessen Schaffen sich Elemente der böhm. wie auch der ital. Orgelbaukunst vereinen, zählt zu den markantesten Meistern des 17. Jh. in Böhmen. Mit seiner progressiven Konzeption stellt er ein Bindeglied zwischen den Orgelstilen des 15./16. und des 18. Jh., dem klassischen Zeitalter des barocken Orgelbaues, dar. Die beiden dominierenden Klanggruppen seiner Orgeln sind einerseits die Principal- und andererseits die Flötenstimmen. In auffälliger Minderheit befinden sich die Aliquotregister und die Lingualstimmen. Eine besondere Funktion nimmt in den M.schen Dispositionen das Register Copula aus dünnwandigen Eichenholzpfeifen ein. Es unterstreicht den grundtönigen Charakter der Orgeln und steht als Mittler zwischen den Principalen und den Flötenstimmen. Der Anteil der Zinnpfeifen überwiegt in seinen Orgeln. Die Mixturen sind terzhaltig. Im Werkaufbau der Orgeln, die oft Cymbelsterne besitzen, orientierte sich M. an den klassischen Regeln, wobei dem Hauptwerk eindeutig die dominierende Rolle zukommt. Das Pedal ist in hohem Maße als selbständige Klanggruppe angelegt. In der Prospektgestaltung bevorzugte M. eine flächige Anordnung der Pfeifen und Ornamente.

  • Werke

    Weitere W u. a. Prag, Neustadt, St. Wenzel I/10, 1684;
    Prag, Altstadt, St. Nikolaus (Benediktinum) Positiv I/3;
    Sassau, Klosterkirche (Chororgel), jetzt in Stolmir b. Böhm.-Brod II/?, 1688 (?) (teilw. erhalten);
    Kralowitz b. Pilsen I/12, 1689 (erhalten);
    Welwarn, St. Katharina, jetzt in d. Friedhofskapelle I/10, 1689 (teilw. erhalten);
    Skripel b. Beraun, kath. Kirche, Positiv (Prospekt erhalten, Autorschaft M.s zweifelhaft).

  • Literatur

    J. Gartner, Kurze Belehrung üb. d. innere Einrichtung d. Orgeln u. d. Art selbe in gutem Zustande zu erhalten, 1832;
    J. Hutter, Varhany v Týně 1670-1682, in: Kniha o Praze, 1931;
    V. Němec, Dějiny varhan u. Matky Boží před Týněm v Starém měste Pražském, in: Cyril 65, 1939, Nr. 5/7, S. 62;
    ders., Prasžké varhany, 1944;
    R. Quoika, Die Orgel d. Teinkirche zu Prag, 1948;
    ders., Über altböhm. Orgeln, in: Zs. f. Kirchenmusik 72, 1952, S. 195-98;
    E. Flade, Lex. d. Orgelbauer d. dt. Sprachgebietes (Ms., Musikabtlg. d. Staatsbibl., Berlin), um 1960;
    L. Tomši, Z činnosti Varhánře J. J. Mundta, in: Hudební nástroje 19, 1982, H. 4, S. 137-138;
    Biographisches Lexikon Böhmen.

  • Autor/in

    Felix Friedrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Friedrich, Felix, "Mundt, Johann Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 587 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137913451.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA