Lebensdaten
um 1350 - 1414
Geburtsort
Basel
Sterbeort
Überlingen/Bodensee
Beruf/Funktion
Dominikaner
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102840377 | OGND | VIAF: 223314538
Namensvarianten
  • Maulperg, Johannes
  • Maulberg, Johannes
  • Muelberg, Johannes
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Zitierweise

Mulberg, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102840377.html [08.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., vielleicht Schumacher;
    M N. N.

  • Leben

    Ob M. bis zum Eintritt in das Basler Dominikanerkloster 1370 als Flickschuster tätig war, ist umstritten. Nach diesem Zeitpunkt hielt sich M. zum Studium der „artes liberales“ in Prag auf, das er 1381 mit dem Bakkalaureat beendete. Anschließend besuchte er in Köln das Generalstudium und ist 1391 als Cursor in Colmar belegt. In dieser Zeit schloß er sich den führenden Vertretern der dominikanischen Observanzbewegung an, dem Ordensgeneral Raimund von Capua und dem Prior des ersten observanten Konvents der Teutonia in Colmar, Konrad von Preußen. 1395 wurde M. als Prior in das Würzburger Kloster gesandt, wo sich der Konvent aber erfolgreich gegen die Einführung der Observanz wehrte; nach wenigen Monaten wurde M. abgesetzt. Mit Unterstützung von Papst Bonifaz IX. führte Raimund von Capua 1396 die Observanz in Nürnberg ein; Konrad von Preußen, der gemeinsam mit Colmarer Brüdern nach Nürnberg kam, wurde Prior und M. Vikar. 1399 wurde M. Prior in Colmar, seit 1400 ist|er wieder in Basel bezeugt. Dort spielte er eine maßgebliche Rolle im Beginenstreit (1400–11), bei dem sich der Bischof, die Dominikaner, der Säkularklerus, der Rat und die Augustiner-Eremiten gegen die Beginen und Franziskaner wandten. 1405 wurden die Beginen vorübergehend und 1411 endgültig aus Basel vertrieben. M. hatte den Lebenswandel der Beginen in einer aufsehenerregenden Predigt am 25.6.1405 vor dem versammelten Basler Klerus attackiert und ihnen vorgehalten, sich sowohl den Stand der Religiosen anzumaßen, obwohl sie Laien seien, als auch unrechtmäßig vom Bettel und kirchlichen Einnahmen zu leben, statt sich von der eigenen Hände Arbeit zu ernähren. Deshalb seien sie zu exkommunizieren. 1404/05 hielt er in Straßburg über 90 Lehrpredigten. Im Verlauf des Beginenstreits begab er sich 1406 an die röm. Kurie, wo er bis 1411 blieb und sein Anliegen erfolgreich verteidigte; Gregor XII. ernannte ihn 1411 zum päpstlichen Ehrenkaplan und erteilte ihm den Auftrag, in Deutschland für seine Obödienz zu predigen.

    Nach der Rückkehr aus Rom hielt M. eine viel beachtete Predigt gegen Wucher, Hurerei des Klerus und für den röm. Papst. Dadurch verlor er aber auch noch seine letzten Anhänger, und da Basel in seiner Abwesenheit zum Pisaner Papst übergewechselt war, wurde er mit dem Argument, ein Schismatiker zu sein, 1411 aus der Stadt vertrieben. Im Herbst 1414 war er in Konstanz, wo bereits die ersten Konzilsteilnehmer eintrafen. Er erkrankte schwer an Ruhr und starb vermutlich im Beisein des Kardinals Johannes Dominici im Überlinger Franziskanerkonvent, wie der Sterbebericht Konrad Schlatters, der sich sein Knecht und Schüler nannte, eindrücklich schildert. Nur unter großen Mühen gelang es Schlatter, den Leichnam im Zisterzienserkloster Maulbronn bestatten zu lassen.

  • Werke

    Tractatus contra statum Beginarum, hrsg. v. S. v. Heusinger (in Vorbereitung);
    Sermones de VII sacramentis (Basel, Univ.bibl. A VI 28, fol. 2va-276rb);
    Predigten üb. d. erste Weltzeitalter (St. Gallen, Stiftsbibl., 1915, fol. 101r-191v);
    Utrum contractus reemptionis sit usurarius (Basel, Univ.bibl. C V 36, fol. 78v);
    Sterbebericht M.s v. Konrad Schlatter, hrsg. v. S. v. Heusinger (in Vorbereitung).

  • Literatur

    ADB 52;
    A. Patschovsky, Beginen, Begarden u. Terziaren im 14. u. 15. Jh., Das Beispiel d. Basler Beginenstreits (1400/04-11), in: FS f. E. Hlawitschka z. 65. Geb.tag, hrsg. v. K. R. Schnith u. R. Pauler, 1993;
    S. v. Heusinger, Der Basler Dominikaner J. M. (1350-1414) u. d. Reform seines Ordens, Diss. Konstanz (in Vorbereitung);
    Vf.-Lex. d. MA2.

  • Autor/in

    Sabine von Heusinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Heusinger, Sabine von, "Mulberg, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 573 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102840377.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mulberg: Johannes M., hervorragendes Mitglied des Dominicanerordens, 1414. Johann von Mulberg (auch Maulberg, Muelberg, Muellberger genannt) war um 1350 als Sohn eines Klein-Baseler Schuhflickers geboren, dessen Handwerk auch der Sohn bis zum zwanzigsten Jahre trieb. Erst dann trat er in den Predigerorden und hat an der Einführung der Ordensreform in einer Reihe von süddeutschen Dominicanerklöstern hervorragenden Antheil genommen. Im J. 1395 wird er als Prior des Würzburger Klosters von der reformfeindlichen Partei verjagt, 1399 begegnet er als Prior des Colmarer Klosters, seit 1400 wieder in Basel. Hier eröffnete er einen überaus heftigen Kampf gegen die dortigen Beginen und Begharden, der auch in den benachbarten Diöcesen (Konstanz, Speyer, Lausanne, Straßburg) Wellen schlug. Trotz des heftigen Widerspruchs des Franziskanerordens setzte M. im J. 1405 die Schließung der Baseler Beginen- und Vegharden-Häuser durch. Als die Franziskaner an Innocenz VII. appellirt hatten, begab sich M. im Herbste 1405 an den päpstlichen Hof, wo er bis 1411 verweilte. Bei seiner Rückkehr beauftragte ihn Papst Gregor XII., in Deutschland als Prediger für die Beseitigung des Schismas zu wirken. Nach Angabe seines Ordensgenossen Nider galt M. damals für den bedeutendsten Volksprediger seiner Zeit. In Basel wurde der Rath durch die Predigten, welche M. gegen die herrschenden Volkslaster hielt, zum Erlaß von strengen Sittenmandaten veranlaßt. Mulberg's Predigten schonten aber auch die sittlichen Schwächen der Geistlichkeit nicht und stellten ihr in prophetischen Gesichten strenges Strafgericht in Aussicht. Dieser leidenschaftliche Reformeifer Mulberg's mag wesentlich dazu beigetragen haben, daß man ihm in Basel, wo Johann XXIII. als Papst anerkannt war, wegen seines Festhaltens an der Obedienz Gregor's XII. als Ketzer und Schismatiker vor Gericht stellte und aus der Stadt vertrieb. Im J. 1414 starb er im Kloster Maulbronn, in weiten Kreisen im Ansehen eines gottgesandten Propheten stehend. Eine Unzahl seiner theologischen Schriften und Predigten sowie Streitschriften Mulberg's gegen die Baseler Beginen sind in Baseler Handschriften erhalten. Ein unter dem Namen Mulberg's gehender „Liber contra beginas et beghardos“ ist von Mosheim, eine von M. veranstaltete Sammlung von Abhandlungen und kirchlichen Verordnungen gegen die Beginen und Begharden von dem Unterzeichneten im Auszug bekannt gemacht worden.

    • Literatur

      J. L. v. Mosheim, De beghardis et beguinabus (Lips. 1790), S. 455, 554 ff. — W. Boehm, Friedrich Reiser's Reformation des K. Sigmund (Leipzig 1876), S. 145 ff. — H. Haupt, Beiträge zur Geschichte der Secte vom freien Geiste und des Beghardenthums, in der Zeitschrift für Kirchengeschichte Bd. VII (1885), S. 511. — Ders., Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. XIII, S. 566 und die dort citirte Litteratur.

  • Autor/in

    Herman Haupt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Haupt, Herman, "Mulberg, Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 52 (1906), S. 493-494 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102840377.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA