Lebensdaten
1827 bis 1895
Geburtsort
Ungarisch Ostra
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Talmudist ; jüdischer Theologe ; Hebraist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 138105324 | OGND | VIAF: 75990537
Namensvarianten
  • Müller, Joel
  • Müller, Joel
  • MJLLʿR, Joel
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Zitierweise

Müller, Joel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138105324.html [06.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Moses ( 1853), Rabbiner in Ungarisch Ostra (Mähren);
    M Kathi Circus;
    ⚭ Regina Weiss (1837-n. 1895) aus Neustadt (Ungarn).

  • Leben

    M. wurde von seinem Vater in das Studium des Talmud eingeführt. Er absolvierte das Gymnasium und studierte in Wien Jurisprudenz. 1853 wurde er in Nachfolge seines Vaters Rabbiner in Ungarisch Ostra, 1867 in Böhmisch-Leipa. Nach einer Tätigkeit als Religionslehrer 1874-82 in Wien folgte er einem Ruf als Dozent für die rabbinischen Fächer an die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin.

    M.s wissenschaftliche Leistung liegt auf dem Gebiet der Erforschung der Responsenliteratur, besonders der Sammlungen religionsgesetzlicher Entscheidungen der gaonäischen (7.-11. Jh.) und nachgaonäischen Zeit. Seine Editionen und Untersuchungen gehören zu den grundlegenden Werken dieses Fachgebietes und wurden vielfach nachgedruckt. Sie betreffen Responsen franz. und lothring. Talmudisten (1881, Nachdr. 1959 u. 1967), östlicher und westlicher Autoritäten (1888, Nachdr. 1959 u. 1966) sowie des Kalonymus von Lucca (1891). 1891 verfaßte er eine Einführung in die Responsenliteratur (Nachdr. 1959), zwei Jahre später eine kurze Zusammenfassung. In einzelnen Jahrgängen des „Berichts über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums“ gewährte er Einblick in seine Forschungen (4, 1886, 7, 1889, 8, 1890, 11, 1893).

  • Literatur

    ADB 52;
    Allg. Ztg. d. Judentums, 1895, S. 542 f., 556 f.;
    M. Schreiner, Gedächtnisrede auf J. M., 1896;
    J. Maybaum, Die Trauerrede, in: Ber. üb. d. Lehranstalt f. d. Wiss. d. Judentums 14, 1896, S. 23-25, 15, 1897, S. 32 ff.;
    S. Federbusch. Hokhmat Yisrael be-Eropa III, 1965;
    Jewish Enc, IX, 1905, Sp. 107;
    Enc. Jud. 1971 (W, P);
    ÖBL (W, L);
    Biographisches Lexikon Böhmen.

  • Autor/in

    Beate Ego
  • Empfohlene Zitierweise

    Ego, Beate, "Müller, Joel" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 420 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138105324.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Müller: Joel M., Dr., hervorragender Hebraist und Talmudforscher, geboren am 4. November 1827 in Ung.-Ostra, in Berlin am 6. November 1895. M. wurde von seinem durch Gelehrsamkeit und Charakter gleich ausgezeichneten Vater, der Rabbiner war, frühzeitig in das Studium der hebräischen und talmudischen Litteratur eingeführt und war dabei mit Eifer den Gymnasialstudien hingegeben, nach deren Absolvirung er die Universität in Wien bezog, um sich dem Studium der Jurisprudenz zuzuwenden. 1853 folgte er, da er auch theologisch völlig ausgebildet war, nach dem Tode seines Vaters dem Rufe seiner Heimathsgemeinde als Nachfolger desselben im Rabbineramte.|1867 tritt M. die Stelle eines Rabbiners in Böhm.-Leipa an, woselbst von ihm neben einzelnen Reben: „Die Spenden der Mutterfreude“ (1868), „Der kriegerische Stamm; Rede, gehalten zur Feier des Friedensfestes zwischen Frankreich und Deutschland“ (1871), eine Reihe von Kanzelvorträgen „Biblische Bilder“ (1869) erschienen sind. Vom Jahre 1874—1882 wirkte er unter schwierigen Verhältnissen als Religionslehrer in Wien und folgte 1882 einer Berufung als Docent für die rabbinischen Fächer an die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin, an der er bis an sein Lebensende gewirkt hat. In Wien schon begann M. seine eigentlich litterarische Thätigkeit, die Frucht langjähriger früherer Arbeit zu entfalten und hat er sich besonders durch seine gediegenen Forschungen über die gaonäische Periode, die er vollständig beherrschte, große Verdienste erworben, die sich der Anerkennung in Fachkreisen erfreuten. Von seinen Werken sind zu nennen: „Chiluf Minhagim, Ritusverschiedenheiten zwischen den babylonischen und palästinensischen Juden"; „Maasecheth Soferim, der talmudische Tractat der Schreiber. Eine Einleitung in das Studium der althebräischen Graphik, der Massorah und der altjüdischen Liturgie nach Handschriften herausgegeben und commentirt"; „Teschuboth Geone Mizrach und Maareb"; „Die Responsen des R. Meschullam, Sohn des R. Kalonymos“. Im J. 1882 erschien von ihm: „Dr. Adolf Jellinek. Gedenkblatt zur Feier seines vor 25 Jahren am 6. October 1857 erfolgten Amtsantritts in Wien“, nebst einem Cataloge der litterarischen Productionen Jellinek's. Von seinen in Zeitschriften zerstreuten Aufsätzen sei hier auf: „Leopold Kompert als jüdischer Geschichtsschreiber“ und auf „König Saul in Sage und Dichtung“ (Pop. wissenschaftliche Monatsblätter, Jahrg. 1888, S. 193, und Jahrg. 1891, S. 25) hingewiesen.

  • Autor/in

    Adolf Brüll.
  • Empfohlene Zitierweise

    Brüll, Adolf, "Müller, Joel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 52 (1906), S. 512-513 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138105324.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA