Lebensdaten
1832 – 1909
Geburtsort
Göpfritz/Wild (Niederösterreich)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Vorgeschichtsforscher ; Unternehmer ; Archäologe ; Prähistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119554518 | OGND | VIAF: 45114674
Namensvarianten
  • Much, Matthäus J.
  • Much, Mathias J.
  • Much, Matthäus
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Zitierweise

Much, Matthäus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119554518.html [21.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1795–1859), Oberamtmann in Petschau (Böhmen), S d. Sebastian (1746–1843), Lehrer in Gösing am Wagram, u. d. Theresia Zeiner (1771–1858) aus Altpölla (Niederösterreich);
    M Franziska (1800–90), T d. Leopold Fidler (* 1766), Bäckermeister in Geras (Niederösterreich), u. d. Magdalena Maurer (* 1773);
    Wien 1860 Marie (1837–1919), natürl. T d. Anton Kiendl (1816–71) aus Mittenwald (Bayern), Geigenbauer u. Zitherfabr. in W. (s. ÖBL), u. d. Maria Hornsteiner (* 1812) aus Mittenwald;
    1 S Rudolf (s. 2), 2 T (1 früh †).

  • Biographie

    Nach der Matura 1851 am Theresianum studierte M. in Wien Jus, wobei sich seine Interessen gleichzeitig auch auf die Altgermanistik und die Naturwissenschaften richteten. Unter anderem hörte er Vorlesungen von Friedrich Simony, der 1850 über Funde aus Hallstatt publiziert hatte. Zunächst ging M. als Finanzbeamter nach Temesvár, 1858 promovierte er in Graz zum Doktor der Rechte und übernahm nach seiner Eheschließung die Leitung der Zitherfabrik seines Schwiegervaters in Wien. Die Sammelleidenschaft des seither finanziell unabhängigen M. führte in den 70er Jahren zu umfangreichen Grabungen. So entdeckte er 1874 am Mondsee, wo er ein Haus besaß, eine Pfahlbausiedlung und ließ diese freilegen. Er öffnete hallstättische Tumuli und führte Testschnitte in zahlreichen Wehranlagen Niederösterreichs durch. 1877 wandte er sich dem alpinen Kupferbergbau zu und publizierte die von Johann Rudolf Pirchl entdeckten Funde vom Mitterberg. In Kommission verkaufte M. für den dän. Altertumshändler Henriquez prähistorische Funde. 1877 wurde M. aufgrund seiner umfangreichen Grabungsaktivitäten zum Mitglied der k. k. Zentralkommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und der historischen Denkmale ernannt, wo er in der Sektion für prähistorische Funde und antike Kunst sowie im Komitee für Denkmalschutzgesetzgebung wirkte. Seine Hauptverdienste liegen in der Feldforschung. Dagegen erschienen viele seiner Interpretationen, besonders der Tumuli und Wehranlagen, bereits seinen Zeitgenossen germanophil. M. führte den Terminus „Kupferzeit“ in Österreich ein. Einige seiner Ideen waren richtungweisend: die Gründung eines niederösterr. Landesmuseums, der gesetzliche Schutz für Bodendenkmale und die Information über diese sowie über Prähistorie bereits in den Schulen. Durch seine Paläolithforschungen sowie die sorgsame Aufbewahrung auch von organischen Fundresten wird sein Interesse für die Umwelt des prähistorischen Menschen deutlich. Sein Vorschlag eines „Staatl. Untersuchungsamtes in physikalisch-chemischer Richtung“ (1892) zur Analyse von Bodenfunden blieb unerfüllt. Von bleibendem Wert ist seine Sammlung; sie bildet seit 1912 den Grundstock der Studiensammlung des heutigen Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Univ. Wien. Galt er lange als „Nestor der Urgeschichte Österreichs“, wird M. heute eher nüchterner betrachtet: Er war Autodidakt und fand – persönlich wie in seinen Theorien – kaum Aufnahme in akademische Kreise. Doch dank seines immensen Fleißes entdeckte er zahlreiche prähistorische Fundstätten und beschrieb viele von diesen erstmals.|

  • Auszeichnungen

    Ausschußmitgl. d. Anthropolog. Ges. in Wien (1871, 1876-82 Sekr., 1903-09 Vizepräs.), Ehrenmitgl. d. Ges. f. Salzburger Landeskde. (1881), d. Ver. f. Landeskde. in Niederösterreich (1908) u. d. Altertums-Ver. in Wien (1902–08 Vizepräs.);
    Reg.rat (1895).

  • Werke

    u. a. Die Frauen in d. Urgesch., 1883;
    Die Kupferzeit in Europa, 1886, ²1893;
    Slg. v. Abb. vorgeschichtl. (…) Funde, in: Kunsthist. Atlas, 1889;
    Tafel: Vor- u. frühgeschichtl. Denkmäler aus Österreich u. Ungarn (Aquarelle v. L. H. Fischer), 1894;
    Die Heimat d. Indogermanen im Lichte d. urgeschichtl. Forschung, ²1904;
    Die Trugspiegelung oriental. Kultur in d. vorgeschichtl. Za. Nord- u. Mitteleuropas, 1907. – Aufsätze in: Mitt. d. Anthropolog. Ges. in Wien I, 1871, S. 131-39, 159-67, II, 1872, S. 322-24, V, 1875, S. 37-93, XI, 1882, S. 18-54;
    Mitt. d. Central-Commission z. Erforschung (…) hist. Denkmale, NF IV, 1878, S. CXLVI-CLII, V, 1879, S. XVIII-XXXVI, IX, 1883, S. CLV-CLVIII, 23, 1897, S. 179-82;
    Helferts österr. Jb. VIII, 1884, S. 40-112;
    Gesch. d. Stadt Wien, I, 1897, S. 27-36.

  • Literatur

    A. Mayer, in: Monatsbll. d. Ver. f. Landeskde. Niederösterreichs V, 1910/11, S. 8-10;
    H. Schmidt, in: Prähist. Zs. I, 1909, S. 430-32 (W, P);
    J. Szombathy, in: Mitt. d. Anthropolog. Ges. in Wien 40, 1910, S. 48-50;
    H. Widmann, in: Mitt. d. Ges. f. Salzburger Landeskde. 50, 1910, S. 77-79;
    O. Menghin, Die Neuaufstellung d. Slg. Much, in: Urania VI, 1913, S. 601-04;
    R. Pittioni, Bibliogr. z. Urgesch. Österreichs, 1931 (W-Verz.);
    L. Franz, in: NÖB 13, 1959, S. 64-69 (P);
    F. Felgenhauer, Gesch. d. prähist.-archäolog. Erforschung v. Stillfried, in: Forschungen in Stillfried I, 1974, S. 7-20;
    Wi. 1905-09;
    BJ 14, Tl.;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Otto H. Urban
  • Zitierweise

    Urban, Otto H., "Much, Matthäus" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 249 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119554518.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA