Lebensdaten
1776 bis 1868
Geburtsort
Hanau
Sterbeort
Bodenhausen bei Kassel
Beruf/Funktion
kurhessischer Finanzminister
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 137612354 | OGND | VIAF: 81781660
Namensvarianten
  • Motz, Gerhard Heinrich von

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Zitierweise

Motz, Gerhard Heinrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137612354.html [28.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Ludwig (1732–1817, Reichsadel 1780), kurhess. GR, Präs. d. Rentkammer H., S d. Christian Heinrich M. (1687-1751, s. Gen. 1);
    M Emilie Elisabeth Wilhelmine Bernard-Strantz (1738–93), T d. Straßburger Bankiers Johann Christoph Bernard (1707–94), Bankier in Straßburg, u. d. Helena du Fay (1716–80);
    Vt Friedrich (s. 1);
    1) Stolzenau/Weser 1805 Amalie (1782–1822), T d. Georg v. Alten (1754–1821), auf Stolzenau u. Bodenhausen, seit 1793 auf Dunau, u. d. Catherine|Marie Gertrud v. Borries (1760–1843), 2) Hanau 1823 Elisabeth Luise Oktavie (1800–68), T d. Peter Friedrich Frhr. v. Stockum (1759–1834), hess. Geh. Kriegsrat, u. d. Susanne Marie du Faye (1763–1838);
    1 T aus 2) Helene (1825–1912, Karl v. u. zu Mansbach, 1830–90, norweg. Kammerherr u. Ministerresident), Erbin v. Bodenhausen.

  • Leben

    M. trat nach dem Studium in Marburg 1798 als Assessor in den Dienst der Landgfsch. Hessen-Kassel. Er arbeitete bei der Regierung in Hanau, wo er auch nach dem Ende des 1803 zum Kurfürstentum erhobenen kurhess. Staates zunächst in franz. Diensten und dann in jenen des Großhzgt. Frankfurt tätig blieb. Ein Jahr nach der Wiedererrichtung des Kurfürstentums Hessen wurde M. Direktor des Hof- und Ehegerichts in Hanau. 1821 wurde er zum Vortragenden Ministerialrat der Justiz im Kasseler Staatsministerium berufen, wo er an den Beratungen über das Organisationsedikt von 1821 teilnahm. Nach wenigen Monaten kehrte er jedoch auf seine alte Stelle in Hanau zurück.

    Die mit den kurhess. Unruhen vom Herbst 1830 eingeleitete innenpolitische Wende wurde zu einem entscheidenden Einschnitt in M.s Laufbahn. Am 13.4.1831 wurde er zum Finanzminister des Kurfürstentums Hessen berufen. Eine seiner ersten großen Aufgaben betraf die Zollpolitik. Auf diesem Felde hatte sein 1830 verstorbener Vetter Friedrich v. Motz als preuß. Finanzminister seit 1828 neue Akzente gesetzt. Während das Großhzgt. Hessen 1828 einen Zollvereinsvertrag mit Preußen geschlossen hatte, war das Kurfürstentum Hessen dem antipreuß. Mitteldeutschen Handelsverein beigetreten und widersetzte sich entschieden einer Verständigung mit Preußen. Die aus der Zollpolitik resultierenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren eine der Hauptursachen für die Unruhen des Jahres 1830. M. trug als neuer Finanzminister maßgeblich dazu bei, daß das Kurfürstentum schließlich gegen Widerstände des Monarchen die Verständigung mit Preußen suchte. Am 25.8.1831 wurde der Beitrittsvertrag zum preuß. geführten Zollverein abgeschlossen, der eine wichtige Etappe auf dem Weg zum Deutschen Zollverein darstellte. Zum einen erhielt Preußen die lange angestrebte zollpolitische Verbindung zwischen seinen östlichen und westlichen Provinzen. Zum anderen beschleunigte sich nun der Zerfall des Mitteldeutschen Handelsvereins.

    In der kurhess. Politik spielte der gemäßigt konservative M. bis zur Revolution von 1848 eine wichtige Rolle. Er behielt auch unter der im Herbst 1831 beginnenden Regierung des Kurprinzen und Mitregenten Friedrich Wilhelm das Amt des Finanzministers und fungierte zeitweise auch als Justiz- und Außenminister. In den heftigen Auseinandersetzungen, die 1832 mit der Berufung des Justiz- und Innenministers Hassenpflug zwischen Regierung und Landtag einsetzten, bemühte sich M. um eine ausgleichende Politik. Er war kein Anhänger des Liberalismus, wollte aber auf dem Boden der 1831 vereinbarten Verfassung bleiben und geriet dadurch nicht selten in Konflikt mit dem eigenwilligen Kurprinzen. Eine wichtige Stütze waren dabei die vielfältigen Beziehungen, die M. zu Preußen unterhielt. Trotz der um Ausgleich bemühten Grundhaltung und trotz seiner relativ erfolgreichen Finanzpolitik geriet M. als einer der wichtigen Repräsentanten des herrschenden Systems mehrfach mit dem Landtag in Konflikt. Während der Unruhen vom Frühjahr 1848 richtete sich der Unmut des Volkes auch gegen M., der am 10.3.1848 auf eigenen Wunsch in den Ruhestand versetzt wurde.

  • Literatur

    K. W. Wippermann, Kurhessen seit d. Freiheitskriege, 1850;
    Ph. Losch, Gesch. d. Kurfürstentums Hessen 1803 bis 1866, 1922;
    M. Bullik, Staat u. Ges. im hess. Vormärz, Wahlrecht, Wahlen u. öffentl. Meinung in Kurhessen 1830-1848, 1971;
    H. Höffner, Kurhessens Ministerialvorstände d. Verfassungszeit 1831–66, Diss. Gießen 1981;
    H. Seier (Hrsg.), Akten u. Briefe aus d. Anfängen d. kurhess. Verfassungszeit 1830–37, 1992. – Zur Fam.: Die Fam. v. M., in: Hess. Bll. 19, 1887, Nr. 1381.

  • Autor/in

    Hans Werner Hahn
  • Empfohlene Zitierweise

    Hahn, Hans-Werner, "Motz, Gerhard Heinrich von" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 230 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137612354.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA