Lebensdaten
1663 bis 1731
Geburtsort
Stolzenau/Weser oder bei Eisenach (?)
Sterbeort
Königsberg (Preußen)
Beruf/Funktion
Orgelbauer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 137572271 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mosengeil, Johann Josua
  • Mosengel, Johann Josua
  • Mosengeil, Johann Josua

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Zitierweise

Mosengel, Johann Josua, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137572271.html [10.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., ev. Pfarrer (?);
    M N. N.;
    Königsberg 1699 Dorothea, T d. Gerichtsverwandten Heinrich Schau;
    6 K (z. T. früh †), u. a. Heinrich Josua (1700–37), Dr. med., Anna Catharina (1706–40, Georg Sigismund Caspari, 1693–1741, Orgelbauer, Mitarbeiter M.s seit 1721, übernahm 1731 d. Werkstatt u. baute u. a. 1732 d. Orgel d. Schloßkirche v. K.; ihm folgte 1741 dessen Vetter 2. Grades Adam Gottlob Casparini, 1715–88, d. 43 Neubauten in Ostpreußen u. Litauen schuf, u. a. in Wilna, Hl. Geist, s. L); Gr-Ov d. Schwiegersohns Eugen Casparini (1623–1706), Orgelbauer (s. NDB III).

  • Leben

    M., über dessen Herkunft und Lehrzeit nichts sicheres bekannt ist, erlernte den Orgelbau vermutlich bei Johann Tobias Gottfried Trost und Martin Vater. Mit selbständigen Arbeiten zunächst im Raum Hannover nachweisbar (1695 Neubau in Bissendorf), wurde er 1695 als „Churfürstl. Hannoverscher Orgelbauer“ privilegiert. Mit einem Privileg als „Churfürstl. Brandenburg.-Preuß. Hoforgelmacher“ ließ er sich 1698 in Königsberg nieder (seit 1701 „Kgl.-Preuß. Hoforgelbauer“). Seine erste bedeutende Arbeit dort war die Orgel für die ev. Kirche im Stadtteil Löbenicht von 1698 (1764 verbrannt), wobei das von M. „neu erfundene gelinde doch gravitätische Register Sordun 16'“ besonders gerühmt wurde (Mattheson). Insgesamt gingen aus M.s Werkstatt rund 40 neue Orgeln sowie 20 Umbauten älterer Orgeln hervor. Bei seinen Neubauten verwendete M. teilweise Pfeifenwerk aus den Vorgängerorgeln der Instrumentenbauer Zickermann (16. Jh.), z. B. bei der|Domorgel in Königsberg. Die Disposition M.s von 1718 enthält 62 Register auf 3 Manualen und Pedal (III/62) und weist dieses Werk als eines der größten der damaligen Zeit aus. Bemerkenswert war das in 2 Rückpositiven untergebrachte Kleinpedal, mit einer vertikalen Feldtrompete 8' in den Prospekten. Der aus 7 Türmen und 22 Feldern bestehende Prospekt war bis 1944/45 erhalten. Bewegliche Prospektengel und der preuß. Adler, dessen Flügel bewegt werden konnten, gehörten auch zu den Ausstattungen anderer Orgeln M.s.

    Kleine Orgeln mit 1/9-13 Registern disponierte M. in der Regel nicht ohne Bordun 16', Quinte 2 2/3', Terz 1 3/5' und Trompete 8'. Schon ein Pedalwerk mit nur 3 Stimmen war cantus-firmus-fähig (z. B. Bissendorf: Subbaß 16', Trompete 8', Oktave 4'). Streicher waren nur in M.s großen Orgeln zu finden, selten eine Unda maris. Für Dorfkirchen mit geringer Höhe über der Empore hatte M. ein zweitürmiges Brüstungspositiv mit 4'-Prospekt entwickelt; über das mittlere, niedrige Pfeifenfeld hinweg konnte der an der Rückseite sitzende Spieler den Altar sehen. Die Windlade lag auf dem Fußboden und wurde über eine Wellenbrett-Stechermechanik mit durchgestemmten Wellenärmchen angespielt (z. B. Almenhausen/Uderwangen I/14, 1711, und Stockheim I/7, 1714). Zweimanualige Orgeln baute M. zunächst meist als Hauptwerk und Rückpositiv, in späteren Jahren vorwiegend mit einem Oberwerk über dem Hauptwerk. Viele Orgeln M.s wurden zwischen 1885 und 1930 umgebaut. Die bis 1944/45 noch erhalten gebliebenen Werke zeugten von einer hohen Qualität und erlaubten den Vergleich mit den Orgeln des norddeutschen Zeitgenossen Arp Schnitger. M.s Instrumente standen überwiegend im heute russ. Teil Ostpreußens; sie wurden Ende des 2. Weltkriegs zerstört oder ausgeplündert. Von M.s äußerst reich dekorierten Gehäusen waren bis 1944/45 noch 26 erhalten; nach dem Krieg blieben nur zwei im heute poln. Teil Ostpreußens übrig (Heiligelinde/poln. Świȩta Lipka, Ermland; Passenheim/Pasym, Masuren).

  • Werke

    Weitere W u. a. Medenau I/15, 1694;
    Kumehmen I/16, 1695/1715;
    Allenburg II/22, 1699;
    Alt-Lappienen, 1701;
    Landsberg II/26 (?), 1701;
    Brandenburg/Haff I/16, 1702;
    Pörschken I/10, 1702;
    Domnau I/12, 1704;
    Kreuzburg II/30, 1704 (Umbau);
    Sorquitten, 1706;
    Königsberg-Sackheim I/14, 1707 (1764 verbrannt);
    Königsberg-Tragheim, 1710 (?) (1783 verbrannt);
    Memel, Dt. Kirche, 1711 (1784 verbrannt);
    Gerdauen, 1712;
    Schönbruch I/16, 1714;
    Eisenberg I/9, 1715;
    Neuhausen, 1716 (Umbau);
    Finckenstein, Schloßkirche I/8, 1717;
    Bladiau, 1720;
    Königsberg-Haberberg II/32, 1720 (?) (Umbau, 1747 verbrannt);
    Kaukehmen I/11, 1722;
    Friedland II/31, 1724;
    Braunsberg II/30 (?), 1726;
    Pobethen II/16, 1726;
    Goldap I/10, 1726.

  • Literatur

    J. Mattheson, Slg. v. Orgeldispositionen, in: F. E. Niedtens Musical. Handleitung anderer Theil, 1721;
    A. R. Gebser u. E. A. Hagen, Der Dom zu Königsberg in Preußen, 1833/35, S. 326-39;
    A. Ulbricht, Gesch. d. Bildhauerkunst in Ostpreußen, 1926/29 (Abb.);
    F. Buchholz, Der Bau d. Heiligelinder Orgel, in: Zs. f. d. Gesch. u. Altertumskde. Ermlands 27, 1941, S. 437-14;
    E. Flade, Der Orgelbauer G. Silbermann, 21953, S. 3;
    J. Sianko, Barokowe organy z XVIII w. na terenie diecezji warm., in: Studia warmińskie VIII, 1971, S. 49 ff.;
    J. Golos, Polskie organy i muzyka organowa, 1972;
    L. Burgemeister, Der Orgelbau in Schlesien, 21973;
    W. Renkewitz u. J. Janca, Gesch. d. Orgelbaukunst in Ost- u. Westpreußen v. 1333 bis 1944, I, 1984, II in Vorbereitung (Hier weist Janca nach, daß d. v. Flade, s. o., aufgestellten 2 verschiedenen Orgelbauer Adam Gottlieb Casparini u. ein dritter namens Johann Gottlob C., s. NDB III, sämtl. identisch sind. Es handelt sich stets um Adam Gottlob C., 1715-88. Auch d. in d. poln. Lit. aufgeführte Dominik Adam C. ist als identisch mit Adam Gottlob C. anzusehen.);
    E. Smulikowska, Prospekty organowe w Polsce, 1989;
    Altpreuß. Biogr. II.

  • Autor/in

    Jan Janca
  • Empfohlene Zitierweise

    Janca, Jan, "Mosengel, Johann Josua" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 172 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137572271.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA