Lebensdaten
1708 oder 1706 bis 1785
Sterbeort
Babelsberg bei Potsdam
Beruf/Funktion
preußischer Hofrat ; Gelehrter ; politischer Agent
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118584073 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Morgenstern, Salomo Jakob
  • Morgenstern, Sal. Jacob
  • Morgenstern, Salamon Jacob
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Zitierweise

Morgenstern, Salomo Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584073.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Wilhelm, Bürger u. Krämer in P., S d. Gregor, Bürger u. Krämer in P.;
    M Johanna Sophia, T d. Johann Winkler ( v. 1689), Mag., Archidiakon in Borna;
    Halle 1735 Helene Christiana, T d. Malers Theodor Konrad Guericke (1662–1732) aus Magdeburg u. d. Elisabeth Pischeln (1656–1732), Wwe d. Michael Ludolf Wilhelm, magdeburg. Hofporträtist (s. ThB).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Altenburg bezog M. 1726 die Univ. Jena, wechselte 1727 nach Leipzig, wo er 1732 Magister artium wurde, und hielt hier sowie seit 1734 in Halle mit geringem Erfolg vor allem geographische und historische Vorlesungen. Sein der Zarin Anna und ihren Ministern Ostermann und Münnich gewidmetes „Ius publicum Imperii Russorum“ (1736) brachte ihm von seiten des russ. Gesandten in Berlin, Kasimir Christian Frhr. v. Brackel, eine Belohnung von 100 Rubel und die Aussicht auf eine Professorenstelle am Moskauer Gymnasium ein. Auf dem Weg dorthin hielt ihn jedoch Kg. Friedrich Wilhelm I. von Preußen in Potsdam fest und machte ihn als Nachfolger von Jakob Paul Frhr. v. Gundling und David Faßmann mit dem Hofratstitel, 500 Talern Gehalt und freier Wohnung zum Vorleser und Zeitungsreferenten in seinem Tabakskollegium. Von reichlich sonderbarem Aussehen, hatte er, wie seine Vorgänger, hier auch den Narren zu spielen und noch im selben Jahr 1736 an der Univ. Frankfurt/Oder seine „Vernünftigen Gedanken von der Narrheit und Narren“ in einer gelehrten Disputation vor dem König zu verteidigen, was trotz des dabei von Friedrich Wilhelm arrangierten lächerlichen Theaters, dem sich Johann|Jakob Moser, damals Professor in Frankfurt/Oder, nur mit einigen Schwierigkeiten zu entziehen wußte, nicht durchaus mißlang. Mit unter M.s Einfluß ist der Soldatenkönig in seinen letzten Lebensjahren auch noch ein bißchen zum „Professorenkönig“ (Jochen Klepper) geworden. Versuchen, Christian Wolff nach Preußen zurückzuholen, blieb der Erfolg allerdings bis zu Friedrich Wilhelms Tod versagt, und behauptete diplomatische Aufträge M.s waren wohl nur Angeberei. Um seine Position unter dem Nachfolger zu retten, diente sich M. Friedrich d. Gr. für eine Verwendung in dem soeben eroberten Schlesien an, und Friedrich machte ihn tatsächlich, dem Feldkriegskommissariat attachiert, zum preuß. Agenten und Spion in Breslau und zwang die Breslauer Stadtkämmerei, M.s 500 Taler Pension auf den städtischen Haushalt zu übernehmen. M. bezog sie bis zu seinem Tod. Unter Geheimrat Karl Gottlieb v. Nüßler war er offenbar eine Zeitlang bei der Festlegung der schles. Grenzen gegenüber Polen und nach dem Breslauer Frieden von 1742 auch gegenüber Österreich beschäftigt. Intrigen und fragwürdige Geschäfte trugen nicht eben zu seiner Beliebtheit in Schlesien bei. 1756 kehrte M. nach Potsdam zurück, wo er vereinsamte und verwahrloste. Für Friedrich Nicolai, der ihn 1779 besuchte, hob er sich immerhin positiv von Friedrich Wilhelms übrigen „Hofgelehrten“ ab. Seine in vielem wenig zuverlässige, aber lebendige und, da auf persönlichen Erlebnissen beruhend, nicht uninteressante Geschichte „Ueber Friedrich Wilhelm I.“ erschien erst 1793 (Neudr. 1978).

  • Werke

    Weiteres W Neueste Staatsgeographie, wo jeden Landes natürl., pol., Kirchen- u. Schulenstand genau abgeschildert ist, 1. T., 1735.

  • Literatur

    ADB 22;
    K. F. Flögel, Gesch. d. Hofnarren, 1789, S. 245-51;
    G. A. H. Stenzel, Gesch. d. preuß. Staats III, 1841, S. 503-06 (L);
    C. Grünhagen, Zwei Demagogen im Dienste Friedrichs d. Gr., in: Abhh. d. Schles. Ges. f. vaterländ. Cultur, Phil.-hist. Abt., 1861, H. 1, S. 55-99 (L);
    R. Leineweber, M., e. Biograph Friedrich Wilhelms I., in: Forschungen z. Brandenburg, u. Preuß. Gesch. XII/1, 1899, S. 111-61 (L, Neudr. 1978);
    E. Vehse, Preuß. Hofgeschichten II, hrsg. v. H. Conrad, 1913, S. 124-28;
    J. Klepper, Der Vater, Der Roman d. Soldatenkönigs, 1937, S. 771-80, 784-87, 829-35;
    H. Lüer, Hofrat S. J. M., in: Pegauer Heimatbll. Nr. 51, 1937;
    W. Venohr, Der Soldatenkönig, Revolutionär auf d. Thron, 1988;
    Meusel;
    Jöcher-Adelung;
    Brümmer.

  • Portraits

    Kupf. v. J. Eckstein, Abb. in: Hist.-Geneal. Kal. auf d. Gemein-Jahr 1823, Nr. 12 mit S. 261-64.

  • Autor/in

    Peter Fuchs
  • Empfohlene Zitierweise

    Fuchs, Peter, "Morgenstern, Salomo Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 113 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584073.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Morgenstern: Salomo Jakob M., 1785. Gelehrter und zugleich politischer Agent. Geboren 1706 zu Pegau in Sachsen, studirte er zu Jena, promovirte in Leipzig, wo er dann als Docent für Geschichte und Geographie auftrat, siedelte bald aber nach Halle über. Rechten Erfolgen als akademischer Lehrer stand schon seine äußere Erscheinung im Wege. Er wird uns geschildert als von auffallend kleiner Statur mit sehr großem Kopf, breit geschlitzten Augen und ziemlich langer, aber flacher Nase. Doch erwarb er sich als Schriftsteller Verdienste, so durch seine „Neueste Staatsgeographie“ (1735), welche eigentlich zuerst die Statistik in die Geographie einführte. Sein „Jus publicum imperii Russorum“ (Halle 1736) verschaffte ihm einen Ruf an ein Gymnasium zu Moskau. Auf der Reise dorthin machte er in Berlin die Bekanntschaft eines höheren preußischen Offiziers, der, durch seine Unterhaltung angezogen, ihn dem König Friedrich Wilhelm I. für die Stelle eines Vorlesers und Erklärers der Zeitungen in dem bekannten Tabakscollegium empfahl. Hierfür engagirt mit dem Hofrathstitel und 500 Thalern Gehalt entschloß er sich auf die Moskauer Stellung zu Verzichten. In dieser Stellung blieb er bis an des Königs Tod 1740, allerdings nie sicher vor den oft derben Spöttereien Friedrich Wilhelms und seiner Umgebung. Als der König einmal den Frankfurter Professoren zürnte, mußte M. (1737) auf seinen Befehl dort eine von ihm Verfaßte Dissertation über die Narrheit öffentlich vertheidigen in einem Aufzuge, der ungleich mehr noch als das, was M. geschrieben hatte und sprach, die Gelehrten verhöhnte. Als dann König Friedrich seinen schlesischen Feldzug begonnen und der Stadt Breslau vorläufig eine gewisse Neutralität zugesagt hatte, entsandte er im Sommer 1741 M. dorthin, um über die Haltung des Breslauer Raths, mit der der König unzufrieden war, zu berichten und zugleich dahin zu wirken, daß die Bürgerschaft womöglich selbst um Besetzung der Stadt bitte, damit nicht einmal verrätherische Umtriebe sie den Oesterreichern in die Hände spielten. Es konnte nicht fehlen, daß M., der hier unter dem Namen eines Magisters Freyer auftritt, bei dieser Mission in Conflict mit dem Rathe gerieth und selbst von der preußischen Behörde, den Geheimeräthen des Feldkriegscommissariats scheel angesehen ward. Ehe übrigens noch seine agitatorischen Bestrebungen einen directen Erfolg erzielten, endete die Ueberrumpelung und Besetzung der Stadt durch die Preußen am|10. August 1741 Morgenstern's Wirksamkeit. Er soll nachmals bei der Grenzregulirung beschäftigt worden sein. König Friedrich hat den Breslauer Rath gezwungen, M. eine jährliche Pension von 500 Thalern zu zahlen, die er bis an seinen Tod genossen hat. Auf einer Besitzung in Babelsberg bei Potsdam hat er als Sonderling menschenscheu und nur mit allerlei Gethier sich umgebend am 15. November 1785 sein Leben beschlossen, nachdem er noch in seinem Alter aus seinen Erinnerungen ein erst nach seinem Tode gedrucktes Schriftchen über König Friedrich Wilhelm, das seiner Zeit viel gelesen und viel benutzt worden ist, geschrieben hatte.

    • Literatur

      Grünhagen, Zwei Demagogen im Dienste Friedrichs des Großen. Abhandlungen der schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. Phil.-histor. Abth. 1861, Heft 1. Die dem M.'schen Buche über Friedr. Wilh. I. (1793) vorausgeschickte kurze Nachricht von dem Leben des Verfassers ist ganz unkritisch und in den Einzelheiten meist unglaubwürdig.

  • Autor/in

    Grünhagen.
  • Empfohlene Zitierweise

    Grünbach, "Morgenstern, Salomo Jakob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 233-234 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584073.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA