Lebensdaten
1682 bis 1734
Geburtsort
Pöttmes bei Aichach (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Mediziner ; Anatom ; Naturforscher
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117136220 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Morasch, Johann Adam
  • Morasch, Jean Adam
  • Morasch, Joannes Adamus
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Zitierweise

Morasch, Johann Adam, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117136220.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adam Moras, ital. Abstammung, Bürger u. Krämer in P.;
    M Richildis Wiser;
    1) vermutl. Herrieden od. Eichstätt Maria Elisabeth N. N. ( 1716), 2) Rain/Lech 1716 Maria Theresia (1694–1731), T d. Johann Georg Baumann (1643 ?-1720), Gastwirt in Rain, u. d. Regina Pappin (* 1654), 3) 1731 Gertraud Rosina Haas ( 1734), Dienstmagd in M.s Haushalt in I.;
    5 S, 3 T aus 1), 5 S, 3 T aus 2), u. a. Maximilian Anton (* 1718), Johann Karl (* 1719), beide 1740 in I. zum Dr. med. promoviert, 1 T aus 3) (früh †).

  • Leben

    M. besuchte das Gymnasium in Ingolstadt und Neuburg/Donau und absolvierte das Lyzeum in Freising. An das Studium der Philologie in Wien schlossen sich philosophische Studien in Dillingen an, die M. in Ingolstadt bei dem Jesuiten Joseph Anton Kleinbrodt (1668–1718) fortsetzte, der auch die neue, von Descartes und Newton geprägte Philosophie und Naturwissenschaft lehrte und M.s medizinische Anschauungen grundlegend prägte. Er wurde 1705 zum Dr. phil. promoviert und im selben Jahr – noch als Kandidat der Medizin – mit dem Stadtphysikat von Herrieden betraut. Nach der Promotion zum Dr. med. 1707 erhielt er die Stelle eines fürstbischöflichen Leibarztes in Eichstätt. Einer klinisch-praktischen Weiterbildung bei Franz Ignaz Sattler in München folgte nach erfolgreich abgelegtem Examen vor dem Collegium Medicum die Berufung zum Landschaftsphysikus des Ingolstädter Kreises im Jahr 1710. Seine Ernennung zum ao. Professor (1708) wie auch die Berufung zum Ordinarius für Anatomie und praktische Medizin in Ingolstadt (1710) erfolgte gegen den Widerstand der Fakultät, die M. antiaristotelische Tendenzen und mangelnde Erfahrung vorwarf.

    In M., einem entschiedenen Vertreter der Aufklärung, erwuchs der medizinischen Fakultät ein kraftvoller und zielstrebiger Reformer. Er publizierte die Vorlesungen und hinterlassenen Manuskripte Kleinbrodts unter dem Titel „Philosophia atomistica“ (1727/31). Trotz heftiger Kritik durch die Jesuiten Konrad Herdegen, Anton Heisinger und Georg Hermann, der 1730 eine gegen M. gerichtete antiatomistische Streitschrift publizierte, gelang es M., die moderne Lehre für die Medizin in Ingolstadt fruchtbar zu machen und durchzusetzen. Während Philosophie und Theologie die metaphysischen Konsequenzen des Cartesianismus mit Recht als Bedrohung ihres Weltbildes empfanden, bot das cartesianische Modell der im tierischen Körper mechanisch wirkenden „Spiritus animales“ der Medizin einen brauchbaren und plausiblen Ansatz für die Interpretation vieler neuer anatomischer und physiologischer Entdeckungen. Wie auch Kleinbrodt stützte sich M. nicht allein auf Descartes, sondern zog auch die Vorstellungen J. B. van Helmonts, R. Boyles, D. Sennerts, P. Gassendis und J. C. Sturms zur Entwicklung seiner mechanistischen Physiologietheorie heran, die er Georg Ernst Stahls humoralpathologischem, psychodynamischem Körperkonzept entgegensetzte. Der Dissens mit der auf einem erstarrten Aristotelismus beharrenden Theologie und Philosophie wurde offenkundig, als man einem seiner besten Schüler, Franz Josef Grienwaldt, 1732 die Annahme der Dissertation „Novitius medicorum scrupulosus“ verweigerte. Grienwaldt verließ Ingolstadt und wurde in Altdorf promoviert. M. reagierte mit einer anonymen Schrift „Atomismus a injustis Peripateticorum“ (1733). Schon zu Beginn seiner Lehrtätigkeit belebte M. die an der medizinischen Fakultät darniederliegende Disputationstradition und verfaßte eine Reihe von Traktaten, die er verteidigen und als Sammelband „Praelectiones academicae“|(1725) publizieren ließ. Das Leib-Seele-Problem wird hier u. a. im Zusammenhang mit physischen und psychischen Erkrankungen unter mechanistischen Gesichtspunkten diskutiert. In dem Lehrbuch „Nucleus Physiologicus“ behandelte er die Grundlagen der praktischen Medizin, Physiologie, Pathologie, Semiotik, Hygiene und Therapie. Sein besonderes Interesse galt den fiebrigen Erkrankungen, auf deren Genese sich die Korpuskulartheorie als Erklärung exemplarisch anwenden ließ. M. war ein behutsamer Therapeut, der sich gegen den seinerzeit verbreiteten exzessiven Aderlaß, drastische Purganzien, schweißtreibende Mittel und Experimente mit Blutübertragung und Pockeninokulation aussprach. Zu seinen bevorzugten Heilmitteln gehörten Mineralwässer, flüchtige Salze und Chinarinde. Als chemiatrisch orientierter Arzt verfügte er über gute analytische Fähigkeiten, die er beispielsweise für die chemische Beurteilung des Wassers von Räb einsetzte. Auf chirurgischem Gebiet befaßte er sich mit Augenkrankheiten, Brüchen und Steinleiden.

    Die Errichtung einer Anatomie und eines Botanischen Gartens betrieb M. zielstrebig und erfolgreich. Er konnte eine den Erfordernissen des Experimentalunterrichts entsprechende Anatomie schaffen, wo er nicht nur Sektionen an Tierkadavern, sondern auch an menschlichen Leichen durchführte. Erfahrungen, die er 1725 in Botanischen Gärten in Italien gesammelt hatte, setzte er im Ingolstädter Hortus medico-botanicus um. Die Pflanzen beschaffte er persönlich aus dem Würzburger Garten. Die Einweihung des Anatomiegebäudes 1736 erlebte M. nicht mehr. M. war 1718 und 1727 Rektor der Universität, insgesamt versah er zehnmal das medizinische Dekanat. Er hinterließ eine hervorragende wissenschaftliche Bibliothek, die von der medizinischen Fakultät erworben und später in die Münchener Universitätsbibliothek überführt wurde, – bayer. Rat (1716); Mitgl. d. Leopoldina (1719).

  • Werke

    Weitere W Nucleus Physiologicus seu Institutionum Medicarum, 1711;
    Ophtalmicon Medico-Practicum in Praelectionibus Academicis publicis, 1728;
    Gründl. Unterss. od. Beschreibung d. Heyl-Brünnleins, u. Wild-Bads nächst Räb etc., 1733, 21750.

  • Literatur

    ADB 22;
    F. J. Grienwaldt, Album Bavariae Iatricae, 1733, S. 96-99 (L);
    ders., Biographia D. J. A. M., 1735 (Bibliogr.);
    W. K. Ramminger, Die v. A. F. Oefele nicht bearb. Ärzte-Bio-Bibliogrr. aus d. Album Bavariae Iatricae seu Catalogus celebriorum aliquot medicorum v. F. J. Grienwaldt 1733, Diss. Erlangen 1968, S. 93-102;
    S. Hofmann, Die Alte Anatomie in Ingolstadt, in: Neue Münchner Btrr. z. Gesch. d. Med. u. Naturwiss., Med.hist. R., V, 1974, S. 22-27, 32-34, 40-51, 72-75;
    A. Groh, Bio-Bibliogrr. d. bayer. Ärzte u. Gelehrten aus d. Elenchus quorundam Bavariae Medicorum von A. F. Oefele sowie d. Album Bavariae Iatricae von F. J. Grienwaldt, Diss. Erlangen 1975, S. 96-98;
    BLÄ. – Eigene Archivstud. (Univ.archiv München).

  • Autor/in

    Christa Habrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Habrich, Christa, "Morasch, Johann Adam" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 84 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117136220.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Morasch: Johann Adam M., geboren am 27. April 1682 zu Böttmes in Oberbaiern, studirte, nachdem er das Gymnasium zu Ingolstadt, Neuburg und Freising besucht hatte, in Wien Philologie und wurde Lehrer in Dillingen, da er sich jedoch in diesem Berufe unbefriedigt fühlte, so begab er sich wieder nach Ingolstadt, um dort Naturwissenschaften und Medicin zu studiren. Nachdem er 1707 promovirt, wurde er 1708 zum außerordentlichen und 1710 zum ordentlichen Professor der Medizin in Ingolstadt ernannt. Er erwarb sich um die Universität große Verdienste, namentlich auch dadurch, daß er den sehr vernachlässigten botanischen Garten wieder in Stand setzte und die fast ganz unterlassenen Doctor-Disputationen wieder einführte. 1716 erhielt er den Titel eines kurbairischen Rathes. M. starb am 19. December 1734. Er veröffentlichte zahlreiche Arbeiten in den „Ephemerides Academiae Caesareo-Leopoldinae“.

  • Autor/in

    W. Heß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heß, Wilhelm, "Morasch, Johann Adam" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 211 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117136220.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA