Lebensdaten
1897 bis 1977
Geburtsort
Antwerpen
Sterbeort
Damme bei Brügge (Flandern)
Beruf/Funktion
Archäologe
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118736809 | OGND | VIAF: 113576123
Namensvarianten
  • Moortgat, Anton
  • Moortgat, A.
  • Moortgat, Franz Anton
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Zitierweise

Moortgat, Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118736809.html [31.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus fläm. Fam., d. 1918 Belgien verlassen mußte; – V Anton Hendrik (1862–1927, seit 1920 Moortgat-Pick), Syndikus in A., 1920 in Wolfenbüttel eingebürgert, Prof. f. Fremdsprachen an d. TH Braunschweig, S d. Franziskus (1831–1913), Segelmacher in A., u. d. Maria Regina Wellens (1832–1900);
    M Hortensia (1865–1918), T d. Henrikus Jacobus Pick (1838–96), Möbelmaler in A., u. d. Carolina Juliana Schoysman (1841–86);
    Halb-B Waldemar Moortgat-Pick (* 1923), Dr.-Ing., Dipl.-Physiker, Entwicklungsing. u. Geschäftsführer (s. Wi. 1989);
    1) Berlin 1925 Josephine Abrahamczik ( 1964), 2) Berlin 1946 Ursula (* 1920, s. W), Dr. phil., Mitarbeiterin d. Max-Frhr.-v.-Oppenheim-Stiftung, T d. Dr. Joachim Correns (1892–1964), Versicherungsdir. in Berlin, u. d. Gertrud Schaefer (1893–1927);
    1 T aus 2) Elisabeth Alexandra (* 1947), Redakteurin in Berlin.

  • Leben

    M. studierte 1916-18 klassische Archäologie, klassische Philologie, Alte Geschichte und|Kunstgeschichte in Gent, seit 1919 in Münster und Berlin bei H. Dragendorf, F. Noack, G. Rodenwaldt, U. v. Wilamowitz, W. Jaeger, Ed. Meyer, U. Wilcken und A. Goldschmidt und wurde 1923 bei Noack in Berlin mit einer Arbeit über „Das antike Torgebäude in seiner baugeschichtlichen Entwicklung“ promoviert. 1923-28 war er wissenschaftlicher Hilfsarbeiter im Orient-Forschungs-Institut von Max Frhr. v. Oppenheim in Berlin. Nach einem Stipendiatenjahr in Rom trat er 1929 in den Dienst der Vorderasiatischen Abteilung der Staatlichen Museen zu Berlin. Seit 1938 wirkte er dort als Kustos, 1941 wurde er zum Professor ernannt. Im selben Jahr wurde er Honorar-Professor an der Univ. Berlin, 1948 o. Professor für Vorderasiatische Altertumskunde an der neu gegründeten Freien Univ. Berlin. Er hatte den Lehrstuhl bis zu seiner Emeritierung 1967 inne. M. hat die Vorderasiatische Altertumskunde als Lehrfach in Deutschland begründet. Es fiel ihm zu, die Denkmäler des Alten Vorderasien zu ordnen und in eine zeitliche und stilistische Abfolge zu setzen. Seine Schrift „Hellas und die Kunst der Achaemeniden“ (1926) spiegelt den Bewußtseinsprozeß wider, den der junge klassische Archäologe durchmachte. Grundlegend war dann der Aufsatz „Die Bildgliederung des jungassyr. Wandreliefs“ (1930). Die Verflochtenheit der altoriental. Bildsymbolik ließ ihn bereits 1932 ein Thema aufgreifen, das bis heute große Probleme aufwirft, „Die Bildende Kunst des Alten Orients und die Bergvölker“. Sie führte ihn schließlich zu ihren Anfängen zurück mit „Frühe Bildkunst in Sumer“ (1935). In diesem Buch erschließt M. die Bildkunst des 3. Jahrtausends in methodisch mustergültiger Weise; durch Inschrift oder Fundlage gesicherte Monumente werden auf ihre Stilmerkmale untersucht und andere Werke ihnen in Analogie beigeordnet oder entsprechend vorangesetzt. Indem er die „Bildgedanken“, d. h. die Motive und Themen, immer weiter zurückverfolgt, gelingt ihm die Isolierung einer Symbolik, die er wegen ihres einfachen Gehaltes und in Verbindung mit der sumer. Mythologie deuten zu können glaubt. Dies manifestiert sich in seiner Schrift „Tammuz, der Unsterblichkeitsglaube in der Altoriental. Bildkunst“ (1949). Wie die Variationen eines musikalischen Themas ziehen sich „überzeitliche Bildgedanken“ und Kompositionsschemata durch die altoriental. Kunst. Die Anbindung dieser Kunstbetrachtung an die Geschichte Alt-Vorderasiens führte zu einer grundlegenden, bis heute anerkannten kunstgeschichtlichen Periodisierung in den Schriften „Vorderasiat. Rollsiegel“ (1940), „Geschichte Vorderasiens bis zum Hellenismus“ (in: „Ägypten und Vorderasien im Altertum“, 1950, mit A. Scharff) sowie „Die Kunst des Alten Mesopotamien“ (1967). Darüber hinaus hat M. die Vorstufen dieser Kunst untersucht in „Die Entstehung der sumer. Hochkultur“ (1945). Die alt-vorderasiatische Kunst war für M. eine religiös gebundene Kunst; selbst wenn der ursprüngliche Gehalt im Laufe der Zeit verloren ging und die Symbole nur noch dekorative Zwecke erfüllten, wurde sie dennoch nicht weltliche Kunst. In diesem Sinne war die Ausdrucksform der Kunst für ihn unteilbar, sie war Stil und Deutung in einem. Die alt-vorderasiatische Kunst ist Abbild ihrer „Eigenbegrifflichkeit“ (Landsberger), und M. hat ihre Bildsprache gelesen, analysiert und gedeutet. Bedingt durch die politischen Ereignisse, befaßte M. sich erst spät in seinem Leben aktiv mit Feldforschungs- und Ausgrabungstätigkeit. Im Auftrag der Max-Frhr.-v.-Oppenheim-Stiftung führte er seit 1955 archäologische Geländebegehungen in Nordost-Syrien, in der Djazira, und in deren Folge kleine Ausgrabungen am Teil Fecheriye und Teil Ailun durch. 1958-76 leitete er acht Grabungskampagnen auf dem Tell Chuera, deren Ergebnisse diesen Ort als ein bedeutendes städtisches Zentrum des 3. vorchristlichen Jahrtausends ausweisen. – Mitgl. d. Dt. Archäolog. Inst.

  • Werke

    Weitere W Bronzegerät aus Luristan, 1932;
    Tell Halaf, III, Die Bildwerke, 1955;
    Altvorderasiat. Malerei, 1959;
    Einführung in d. Vorderasiat. Archäol., 1971;
    Vorläufige Berr. üb. d. Grabung Tell Chuera, 1958, 1959, 1963, 1964, 1973, 1974, 1976;
    Kl. Schrr. z. Vorderasiat. Altertumskde., 1927–74, hrsg. v. U. Moortgat-Correns, 1990 (W-Verz.). – Mithrsg.: Zs. f. Assyriol. u. Vorderasiat. Archäol., 1939-71. – Mitarbeit: Reallex. d. Assyriol. u. Vorderasiat. Archäol.

  • Literatur

    K. Bittel, E. Heinrich, B. Hrouda, W. Nagel (Hrsg.), Vorderasiat. Archäol., Stud. u. Aufsätze, A. M. z. 65. Geb.tag, 1964 (P);
    A. M. z. 75. Geb.tag gewidmet, Baghdader Mitt. 7, 1974;
    J. Schmidt, ebd. 9, 1978, S. 7-9;
    B. Hrouda, in: Archiv f. Orientforschung 25, 1974-77, S. 345 f.;
    W. Wiegand, in: FAZ v. 28.10.1977;
    H. Schmökel, in: Zs. f. Assyriol. u. Vorderasiat. Archäol. 68, 1978, S. 1-5;
    Reallex. d. Assyriol. u. Vorderasiat. Archäol. VIII, 1995.

  • Autor/in

    Hartmut Kühne
  • Empfohlene Zitierweise

    Kühne, Hartmut, "Moortgat, Anton" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 69 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118736809.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA