Lebensdaten
1830 bis 1913
Geburtsort
Aachen
Sterbeort
Aachen
Beruf/Funktion
Schokoladenfabrikant
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137429657 | OGND | VIAF: 81622248
Namensvarianten
  • Monheim, Leonard

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Zitierweise

Monheim, Leonard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137429657.html [22.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Peter Joseph (1786–1855), Dr. phil., Apotheker, Chemiker u. Medizinalassessor, Abg. im Rhein. Provinziallandtag (s. L), S d. Andreas (1750–1804), Apotheker, Chemiker, letzter regierender Bgm. d. Freien Reichsstadt A. (s. L), u. d. Anna Maria Gertrud Peuschgens (1751–1814);
    M Lucia Dorothea (1790–1848), T d. Johann Adam Emonts (1756–1832) u. d. Odilia Lucia Willemsen (1750–1807);
    1856 Antoinette (1835–1913), T d. Jan Mathys Merckelbach (1792–1838) u. d. Josepha Claessen (1802–82);
    5 K, u. a. Hermann Josef (1868–1945), Schokoladenfabr., Leiter d. Unternehmens bis 1917;
    E Franz (1891–1969), Hans (1898–1992), Richard (1900–51), alle im Unternehmen tätig, Felix (1916–83), Prof. f. Geogr. in Aachen (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1983);
    Ur-E Hans-Georg (* 1928), Dieter (* 1932), Bernd (* 1933), alle in d. Unternehmensgruppe tätig, Irene (* 1927, Peter Ludwig, 1925–96, Prof., Dr. phil., Dr. phil. h. c., Geschäftsführender Gesellschafter d. Fa. seit 1953, Kunstsammler u. -mäzen, s. L), Rolf (* 1941), Prof. f. Geogr. in Bayreuth (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1992).

  • Leben

    M. erhielt eine kaufmännische Ausbildung im Betrieb seines Vaters (Apotheke und Großhandel) sowie in Mainz und in Frankreich (Lyon, Marseille). Entweder schon hier oder auf seiner Rückreise über Italien und die Schweiz lernte er die Schokoladenproduktion kennen. 1857 übernahm er aus den väterlichen Betrieben das Drogen- und Materialwarengeschäft und gliederte diesem, wohl aufgrund seiner Auslandserfahrung, einen Handel mit Kolonialwaren und Südfrüchten an. Mit sicherem Instinkt für die zukünftigen Marktchancen ließ er 1857 einen schweizer. oder ital. Chocolatier nach Aachen kommen und nahm die Produktion von Tafelschokolade auf. Bis dahin galt Schokolade in Deutschland eher als Luxus und war ein teurer Importartikel. Die „Chocolade Fabrik von Leonard Monheim Aachen“ versorgte mit einer Tagesproduktion von ca. 400 Tafeln zunächst den aufnahmefreudigen lokalen Markt. 1865-68 baute M. die handwerkliche Fertigung zu einem fabrikmäßigen Betrieb aus. Die Verbesserung der maschinellen Einrichtung (die Maschinen kamen aus Frankreich) erlaubte größere Produktionsmengen für eine schnell wachsende Nachfrage. M. legte damit den Grundstein für eine der größten europ. Schokoladenfabriken, die noch zu seinen Lebzeiten unter der Leitung seines Sohnes Hermann Josef (Einführung der Conche – einer Reibmaschine – zur Herstellung von Schmelzschokolade) ausgesprochen industriellen und auch exportorientierten Charakter bekam. Seit 1910 wurde die M.sche Schokolade unter dem Markennamen „Trumpf“ vertrieben. Familientradition und solide Kapitalgrundlage sowie die gelungene Verknüpfung von Anwendung und Verbesserung spezifischer Produktionstechnik mit kaufmännischem Gespür und Risikobereitschaft zeichnen M.s unternehmerische Leistung in besonderem Maße aus.

    In den 20er Jahren setzte sich der Aufstieg des nun von M.s Enkeln geleiteten Unternehmens fort. In Berlin wurde ein Zweigbetrieb gegründet. 1927 beschäftigte die Firma rund 1000 Mitarbeiter. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Leonard Monheim AG, in deren Leitung Urenkel M.s und der Schwiegersohn eines seiner Enkel, Peter Ludwig, tätig waren, zum führenden deutschen Schokoladen- und Kakaohersteller und war zeitweilig sogar das weltweit größte Unternehmen der Branche. 1982 waren in der Monheim-Gruppe (Trumpf, Lindt & Sprüngli, Mauxion) insgesamt 7000 Mitarbeiter beschäftigt. Danach setzte ein Prozeß der Entflechtung ein. Die AG wurde 1986 in mehrere Teilbetriebe aufgelöst. Das Berliner Werk und Produktionsstätten in Belgien und Kanada wurden an die|Jacobs-Suchard AG in Zürich verkauft. Die Marken „Trumpf, „Novesia“, „Regent“ und „Mauxion“ blieben mit ca. 2000 Mitarbeitern unter dem Firmennamen „Ludwig Schokolade GmbH“ in den Händen von Peter Ludwig. Die Marke „Trumpf“ wird heute in Saarlouis und Quickborn hergestellt, die alten Aachener Produktionsstätten gingen an die Firma „Lindt-Schokolade“ über.

  • Literatur

    H. Monheim, Fam.gesch. u. Ahnennachweis d. Fam. Monheim, 1977 (Selbstverlag);
    70 J. Trumpf, Schokoladenfabrik Leonard Monheim, Aachen u. Berlin 1857-1927, o. J. (P);
    Leonard Monheim Aachen (Hrsg.), Trumpf bringt Freude 1857-1957, FS, 1957 (P). - Zu Johann Peter Joseph: ADB 22;
    F. Monheim, J. P. J. Monheim, 1786–1855, Apotheker u. Chemiker, soz. engagierter Bürger u. Politiker zu Aachen, 1981 (Ahnentafel, P);
    Dt. Apotheker-Biogr. II, hrsg. v. W.-H. Hein u. H.-D. Schwarz, 1978 (auch zu Andreas). – Zu Irene u. Peter Ludwig: R. Speck, Peter Ludwig als Sammler, 1986;
    Ludwigslust, Die Slg. Irene u. Peter Ludwig, hrsg. v. M. Eissenhauer, 1993 (Ausst.kat.).

  • Portraits

    Ölgem. v. C. v. Reth, um 1900 (im Bes. d. Fam.), Abb. in: Trumpf bringt Freude (s. L).

  • Autor/in

    Immo Zapp
  • Empfohlene Zitierweise

    Zapp, Immo, "Monheim, Leonard" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 37 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137429657.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA