Lebensdaten
um 1563 bis 1611
Geburtsort
Königsberg (Preußen)
Sterbeort
Danzig
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 118911112 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Moller, Anton der Ältere
  • Miller, Anton der Ältere
  • Möller, Anton der Ältere
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Zitierweise

Möller, Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118911112.html [19.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Anton ( 1575), Hofwundarzt u. -barbier d. Hzg. Albrecht I. in Preußen u. v. dessen Sohn Albrecht Friedrich;
    M Ursula Harman (Hermens) ( 1594);
    Stief-V (seit 1577) Johann Weger, Wundarzt u. Barbier, später Hofchirurg;
    N. N.;
    S Anton d. J. (* 1592), Maler (s. ThB).

  • Leben

    M. wuchs am herzoglichen Hof in Königsberg auf und empfing erste Anregungen durch den kunstbegeisterten Hzg. Albrecht. 1578 verließ er das Elternhaus und ging nach Prag, um bei einem der für Kaiser Rudolf II. tätigen Maler in die Lehre zu gehen. Er kopierte Dürers Stiche, darunter 36 Blätter der Kleinen Passion, und fertigte eine Ölstudie „Maria mit dem Jesuskind und dem kleinen Johannes“ nach Johann von Aachen. Nach siebenjähriger Lehrzeit ließ er sich als selbständiger Maler in Danzig nieder, da die Stadt um 1586/87 gegenüber Königsberg wirtschaftlich wie künstlerisch bessere Bedingungen für einen Atelierbetrieb bot. Mit seiner Vaterstadt stand er bis zum Tod seiner Mutter 1594 in regem Verkehr; so entstand auch sein erstes großes Werk in Königsberg, ein Altarbild mit dem Jüngsten Gericht in der Steindammer Kirche (1585–87). Das Bild wurde in dem ersten Denkmälerinventar von Caspar Stein 1644 erwähnt: „von Anton Möller aus Danzig|kunstvoll gemalt“. Eine Zeichnung mit einer Kirmesdarstellung stammt ebenfalls aus dieser Zeit, sie wurde 1587 in Marienburg geschaffen.

    Obwohl M.s stilistische Anlehnung an die venezian. Malerei, vor allem an Tintoretto und Veronese, eindeutig ist, war er wohl nie in Italien. Der Einfluß scheint vielmehr durch niederländ. Romanisten und Manieristen, wie Franz Floris, vermittelt worden zu sein. Vermutlich hatte sich M. in Antwerpen und Amsterdam aufgehalten. 1588 schuf er in Danzig fünf Gerechtigkeitsbilder in der Schöffenbank des Artushofes: „Gesetzgebung Moses“, „Huldigung der Tugenden vor der Gerechtigkeit“, „Die Gerechten“, „Der ungerechte Richter“, „Das Jüngste Gericht“. 1590 malte er eine Apostelfolge. Nach einer Reihe von kleineren Arbeiten entstanden 1601 Halbrundbilder für das Kassenzimmer des Danziger Rathauses. Von ursprünglich vier Bildern sind drei erhalten: „Entrichtung der Tempelsteuer“, „Wiederherstellung des Salomonischen Tempels“, „Der Zinsgroschen“. M.s Hauptwerk ist das 1602/03 gemalte Weltgericht im Artushof, das auf Anregung des Ratsherrn Bartholomäus Schachmann von zwölf Schöffen gestiftet wurde. 1607 schuf er ein großes Tafelbild mit den Werken der Barmherzigkeit in der Marienkirche. Von den 1610/11 entstandenen Altarwerken in der Katharinenkirche sind drei Bilder von M. ausgeführt: Kreuzigung, Jüngstes Gericht und Abendmahlspredella. Nach seinem Tod 1611 ergänzte Isaac von dem Block die noch fehlenden Teile. M. hat das Thema des Jüngsten Gerichts insgesamt sechsmal behandelt, in einer Vorstudie für den Artushof (1595), auf dem Altarbild der Steindammmer Kirche (1585–87), auf einer Tafel der fünf Gerechtigkeitsbilder (1588), auf dem Altarbild der Katharinenkirche in Danzig (1610–11) und auf einem verlorengegangenen Bild im Königsberger Stadtgericht.

    M.s von Zeitgenossen gerühmte Porträts sind nur in geringer Zahl erhalten. Auf seinen Epitaphien sind neben der Kreuzigung häufig die Stifter dargestellt. Zwei Epitaphien im Dom zu Königsberg zählen zu seinen wichtigen Werken, das eine entstand für den 1600 verstorbenen Christophorus Heilsberg, das andere für den 1606 verstorbenen Oberburggrafen Wolf v. Wernsdorf und seine Gemahlin. Von M.s graphischen Werken ist in erster Linie die 1601 geschaffene Holzschnittfolge mit Danziger Frauentrachten zu nennen. Die 20 Blätter wurden von Jacob Rhode in Danzig verlegt. M.s spätere Gemälde wurden oft zum Vorbild genommen, zur Ausbildung einer Schule kam es allerdings nicht. Dennoch hatte er als der führende Danziger Maler seiner Zeit großen Einfluß auf die niederdeutsche Renaissancemalerei.

  • Literatur

    ADB 22;
    W. Gyssling, A. M. u. seine Schule, Ein Btr. z. Gesch. d. niederdt. Renaissancemalerei, 1917;
    H. Ehrenberg, A. M., d. Maler v. Danzig, in: Mhh. f. Kunstwiss. 9, 1918, S. 181-90;
    A. Rhode, 500 J. dt. Kunst in Ostpreußen, in: FS R. Hamann z. 60. Geb.tag, 1939, S. 106-16;
    W. Tomkiewicz, Realizm w malarstwie Gdanskim przelomu 16 i 17 wieku, in: Studia Pomorskie 2, 1957, S. 113-216;
    J. Puciata-Pawłowska, Das ikonograph. Programm d. verschollenen Deckengem. v. A. M. im Rathaus zu Toruň, in: Zapiski Historyczne, Kwartalnik Póswiecony Historii Pomorza 24, H. 4, 1958-59, 1959;
    dies., Z dziejów stosunków artystycznych Torunia i Gdańska w 16 i 17 wieku, in: Towarzystwo naukowe w Toruniu, Prace Wydzialu filolofigzcno-filozoficznego 1, 1959, S. 141-234;
    A. Mosingiewicz, A. M., Malarz, in: Artyści w dawnym Toruniu, 1985, S. 44-52;
    Altpr. Biogr. II;
    ThB.

  • Autor/in

    Choung-Hi Lee-Kuhn
  • Empfohlene Zitierweise

    Lee-Kuhn, Choung-Hi, "Möller, Anton" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 637 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118911112.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Möller: Anton M. (identisch mit Antonius Moller), Zeichner und Maler, geb. im J. 1560 zu Königsberg, gilt als Repräsentant der Danziger Malerei im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts. Nach dem Tode des Vaters, der als Wundarzt und Barbier am Hofe des Markgrafen Albrecht I. lebte, heirathete die Mutter den in Königsberg ansässigen Chirurg Johann Weger. Nach Beendigung seiner Lehrzeit von 1578—1587 begab sich der Sohn nach Danzig, wo die Kunst einen günstigeren Boden als in seiner Vaterstadt fand. Dann soll er sich, wie man vermuthet, zu Otto Venius nach Antwerpen begeben und auf dessen Rath auch Italien besucht haben. — In jüngeren Jahren fertigte M. mit großem Geschick Federzeichnungen nach A. Dürer's Passionscyklen und Marienleben, Copien nach anderen Meistern, Caricaturen und allegorische Compositionen an. Handwerksmäßig in Holz geschnitten erschienen von ihm 20 Blätter der Danziger Frauentrachten unter dem Titel „omnium statuum foemini sexus oruatus et usitati Habitus Gedanenses ad oculos positi et divulgati ab Antonio Moellero ibidem pictore. Anno salutis 1601 die 4 Junii“ im Verlage von Jacob Rhode in Danzig. Bereits in den neunziger Jahren nach Danzig zurückgekehrt, führte er im J. 1602 sein Hauptwerk aus, „Das jüngste Gericht im Artushof zu Danzig“, ein Wandgemälde in Oel mit zahlreichen biblischen und allegorischen Figuren, 26 Fuß hoch und 22 Fuß breit, welches weniger befriedigend durch die Conception und das Colorit als durch tüchtige Zeichnung wirkt. Anspruchsloser in der Erfindung und Composttion erscheint ein zweites umfangreiches jüngstes Gericht zu Königsberg, im Schwurzimmer des Stadtgerichts aufgestellt. Die Zahl der übrigen Werke Möller's, unter welchen die historischallegorischen Darstellungen für ihn charakteristisch sein mögen, scheint nicht beträchtlich zu sein und bedarf überdies noch einer genaueren Feststellung. Er starb zu Danzig im J. 1620.

    • Literatur

      Vgl.: Ueber die Künstler Anton Müller und Joachim Bering und ihre Arbeiten. Von A. Hagen in Neue Preuß. Provinzialblätter, 1847, Bd. IV.

  • Autor/in

    v. Donop.
  • Empfohlene Zitierweise

    Donop, von, "Möller, Anton" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 131-132 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118911112.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA