Lebensdaten
1825 bis 1908
Geburtsort
Eilenburg (Provinz Sachsen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Zoologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118582968 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Möbius, Karl August
  • Moebius, Karl
  • Möbius, Carl
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Zitierweise

Möbius, Karl August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118582968.html [24.02.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Gottloh (1799–1866), Rad- u. Stellmachermeister in E., S d. Stellmachermeisters Johann Gottlieb;
    M Maria Johanna Sophia (1791–1827), T d. Stellmachers Johann Gottlob Kaps in E.;
    Stief-M Johanne Erdmule, T d. Kürschnermeisters Johann Karl Hohenstein;
    10 Halb-Geschw;
    Hamburg 1855 Helene (* 1831), T d. Kaufm. Jürgen Bona Meyer aus Hamburg u. d. Pauline Marckmann; Schwager Jürgen Bona Meyer (1829–97), Philosoph (s. ADB 55);
    1 S, 2 T, u. a. Otto (1861–1901), Reg.-u. Medizinalrat in B., Dorothea (* 1857), Lehrerin an d. Kunsthochschule in B.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Eilenburger Bergschule (1829–37) folgten die Ausbildung am Privat-Lehrerseminar in Eilenburg mit Lehrerexamen 1844 in Weißenfels und eine Tätigkeit als Elementarlehrer an der Jacobsen-Schule in Seesen (Harz). Angeregt durch die Schriften Alexander v. Humboldts, nahm M. 1849 das Studium der Naturwissenschaften an der Berliner Universität auf und holte 1852 das Abitur extern am Köllnischen Gymnasium in Berlin nach. Neben dem Chemiker Eilhard Mitscherlich, dem Paläontologen Karl Beyrich, den Zoologen Christian Gottfried Ehrenberg und Johannes Müller beeinflußte ihn besonders der Zoologe Martin Hinrich Lichtenstein, in dessen Museum er assistierte und der ihn 1853 an die Realschule des Johanneums in Hamburg vermittelte, wo M. zunächst Hilfslehrer war. Nach seiner Promotion 1853 in Halle wurde M. Dozent am Akademischen Gymnasium und 1856 ordentlicher Lehrer an der Realschule, wo er Zoologie und Botanik, Mineralogie und Geographie, Physik und Chemie unterrichtete. Während seiner 15jährigen Tätigkeit in Hamburg bekleidete er ehrenamtliche Funktionen im Naturwissenschaftlichen Verein Hamburgs (1864–68 Vorsitzender) und in der „Museums-Kommission“, wodurch er die institutionelle Entwicklung der Zoologie in Hamburg maßgeblich beeinflußte. So wurde er Mitbegründer des Naturhistorischen Museums und des Zoologischen Gartens (1863) und richtete dort 1864 mit Hilfe des Engländers Alford Lloyd das erste Seewasser-Aquarium Deutschlands ein, das das Vorbild für Anton Dohrns Aquarium in Neapel (1873) war. Die in Hamburg begonnene meeresbiologische Forschung M.s erhielt entscheidende Impulse durch die Mitwirkung des Fabrikanten Heinrich Adolph Meyer (1822–89), dem er in der Museums-Kommission begegnete und zoologische Studien in Berlin empfahl. Die seit 1860 gemeinsam realisierte Erforschung der „Fauna der Kieler Bucht“ (2 Bde., 1865/72) wurde die Grundlage für die biologisch-ökologischen Studien, die M. später zu seiner Biozönose-Konzeption führten. Lebenszyklen der Meerestiere und ihr Vorkommen in verschiedenen Meeresregionen, verbunden mit Erhebungen über Temperatur, Salz- und Sauerstoffgehalt bildeten den Untersuchungsgegenstand über die Kieler Förde, ein lokal begrenztes Faunengebiet.

    Nachdem M. 1868 zum Ordinarius für Zoologie an die Univ. Kiel berufen worden war, intensivierte er Forschungen, die mit fischereibiologischen Fragen verbunden waren. Die Gründung der „Commission zur wissenschaftlichen Untersuchung der deutschen Meere“ (1870), die an praktisch-wirtschaftlichen Zielen orientiert war, gab ihm die Möglichkeit zu Expeditionen mit dem Marinedampfer „Pommerania“ in die Ost- und Nordsee (1871/72) bis Kattegat und Skagerrak, Gotland und Memel. Daraus resultierte die Arbeit über „Das Thierleben am Boden der deutschen Ost- und Nordsee“ (1871), ferner Vorträge (1871) und Jahresberichte der Kommission (1873), in denen ökologische Grundbegriffe (eury- und stenotherm) geprägt wurden. Die fundamentale Schrift „Die Auster und die Austernwirtschaft“ (1877) entsprang dem im Regierungsauftrag durchgeführten Studium der schleswig-holstein. Austernbänke und enthält Erkenntnisse über die Zusammenhänge physikalischer und biologischer Faktoren in einer „Lebensgemeinschaft“, die er „Biocönose“ nannte. Die Konzeption über die „Erhaltungsmäßigkeit“ der Lebensbedingungen beruhte auf evolutionstheoretischen Ansichten, mit denen M. bereits seit 1860 Charles Darwin folgte, ohne dessen Variations-Selektions-Theorie voll zu akzeptieren. Das spiegelt sich in seinen Briefwechseln mit Ernst Haeckel, mit den Verfechtern des „Eozoon“ als eines Urtieres, die er erfolgreich widerlegte, in den Arbeiten über den Artbegriff (1886) und seinen Vorlesungskonzepten Von seinen Kieler Schülern, u. a. F. Junge, C. Matzdorff und F. Dahl, der 1908 den Begriff „Biotop“ einführte, wurde sein Biocönose-Begriff weiterentwickelt. Eine Expedition zur Insel Mauritius und den Seychellen (1874/75) vermittelte M. nachhaltige Eindrücke tropischer Lebensgemeinschaften und der Korallenriffe, die er nicht nur wissenschaftlich (1880), sondern auch populärwissenschaftlich (wie sein Vorbild A. v. Humboldt) verarbeitete. Wie dieser hielt er mehrfach Vorträge an der Berliner Singakademie, noch bevor er 1888 als o. Professor für systematische Zoologie und Tiergeographie an die Berliner Universität berufen wurde. Erfahrungen, die er bei der Neugestaltung des Kieler zoologischen Instituts und Museums 1881 sammeln konnte, wandte er bei der Einrichtung des Berliner Museumsneubaues seit 1887 an, wobei er grundlegend neue museologische Konzeptionen für taxonomische Forschung und biologische Bildung realisierte. Bis zu seiner Emeritierung (1905) widmete er sich organisatorischen und museumsmethodischen Aufgaben und bereitete die Nomenklaturregeln für den V. Internationalen Zoologenkongreß in Berlin (1901) vor. Aus musealen und pädagogischen Anliegen erwuchsen seine Studien über die Ästhetik der Tierwelt, denen die letzten Veröffentlichungen galten.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Leopoldina (1860), d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1888) u. d. Kunstakademie in Berlin; Roter Adler-Orden 2. Kl. (1904), Stern zum Kgl. Kronenorden 2. Kl. (1905).

  • Werke

    Weitere W Das Aquarium d. zoolog. Gartens zu Hamburg, 1864;
    Die wirbellosen Thiere d. Ostsee, in: Jb. d. Commission z. wiss. Unters. d. dt. Meere, 1877;
    Der Bau d. Eozoon canadense, in: Palaeontographica 25.1878, S. 175-92;
    Btrr. z. Meeresfauna d. Insel Mauritius u. d. Seychellen (mit F. Richter u. E. v. Martens), 1880;
    Rathschläge f. d. Bau u. d. innere Einrichtung zoolog. Museen, in: Zoolog. Anz. 7, 1884, S. 378-83;
    Die Bildung, Geltung u. Bezeichnung d. Artbegriffe u. ihr Verhältnis z. Abstammungslehre, in: Zoolog. Jbb. 1, 1886, S. 241-74;
    Ueber d. Umfang u. d. Einrichtung d. zoolog. Mus. zu Berlin, in: SB d. Preuß. Ak. d. Wiss. Berlin, 1898, S. 363-74;
    Ästhetik d. Tierwelt, 1908.

  • Literatur

    F. Dahl, K. A. M., in: Zoolog. Jbb., Suppl. VIII, 1905 (W, P);
    R. v. Hanstein, in: Naturwiss. Rdsch. 23, 1908, S. 361-63, 373-75;
    R. Conwentz, in: Naturforschende Ges. Danzig 145, 1909, H. 3;
    C. Matzdorff, Zur Erinnerung an K. M., in: Mhh. f. d. Naturwiss. Unterricht 2, 1909, S. 433-48;
    G. Seelig, Eine dt. Jugend – Erinnerungen an Kiel u. d. Schwanenweg, 1922 (Neudr. 1981);
    I. Jahn, The Concepts of Ecology and Evolution in the Lectures on Darwinism by K. A. M., in: Evolution and Environment, hrsg. v. V. J. Novák, 1982, S. 517-20;
    dies., Die neue Museums-Idee, in: 100 J. Mus. f. Naturkde. Berlin, Wiss. Zs. d. Humboldt-Univ. Berlin, Math.-Naturwiss. R. 38, 1989;
    R. König u. a., K. M., Btrr. zu Leben u. Werk, 1981 (W, P);
    G. Leps, Zum Biozönose-Begriff, 1986. – Eigene Archivstud.

  • Portraits

    Ölgem. v. E. Hildebrandt, 1895 (Bildgut-Slg. d. Mus. f. Naturkde. Berlin u. Zoolog. Mus. Kiel).

  • Autor

    Ilse Jahn
  • Empfohlene Zitierweise

    Jahn, Ilse, "Möbius, Karl August" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 606 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118582968.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA