Lebensdaten
1613 bis 1679
Geburtsort
Hardisleben (Thüringen)
Sterbeort
Zeitz (Sachsen)
Beruf/Funktion
Dichter ; Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118582879 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Medius, Jocosus Severus (Pseudonym)
  • Marth, Michel (Pseudonym)
  • Der Erfreuliche (Pseudonym)
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Zitierweise

Mitternacht, Johann Sebastian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118582879.html [16.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Paul ( 1637), Kantor u. Schulmeister in H., später Pfarrer in Eßleben;
    M Margaretha, T d. Herrmann Theile, Bauer u. Gemeindevorsteher in H.;
    1) Teutleben 1638 Anna Elisabeth ( 1640), T d. Johann Röser, Pfarrer in Buttstädl (Thüringen), 2) Naumburg 1643 Anna (1622–71), T d. Conrad Sesemann, Kaufm. in Nürnberg, dann in Naumburg, u. d. Blandina Schrimpf ( 1626);
    6 S, 6 T, u. a. Paul Konrad, Kanzleisekr. in Naumburg, Paul Christian (1660–1735), Stiftssup. in Z.

  • Leben

    M. erhielt zunächst Hausunterricht durch seinen Vater. Bedingt durch eine mehrjährige Lähmung, konnte er erst mit 17 Jahren die Naumburger Stadtschule besuchen. 1633 bezog er die Univ. Jena, wo er Philosophie, Philologie und Theologie studierte. Im folgenden Jahr setzte er an der Wittenberger Universität seine theologischen Studien fort, die er 1636 mit der Magisterpromotion abschloß, und hörte bei Augustus Buchner Poetik. Ohne sein Studium aufzugeben, wurde er als Hofmeister bei dem Wittenberger Richter Daniel v. Koseritz tätig. Vermutlich auf Wunsch seines Gönners Adolph v. Hagen trat er 1638 eine Pfarrstelle im thüring. Teutleben an. Als der Ort in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges verwüstet wurde, geriet er in Armut und sah sich gezwungen, seinen Unterhalt|durch Privatunterricht zu verdienen. 1642 wurde er zum Rektor seiner einstigen Schule in Naumburg berufen. Vier Jahre später wechselte er in gleicher Position an das angesehene Fürstliche Gymnasium Rutheneum in Gera über. Angebote, als Schulleiter in Halle/Saale, Lübeck oder Görlitz tätig zu werden, schlug er aus. Hzg. Moritz von Sachsen-Zeitz berief ihn 1667 als Superintendenten nach Neustadt/Orla und ernannte ihn noch im selben Jahr zum Oberhofprediger und Stiftssuperintendenten an seinem Hof in Zeitz. Mit dem Beinamen „Der Erfreuliche“ wurde er 1654 in die von Philipp v. Zesen geleitete Hamburger Sprachgesellschaft „Teutschgesinnete Genossenschaft“ aufgenommen. Kurz vor seinem Tode wurde M. zum kaiserlichen Poeta laureatus erhoben.

    M.s Leistungen stehen in engem Zusammenhang mit seiner 21 Jahre währenden pädagogischen Tätigkeit als Rektor des Geraer Rutheneums. Dieses Gymnasium gehörte zu einer Reihe von um 1600 gegründeten Fürsten- oder Landesschulen, die der Vorbereitung auf die höhere Beamtenlaufbahn dienten. Neben dem traditionellen Schulkanon wurde in Gera propädeutischer Unterricht in Logik, Theologie, Jura und Physik erteilt, was die Anstalt auch für viele auswärtige Schüler attraktiv machte. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges erlebte die Schule unter der umsichtigen Leitung M.s eine Blütezeit. Zu den Aufgaben des Rektors zählte es, alljährlich mit der Abschlußklasse ein Theaterstück zu spielen.

    M. verfaßte 1647-67 mindestens 17 didaktische Theaterstücke – zumeist Dramatisierungen biblischer Stoffe –, von denen jedoch nur zwei überliefert sind und im Druck erschienen. In dem „Trauer-Spiel/Der Vnglückselige Soldat Vnd Vorwitzige Barbirer“ (1662, 1672) werden in einer Adaption des Motivs vom verlorenen Sohn die Wertvorstellungen einer allgemein zugänglichen Gelehrtenschule gegen eine standesspezifische Ausbildung höfischer Prägung verteidigt. Mit der „Politica Dramatica“ (1667), in der M. Lehrsätze des Staatstheoretikers Hieronymus Praetorius, dessen Schüler er in Jena gewesen war, verarbeitete, plädiert er in antiabsolutistischer Haltung für eine stärkere politische Mitwirkung der Stände. Die in primär lehrhafter Absicht verfaßten Prosadramen M.s wurden in der Forschung lange unterbewertet, ihr Einfluß auf die Entwicklung des Schultheaters im 17. Jh. (Christian Weise) ist jedoch von nicht zu unterschätzender Bedeutung. M. veröffentlichte zudem eine Vielzahl von theologischen Streitschriften und Kasuallyrik, er betätigte sich auch als Herausgeber von Schulbüchern zur Grammatik, Pädagogik und Logik. Sein aus den Schriften des Heidelberger Rhetorikers Gerhard Johann Vossius kompiliertes Handbuch „Elementa rhetorica“ (1646) war weitverbreitet und erlebte bis ins frühe 18. Jh. zahlreiche Auflagen. Die Lyriksammlung „Feuer-heisse Liebesflammen“ (1653) enthält Kirchenlieder und Gedichte, die großenteils wohl schon seit 1640 entstanden und an die geistliche Liebeslyrik Friedrich Spees und Johannes Schefflers erinnern.

  • Werke

    Weitere W Newes Gebet Buch …, 1640, 1665;
    Grammatica Ebraea ad methodum Trostianum, 1645;
    Medulla manualis logici Scharffiani, 1648, 1660;
    Kurtzer … Bericht v. d. Teutschen Reime-Kunst, aus d. Teutschen Helikon … P. Caesii (Zesen) gezogen …, 1648, 1653;
    Vertrawliches Gespräch zw. vier päpstischen Scribenten …, 1653;
    Paedia, … von der Erziehung u. Vnterweisung d. Kinder …, 1657, 1666;
    Dramen 1662/67, hrsg. v. M. Kaiser, 1972 (Nachdr.).

  • Literatur

    ADB 22;
    M. O. H. S., Lpr. auf J. S. M., 1679 (P);
    J. A. Trinius, Beytrag zu e. Gesch. berühmter Gottesgelehrten II, 1754, S. 81-92;
    J. G. Hauptmann, Einige Nachr. v. berühmten J. S. M. u. … desselben Schrr., 1779;
    R. Büttner, Rektor J. S. M. u. seine Wirksamkeit am Geraer Gymnasium, 1888;
    ders., Gesch. d. Kürstl. Gymnasiums Rutheneum zu Gera, 1908;
    G. Ellinger, J. S. M., Ein btr. z. gesch. d. schulkomödie im 17. jh., in: ZDP 25, 1893, S. 501-37;
    F. Wirth, J. S. M., in: Zs. d. Ver. f. KG d. Prov. Sachsen u. d. Freistaates Anhalt 28, 1932, S. 86-106;
    G. G. Gervinus. Gesch. d. dt. Dichtung, III, 1872, S. 593;
    De Boor/Newald, Gesch. d. dt. Lit., V, S. 275;
    M. Kaiser, M./Zeidler/Weise, Das prot. Schultheater nach 1648 im Kampf gegen höf. Kultur u. absolutist. Regiment, 1972;
    dies., in: J. S. M., Dramen 1662/1667, s. W, S. 3*-19*;
    N. Sorg, Restauration u. Rebellion, Die dt. Dramen M.s, e. Btr. z. Gesch. d. prot. Schuldramas im 17. Jh., 1980;
    J. C. Wetzel, Hist. Lebensbeschreibung d. berühmtesten Liederdichter II, 1721, S. 179;
    Zedler;
    Goedeke, III;
    Neumeister/Heiduk, De poetis Germanicis, 1978, S. 413 f.;
    I. Pyritz, Bibliogr. z. dt. Lit.gesch. d. Barockza., 2. T., 1980 ff., S. 480 f.;
    Dünnhaupt, 2., verbesserte Aufl., IV, S. 2751-2806 (W-Verz.);
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy.

  • Autor/in

    Thomas Diecks
  • Empfohlene Zitierweise

    Diecks, Thomas, "Mitternacht, Johann Sebastian" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 586 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118582879.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mitternacht: Johann Sebastian M., geb. am 30. März 1613 zu Hardisleben in Thüringen, studirte zu Jena und Wittenberg, wurde im Jahre 1638 Pastor zu Teutleben. Wegen der Kriegsnöthe mußte er diese Stellung verlassen und ward dann 1642 Rector zu Naumburg und 1646 zu Gera, sodann 1667 Superintendent zu Neustadt a. d. O. und in demselben Jahre noch Hofprediger zu Zeitz, wo er am 25. Juli 1679 starb. Er hat eine große Anzahl Schriften, meistentheils Programme, drucken lassen; unter dem Pseudonym Medius Jocosus Severus gab er im J. 1653 ein erbauliches Gespräch zwischen vier päpstlichen Scribenten und hernach gegen Elias Schitler eine Vertheidigung dieses Gesprächs heraus. Einige geistliche Lieder von ihm erschienen im Gothaer Gesangbuch von 1715 und sind hernach noch mehrfach gedruckt.

    Jöcher III, Sp. 558 f. Rotermund zum Jöcher IV, Sp. 1814 f. Wetzel, Hymnopoeographia II, S. 179 f. Richter S. 238 f.

  • Autor/in

    l. u.
  • Empfohlene Zitierweise

    l. u., "Mitternacht, Johann Sebastian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 34 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118582879.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA