Lebensdaten
1850 bis 1905
Geburtsort
Czernowitz (Bukowina)
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Chirurg
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 118733893 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mikulicz-Radecki, Johannes von
  • Mikulicz Radecki, Johann von
  • Mikulicz Radetzky, Johannes von
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Mikulicz-Radecki, Johannes von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118733893.html [22.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Andreas Mikulicz (1806–81), k. k. Feldmesser, Förster, Architekt, Sekr. d. Handelskammer in C., kaiserl. Rat, S d. Franz Rr. v. M.-R., k. k. Steueramtskommissär, u. d. Josepha Edle v. Just;
    M Emilie v. Damnitz ( 1867);
    B Valerian (1855–1910), General (s. ÖBL);
    1880 Henriette Pacher;
    3 S (2 früh †), 4 T, u. a. Felix (s. 2).

  • Leben

    M. begann im Wintersemester 1869/70 das Studium der Medizin in Wien, das er im März 1875 mit dem Staatsexamen abschloß. Gleichzeitig erwarb er den medizinischen Doktortitel. Im April 1875 wurde M. in Wien Volontärassistent an der chirurgischen Klinik Theodor Billroths, seines bedeutenden Lehrers und großen Förderers. 1877 stieg er zum Assistenten mit festem Gehalt auf und habilitierte sich im Februar 1880 mit einer Arbeit „Über das Genu varum und valgum“. Aufgrund seiner Heirat mußte er 1881 aus der Klinik ausscheiden, da es damals in Österreich und Deutschland einem verheirateten Assistenten untersagt war, an einer chirurgischen Klinik zu arbeiten. Fortan praktizierte er privat. Einem Ruf an die Univ. Krakau folgte M. im Oktober 1882. 1887 wurde er zum Leiter der Chirurgischen Universitätsklinik in Königsberg und 1889 zum Geh. Medizinalrat ernannt. 1890 nahm er einen Lehrstuhl für Chirurgie an der Univ. Breslau an; dort wirkte er bis zu seinem Tod.

    Durch seine bahnbrechenden Arbeiten zählt M. zu den bedeutendsten Chirurgen im letzten Drittel des 19. Jh. In der Aseptik propagierte er die sterilisierten Zwirnhandschuhe und die Anwendung eines sterilen Mundschutzes. Als erster entwickelte er brauchbare Verfahren zur Ösophagoskopie und trug damit in entscheidendem Maße zur Entwicklung der Speiseröhren- und Kropfchirurgie bei. Im Bereich der Magen-Darm-Chirurgie war M. der erste, dem die operative Heilung einer Perforationsperitonitis gelang. Durch die systematische Weiterentwicklung der Technik der Vorverlagerung des Dickdarms vor die Bauchdecke formte er eine gültige und anwendbare Operationsmethode für das Abtragen tumorbefallener Darmteile. M. modifizierte die Billroth-II-Operation (Mikulicz-Magenresektion), schuf eine spezielle Peritonealklemme bzw. Spornquetsche (Mikulicz-Klemme), entwickelte bei der (Magen-)Darmanastomosierung das Verfahren der einstülpenden dreischichtigen Naht (Mikulicz-Naht) und verwandte schließlich erfolgreich eine Tamponade, die bei größeren und tieferen Wundhöhlen das Sekret aufsaugte und das Wundbett für eine Sekundärheilung offenhielt (Mikulicz-Tamponade). Von seiner breiten wissenschaftlichen Wirkung zeugen darüberhinaus weitere, mit seinem Namen verbundene Eponyme wie „Mikulicz-Krankheit“ (im Jugendalter auftretende solitäre, einkammerige Zysten in Epiphysennähe in Röhrenknochen bzw. symmetrische Schwellungen von Tränen- und Mundspeicheldrüsen) und die „Mikulicz-Aphthen“ (chronisch rezidivierende Schleimhautveränderungen). Schließlich initiierte er die erfolgreichen Forschungen zur Unterdruckkammer durch seinen Schüler Sauerbruch, die die Voraussetzungen für die moderne Thoraxchirurgie schufen.|

  • Auszeichnungen

    Dr. med. h. c. (Edinburgh 1898, Glasgow 1901, Jefferson Univ. Philadelphia 1903); Mitgl. bzw. Ehrenmitgl. zahlr. med. Ges. d. In- u. Auslands.

  • Werke

    u. a. Über d. Anwendung d. Antisepsis b. Laparotomien mit bes. Rücksicht auf d. Drainage d. Peritonealhöhle, in: Archiv f. klin. Chirurgie 1, 1881, S. 111-50;
    Über d. Ausschaltung todter Räume aus d. Peritonealhöhle mit bes. Rücksicht auf d. Exstirpation d. aus d. Beckenhöhle ausgehenden Geschwülste, ebd. 3, 1886, S. 635-57;
    Btrr. z. Wundbehandlung, Zur Bedeutung d. Quecksilbersublimates f. d. Wundbehandlung, in: Wiener Med. Wschr. 39, 1884, S. 1154–58, 40, 1884, S. 1183–86, 41, 1884, S. 1212–18, 43, 1884, S. 1275-76;
    Die Krankheiten d. Mundes, 1898 (mit W. Kümmel);
    Neubildungen d. Rachens u. d. Nasenrachenraumes, in: Hdb. d. Laryngol. u. Rhinol., hrsg. v. P. Heymann, 1899, II, S. 341-445.

  • Literatur

    W. Rausch, J. v. M., Sein Leben u. seine Bedeutung, in: Mitt. aus d. Grenzgebieten d. Med. u. Chirurgie 3, 1907, Suppl. 11, S. 1-64 (W-Verz.);
    G. Kraft, Erinnerungen an J. v. M. u. Karl Schönborn, 1926 (P);
    K. H. Bauer, in: Dt. Med. Wschr. 75, 1950, S. 1534 f.;
    W. R. Bett, J. v. M. (1850-1905), Pioneer Surgeon, in: Proceedings of the Royal Society of Medicine 43, 1950, S. 1061 f.;
    M. Stürzbecher, Aus d. Briefen d. Chirurgen J. v. M., in: Dt. Med. Journal 11, 1960, S. 191-95;
    V. E. Mertens, Erinnerungen an J. v. M., in: Med. Klinik 59, 1964, S. 227-31;
    J. Neugebauer, Weltruhm dt. Chirurgie – J. v. M., 1965 (P);
    Z. Wiktor, J. M. – Begründer d. modernen Chirurg. Univ.kliniken in Krakau u. Breslau, in: Med.-gesch. in unserer Zeit, Festgabe f. E. Heischkel-Artelt u. W. Artelt z. 65. Geb.tag, hrsg. v. H.-H. Eulner u. a., 1971, S. 434-41;
    D. Tetzlaff, J. v. M., 1850-1905, u. d. Herausbildung d. asept. Hilfsmittel, Diss. Basel 1971;
    C. J. Schein u. E. Koch, M.s Obituary of Theodor Billroth, in: Surgery, Gynecology and Obstetrics 148,1979, S. 252-58;
    Henriette v. Mikulicz-Radecki, Erinnerungen an Wien, Krakau, Königsberg u. Breslau, bearb. v. E. Turczynski, 1988;
    J. Halatek, M. in Krakau, Diss. Würzburg 1989 (P);
    W. Gerabek u. G. Keil, M. in Krakau, in: Würzburger Med.hist. Mitt. 8, 1990, S. 295-306.

  • Portraits

    Denkmal v. A. Volkmann (Breslau, Chirurg. Klinik).

  • Autor/in

    Volker Zimmermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Zimmermann, Volker, "Mikulicz-Radecki, Johannes von" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 498 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118733893.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA