Lebensdaten
1905 bis 1992
Geburtsort
Karwin bei Teschen (Österreichisch-Schlesien)
Sterbeort
Le Chesnay Trianon bei Versailles
Beruf/Funktion
Militärschriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 106659014 | OGND | VIAF

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Zitierweise

Miksche, Ferdinand Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd106659014.html [20.11.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Otto Ferdinand (1879–1939), österr. Oberstlt., führte 1914 d. Kommando über d. Feldtransportwesen d. Ostfront, organisierte 1915 d. Eisenbahnaufmarsch d. dt. 11. Armee, 1919-23 Leiter d. Transportwesens d. Eisenbahnlinie Kaschau-Oderberg, S d. Ferdinand Otto aus Iglau, österr. Offz., Dir. d. Eisenbahnwerkstätten in Ruttkau b. Mährisch-Ostrau, u. d. Bertha Santner aus Neusohl (Slowakei);
    M Olga (1882–1907), T d. Valentin Lintner (* 1848) aus Wolfsberg (Österr.-Schlesien), Güterdir. d. Gf. Larisch v. Moennich in Groß-Kuntschitz (Österr.-Schlesien) u. d. Offz.-T Karolina v. Schemnitzky (1852–1912) aus Freistadt (Österr.-Schlesien);
    1936 Helena Pethö (* 1907) aus Kaschau;
    1 T Olga (* 1942, Clark John, Bankdir. in London).

  • Leben

    M. wurde von seiner Großmutter Karolina Lintner, einer sehr vermögenden Frau, und einer franz. Gouvernante in Teschen erzogen. Außer seiner Muttersprache lernte er bereits in früher Jugend Tschechisch, Ungarisch und Französisch. Während des 1. Weltkriegs befand sich neben der Villa seiner Großmutter das Hauptquartier Conrad v. Hötzendorfs, des Oberkommandierenden der k. u. k. Streitkräfte. Dieses Umfeld bestärkte M., der Familientradition zu folgen und Soldat zu werden. Er besuchte das Schiller-Gymnasium in Teschen und die Oberrealschule in Kaschau, an der das Ungarische Unterrichtssprache war, und legte hier 1923 das Abitur ab. Anschließend trat M. als Kadett in die ungar. Kriegsschule Ludovika bei Budapest ein. Nach drei Jahren, ein Jahr vor dem Examen, verließ er sie jedoch und kehrte in seine Heimat zurück, die inzwischen tschechisch geworden war. Die Einberufung zum tschech. Militärdienst durchkreuzte seinen damaligen Plan, Forstmann zu werden. M. wurde 1926 auf die Reserveoffiziersschule nach Mährisch-Weißkirchen abkommandiert, dann in die Karpato-Ukraine und in ein Artillerieregiment in Kaschau (1927 Leutnant, 1930 Oberleutnant).

    Das Jahr 1936 brachte den entscheidenden Wendepunkt für M., der sich wegen des tschech. Chauvinismus heimatlos fühlte, zumal das Haus seiner Großmutter nun von Polen besetzt und jenes seines Vaters von Tschechen bewohnt war. Als die Prager Regierung Freiwillige suchte, die im republikanischen Spanien Artillerieoffiziere an Geschützen tschech. Fertigung ausbilden sollten, meldete er sich mit fünf Kameraden. Im Herbst 1936 traf M. in Valencia ein. Die Sektion „Negociado de Extranjeros“ des Kriegsministeriums ernannte ihn zum span. Hauptmann Weihnachten nahm er bereits an den Kämpfen bei Teruel teil. Im folgenden Jahr wurde M. in einen Korpsstab versetzt, dem auch sowjet. Offiziere angehörten. 1938 zum Major befördert, erlebte er als Kommandant eines Artillerie-Bataillons am Ebro die letzte Offensive der Republikaner. M. floh nach Paris, wo er am Tag des Einmarsches der Wehrmacht in die Rest-Tschechoslowakei eintraf (15.3.1939).

    In Spanien hatte M. die Erfahrung gemacht, daß der moderne Krieg nach anderen Gesetzen verläuft als noch der 1. Weltkrieg: Der Sieg gehörte der Armee, die – flexibel agierend – zusammengefaßte Panzerverbände, von Luftstreitkräften unmittelbar unterstützt, zu führen verstand. Beweglichkeit und Schwerpunktbildung gepanzerter sowie mechanisierter Truppen wurden schlachtentscheidend. Von diesen Erfahrungen zehrte M. sein Leben lang.

    Da die tschech. Botschaft in Paris nicht aufgelöst worden war, meldete sich M. bei den Vertretern der Exilregierung zurück, die ihn um detaillierte Erfahrungsberichte baten. Diese wurden auch der franz. Regierung übermittelt, jedoch kaum zur Kenntnis genommen. M. beteiligte sich an der Aufstellung einer tschech. Legion, die sich am 22.6.1940 an der Mittelmeerküste wieder auflösen mußte. Er entkam nach London und absolvierte einen Kursus auf der Artillerieschule in Camberley. Dann bezog er die brit. Generalstabsakademie in Sandhurst, das Imperial Staff College, und wurde zum Hauptmann befördert. 1941 bewarb er sich – mit Billigung der tschech. Exilregierung – um eine Offiziersstelle in den Streitkräften der „Freien Franzosen“. Zum Major befördert, fand M. Aufnahme in den persönlichen Stab General de Gaulles, und zwar in der Operationsabteilung, dem sog. „Troisième Bureau“.

    Der brit. General Sir John Dill forderte M., der sein Talent als militärischer Analytiker mehrfach unter Beweis gestellt hatte, auf, seine Auffassungen in militärischen Zeitschriften zu veröffentlichen. Die ersten Aufsätze erschienen in der „Army Quarterly“, weitere in amerikan. Fachblättern und schließlich in der „Times“. Im Winter 1941 kam M.s erstes Buch heraus: „Blitzkrieg“. Der Erfolg war so durchschlagend, daß er es in der Neuauflage 1942 um mehrere Kapitel erweiterte (Attack, A Study of Blitzkrieg Tactics). Da er als „Major im Generalstab der Span. Republikanischen Armee“ veröffentlichte, galt für ihn das Publikationsverbot der Alliierten für aktive Offiziere nicht.

    Im Stab de Gaulles fiel M. die wichtige Aufgabe zu, Invasionspläne zu erstellen. Als beste Lösung empfahl er die Landung in der Normandie, sehr zum Erstaunen der Amerikaner, deren umfangreicher Spezialistenstab nach langer Zeit zum selben Ergebnis kam. Gestützt auf die genaue Analyse der deutschen Wehrmachtsberichte und auf seine span. Erfahrungen, war M. seinen Kollegen stets voraus. Seine enge Freundschaft mit Liddel Hart und anderen Strategen, seine Gespräche mit de Gaulle und dem brit. Verteidigungsminister machten ihn zu einem hervorragend unterrichteten Kenner der strategischen Situation.

    Als er nach der Invasion nach Paris ging, waren seine Bücher und Artikel bereits in zehn Sprachen, darunter in das Chinesische, übersetzt worden. Zum Oberstleutnant und Ritter (später auch zum Offizier) der Ehrenlegion befördert, wurde M. 1946 als Militärattaché der Tschechen für Paris und Brüssel nach Frankfurt/Main versetzt, um im Hauptquartier Eisenhowers die tschech. Interessen zu vertreten. Kurz vor dem kommunistischen Putsch 1948 trat er in die franz. Armee ein, der er bis zu seiner Pensionierung 1968 angehörte. Seine Tätigkeit als Militäringenieur und Generalstabsoffizier im „Service électronique des forces terrestres“ konzentrierte sich auf strategische Untersuchungen, operative Planungen und Beobachtungen der Weltpolitik. Die franz. Armee war M. Ersatz für die verlorene Heimat geworden. 1949-54 war er beurlaubt, um auf der portugies. Militärakademie von Caxias Offiziere in Taktik zu unterrichten. Ein Dutzend Mal folgte er Einladungen in die USA, nachdem ihm 1946 der Orden „Legion of Freedom“ verliehen worden war. Auch im Spanien Francos und in Deutschland hielt er Vorträge. M. verfaßte seine Analysen und Studien stets in deutscher Sprache; sie wurden dann ins Englische oder Französische übersetzt.

    In den 50er und 60er Jahren griff M. in die weltweite Atomdiskussion ein. 1955 beeindruckte sein Buch „Atomic Weapons and Armies“ die Fachwelt. In der franz. Militärzeitschrift „Défense nationale“ setzte er sich in origineller Weise mit den Strukturen auseinander, die andere Militärs für die Armeen des Atomkriegs entworfen hatten. Dabei unterschied er sich nicht grundsätzlich von den Verfechtern des Atomkriegs. In seinem Buch „The Failure of Atomic Strategy“(1956, dt. u. franz. 1958) machte er jedoch eine Kehrtwende, indem er nunmehr der Atomstrategie den Kampf ansagte. M. erklärte die These für absurd, mit Atomwaffen könne man Sicherheit|garantieren. Einen weiteren Schwerpunkt seiner publizistischen Attacken bildete der Sowjet. Imperialismus. Als die Sowjetunion zusammenbrach, galt seine Sorge neuen Gefahrenelementen, wie sie atomar gerüstete anarchistische Staaten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion oder der militante Islam darstellen.

  • Werke

    Weitere W u. a. Paratroops, 1943;
    War between Continents, 1948 (mit E. Combaux);
    Secret Forces, 21950;
    Unconditional Surrender, 1952;
    Danubian Federation, 1953 (dt.: Donauföderation, 1953);
    Der Atomkrieg findet nicht statt, 1958;
    Bessere NATO f. weniger Geld, in: Wehr u. Wirtschaft 10, 1962;
    Kapitulation ohne Krieg, 1965 (franz. 1966);
    Die Zukunft d. Bundeswehr, 1967;
    Rüstungswettlauf, 1972;
    Vom Kriegsbild, 1976;
    Bis 2000, Entscheidung in d. 4. Welt, 1980;
    Moskaus indirekte Strategie, 1983;
    Das Ende d. Gegenwart, 51991.

  • Literatur

    A. Weinstein, in: FAZ v. 13.1.1993;
    F. Heiduk, Oberschles. Lit.-Lex. II, 1993.

  • Autor

    Adelbert Weinstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Weinstein, Adelbert, "Miksche, Ferdinand Otto" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 496-498 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd106659014.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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