Lebensdaten
1901 bis 1950
Geburtsort
Teplitz-Schönau
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Nationalökonom ; Wirtschaftsjournalist
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 140071547 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Miksch, Leonhard

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Zitierweise

Miksch, Leonhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd140071547.html [19.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Rudolf (1872–1918, kath.), Beamter b. e. Privateisenbahn, S d. Josef (1823–83), Domänendir. d. Fürsten Lobkowitz, u. d. Caroline Josefa Theresia Platzer (1835–1917);
    M Silvia Anna (1873–1925), T d. Hermann Karl Priborsky (1834–83), Ing. u. Eisenbahndir., u. d. Henriette Emilie Horn (1854–81);
    1) Ruth (ev.), T d. Paul Friedrich Kuhlberg (1872–1932), Propst d. Nordukraine in Charkow, u. d. Alice Elise Martha Pohlmann (1871–1937), 2) 1935 Helene Alice Kuhlberg (* 1913, ev., Schwägerin);
    1 S, 1 T aus 2).

  • Leben

    M. begann im Wintersemester 1920/21 an der TH Prag ein Studium der Chemie, das er 1922/23 an der Univ. Tübingen fortsetzte. Dort immatrikulierte er sich im Wintersemester 1923/24 – einem lange gehegten Wunsch folgend – zum Studium der Nationalökonomie, das er im Mai 1926 mit der Diplomprüfung für Volkswirte abschloß. Wenig später erhielt M. die deutsche Staatsangehörigkeit. Seine Studien beendete er 1927 mit einer Dissertation zum Thema „Gibt es eine allgemeine Überproduktion?“ (1929) bei Walter Eucken, dessen Freund und Wegbegleiter er werden sollte. 1928 begann M.s 15jährige Karriere als Wirtschaftsredakteur bei der „Frankfurter Zeitung“, in deren Berliner Redaktion er eintrat. Vom Redakteur der Handelsschriftleitung avancierte er 1932 zum Korrespondenten für Wirtschaftspolitik. Darüber hinaus engagierte er sich jahrelang bei der von der „Frankfurter Zeitung“ herausgegebenen Vierteljahresschrift „Die Wirtschaftskurve“. Nach dem Verbot der „Frankfurter Zeitung“ 1943 übernahm M. die Handelsschriftleitung der „Berliner Börsenzeitung“.

    M.s Originalität als Wirtschaftsjournalist gründet sich auf die Fähigkeit, in einer Synthese von breitem theoretischem Wissen und nie erlahmendem Forschergeist die praktischen Probleme der Wirtschaftspolitik analytisch zu kommentieren. So verstand er es vortrefflich, dem täglichen wirtschaftlichen Geschehen die finanz- und wirtschaftstheoretische Zuordnung und Erklärung zu geben und durch seine schlichte und klare Diktion die Leserschaft für eine wissenschaftlich fundierte Betrachtungsweise aufnahmefähig zu machen. Neben diesen publizistischen Aktivitäten vertiefte er seine wirtschaftstheoretischen Studien. Unter anderem pflegte er seit Beginn der 30er Jahre Kontakte mit einer Gruppe Freiburger Wirtschafts- und Rechtswissenschaftler – einer der Keimzellen der sog. „Freiburger Schule“ –, die sich vor dem Hintergrund der ökonomischen Lage und des nationalsozialistischen Wirtschaftsdogmas in ihrem Bekenntnis zum liberalen Rechtsstaat und zur Marktwirtschaft einig wußten. Seine wissenschaftliche Arbeit fand in dem Werk „Wettbewerb als Aufgabe“ (1937, 21947), mit dem er sich 1938 nicht ohne Schwierigkeiten zum Dr. habil. der Staatswissenschaften habilitierte, einen ersten Höhepunkt.

    Im Juli 1946 beendete M. seine Tätigkeit als Wirtschaftsjournalist, um aktiv an der politisch-administrativen Gestaltung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus mitzuwirken, zunächst als Referatsleiter im Zentralamt für Wirtschaft und dessen Nachfolgeorganisationen, seit 1948 als Leiter des Referats „Preiswirtschaftliche Grundsatzfragen und Betriebswirtschaft“, wodurch er zu einem engen Mitarbeiter Ludwig Erhards wurde. Die praktische Verwaltungstätigkeit konnte den Wirtschaftstheoretiker jedoch nicht befriedigen. So nahm er, kurz vor seiner Ernennung zum Ministerialrat, im April 1948 eine Professur für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftshochschule Mannheim an. Bereits im September 1949 wurde er an der Univ. Freiburg, der er sich seit den 30er Jahren aufs engste verbunden fühlte, zum Ordinarius für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft berufen und 1950, in Nachfolge seines Freundes und Mentors Eucken, Direktor des dortigen wirtschaftswissenschaftlichen Seminars. Sogleich entfaltete er eine erstaunliche Schaffenskraft. Als er sich mit Aufsätzen zur Gleichgewichts-, Geld- und Wettbewerbstheorie gerade wissenschaftlich etabliert hatte, verstarb M. im Alter von 49 Jahren.

    Zur bleibenden wissenschaftlichen Leistung M.s zählen vor allem seine Studien zur Theorie der Marktformen und der Wettbewerbsordnung. Es ging ihm darum, „eine Wirtschaftsverfassung zu entwerfen, in welcher trotz der historisch entstandenen monopolistischen Marktformen und trotz der nur beschränkten Gültigkeit der vom klassischen Liberalismus behaupteten Harmonie das Prinzip des Wettbewerbs eine weitgehende Anwendung findet“. Der Suche nach den Bedingungen dieser neuen Wettbewerbsordnung widmete er sein ganzes wissenschaftliches Wirken.

  • Werke

    Weitere W u. a. Zur Theorie d. Gleichgewichts, in: Ordo, Jb. f. d. Ordnung v. Wirtsch. u. Ges. 1, 1948, S. 175-96;
    Die Geldschöpfung in d. Gleichgewichtstheorie, ebd. 2, 1949, S. 308-28;
    Die Wirtsch.pol. d. Als-Ob, in: Zs. f. d. gesamte Staatswiss. 105, 1949, S. 310-38;
    Die Geldordnung d. Zukunft, in: Zs. f. d. gesamte Kreditwesen 2, 1949, S. 155-58;
    Zur Theorie d. räuml. Gleichgewichts, in: Weltwirtsch. Archiv 66, 1951, S. 5-50.

  • Literatur

    E. Achterberg u. V. Muthesius, L. M., in: Ordo 4, 1951, S. 411-15;
    A. Zottmann, L. M. in memoriam, in: Weltwirtsch. Archiv 66, 1951, S. 1-4;
    I. Eberle, H. Marcon, 150 J. Promotion an d. wirtsch.-wiss. Fak. d. Univ. Tübingen, 1984 (P);
    G. Gillessen, Auf verlorenem Posten, Die Frankfurter Ztg. im Dritten Reich, 1986. – Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Gerhard Mauch
  • Empfohlene Zitierweise

    Mauch, Gerhard, "Miksch, Leonhard" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 495 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd140071547.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA