Lebensdaten
1898 bis 1976
Geburtsort
Güstrow (Mecklenburg)
Sterbeort
Karlsruhe
Beruf/Funktion
Chemiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 138370559 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meyer, Karl Friedrich

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Zitierweise

Meyer, Karl Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138370559.html [19.01.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig (1871–1934), Lehrer u. Rektor an e. Mittelschule, Schulrat in Berlin-Spandau, S d. Carl (1839–1921), Landwirt u. Ziegeleibes. in Gischow (Mecklenburg), u. d. Louise Kaiser (1844–1929);
    M Anna (1873–1945), T d. Johann Witt, Fabrikbes. in Schwerin;
    Berlin-Spandau 1924 Hildegard (* 1899), Krankenschwester, T d. Karl Bernhard (1863–1943), Schiffsbaumeister in Berlin-Spandau, u. d. Christiane Friederike Berlt (1871–1932);
    1 S, 1 T.

  • Leben

    M. besuchte seit 1906 die Oberrealschule in Spandau und ließ sich nach dem Abitur 1915 als Kriegsfreiwilliger einziehen. Nach dem Krieg studierte er an der Univ. Berlin Chemie, Physik und Mathematik. Bei Walter Nernst promovierte er 1922 mit dem Thema „Über coulometrische Messungen von Mikroströmen“. Schon seine Assistentenzeit führte M. in das Gebiet des Sprengstoffwesens. Seit 1921 war er wissenschaftlicher Assistent in der von H. Kast geleiteten Abteilung für Sprengstoffe der Chemisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin. Dort wurde er vor allem durch seine Mitarbeit an der Aufklärung des Explosionsunglücks in Oppau bekannt. 1923 ging M. zunächst als Direktionsassistent zur Berliner Zentrale der Sprengluft GmbH, übernahm dann aber 1924 die technische Leitung von deren Gefäß- und Patronenfabrik in Vetschau. Ende 1925 mußte er diese Stelle wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten der Gesellschaft verlassen und fand Anfang 1926 für kurze Zeit Beschäftigung bei der Berufszählungsabteilung des Preuß. Statistischen Landesamtes in Berlin.

    Im selben Jahr übernahm er im Werk Schlebusch der Dynamit AG vormals Alfred Nobel & Co. (DAG) bei Phokion Naoum, einem bedeutenden Sprengstoff-Chemiker, eine Assistentenstelle. Seit 1929 war er als technischer Leiter für die Wiederinbetriebnahme der Schwarzpulver- und Sprengstoffwerke Kieselbach und Kunigunde zuständig. Hier führte er wesentliche Verbesserungen in der Sprengsalpeter-Darstellung ein und entwickelte gemeinsam mit Naoum die Kalksalpeter-Sprengstoffe, die sich als „Calcinit“ im Kalibergbau durchsetzen konnten. Nach der Stillegung des Werkes Kieselbach wurde er 1931 mit der Einrichtung dieses Fabrikationszweiges im Werk Würgendorf betraut. 1934 berief ihn der damalige Generaldirektor der DAG, Paul Müller, als wissenschaftlichtechnischen Berater in die Troisdorfer Zentrale, wo er bald zum Abteilungsleiter, 1936 zum Prokuristen und 1937 zum Direktor ernannt wurde. Er wurde vor allem mit dem organisatorischen und technischen Aufbau der Produktion militärischer Sprengstoffe beauftragt. M. erkannte die Bedeutung des Hexogens (Cyclotrimethylentrinitramin) für die Sprengstofferzeugung und die des Nitroguanidins für die Pulvererzeugung. Gemeinsam mit W. Schnurr baute er 1935 ein Hexogen-Großtechnikum in Hanau und später die Werke Döberitz, Ückermünde und Christiansstadt auf. Unter Beibehaltung seiner Planungsaufgaben in Deutschland übernahm M. 1938 gemeinsam mit Heinrich Gattineau die Leitung der AG Dynamit Nobel Wien, 1939 zudem als Geschäftsführer die der AG Dynamit Nobel Preßburg. Damit war er bis zum Ende des 2. Weltkrieges für den Ausbau und die Modernisierung von 12 Tochtergesellschaften des Nobel-Konzerns im südosteurop. Raum verantwortlich. Als NSDAP-Mitglied wurde M. 1948 bei den Entnazifizierungsprozessen als „Entlasteter“ eingestuft.

    In der Nachkriegszeit war M. als Berater und freier Mitarbeiter verschiedener Firmen tätig, so bei der DAG und der WASAG-Chemie AG. 1956-68 war er Lehrbeauftragter für Chemie und Technologie der Explosivstoffe an der TH Karlsruhe. Am Karlsruher Hochschulinstitut für chemische Technik wurde 1957 ein Laboratorium für Treibstoffe von M. gegründet, aus dem 1959 das Institut für Chemie der Treib- und Explosivstoffe der Fraunhofer-Gesellschaft e. V. hervorging, dessen Direktor M. bis 1971 blieb und das er zu einer international anerkannten Forschungsstätte ausbaute.

  • Literatur

    H. W. Schnurr, Zum 70. Geb.tag M.s, in: Explosivstoffe 16, 1968, Nr. 1;
    Bad. Neueste Nachrr. v. 19.3.1969, 13.1.1973 u. 23.9.1976;
    Jb. d. DGLR 1976, 69-54-55. – Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Elisabeth Komar
  • Empfohlene Zitierweise

    Komar, Elisabeth, "Meyer, Karl Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 360 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138370559.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA