Lebensdaten
1705 - 1765
Geburtsort
Osnabrück
Sterbeort
Osnabrück
Beruf/Funktion
Chemiker ; Apotheker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 121307948 | OGND | VIAF: 55000581
Namensvarianten
  • Meyer, Johann Friedrich
  • Verfasser der Chymischen Versuche zur nähern Erkäntniß des ungelöschten Kalchs
  • Verfasser der Chymischen Versuche zur nähern Erkäntniß des ungelöschten Calchs

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Zitierweise

Meyer, Johann Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121307948.html [05.12.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Andreas (1670–1714) aus Weißensee (Thüringen), Arzt in O.;
    M Sophia Margaretha (1683–1742), T d. Friedrich Wilhelm Gottfried (1651–1710), Apotheker in O., u. d. Agnes Maria Redeker (1664–1737);
    B Rudolf, Apotheker in Bramsche, später Bes. d. Hirsch-Apotheke in O.;
    Osnabrück 1738 Anna Sara ( 1759), vermutl. T d. Hermann Krochmann (1671–1728), Prediger an St. Katharinen zu O. (s. L).

  • Leben

    Nachdem sich M.s Wunsch, Theologie zu studieren, nicht erfüllen ließ, trat er im 15. Lebensjahr als Lehrling in die seiner Großmutter gehörende Hirsch-Apotheke in Osnabrück ein, wo er durch den Provisor Georgius auch mit medizinischen, pharmazeutischen und chemischen Büchern bekannt wurde. Nach sechsjähriger, harter Lehrzeit ging er nach Leipzig, konnte aber trotz einer früheren Zusage dort keine Stellung finden und bildete sich auf eigene Kosten weiter, bis er 1727 eine Anstellung in der Ratsapotheke in Nordhausen erhielt. Er verließ diese nach zwei Monaten, um nach Frankfurt/Main zu gehen. Auch dort ohne Aussichten auf eine Anstellung, wandte sich M. nach Trier, wo eine Gesellenstelle vakant war. Nach einjähriger beruflich und wissenschaftlich befriedigender Tätigkeit wurde er an die Apotheke des Waisenhauses in Halle (Franckesche Stiftungen) berufen. Zwei Jahre später trat er auf Bitten seiner Großmutter als Provisor in die Hirsch-Apotheke in Osnabrück ein, die 1737 nach ihrem Tod in seinen Besitz überging. Nach M.s Tod übernahm der Bruder Rudolf, Apotheker in Bramsche, die Hirsch-Apotheke, die bis in die Gegenwart im Besitz von dessen Nachkommen war.

    M.s Experimentaluntersuchungen blieben schon zu seiner Zeit nicht ohne Kritik, hingegen hat er mit der theoretischen Interpretation der Umwandlung von Carbonaten in die entsprechenden Oxide die zeitgenössische Diskussion angeregt und mit seiner letztlich auf die scholastische Auffassung der substantialen Formen zurückgehenden Hypothese einer allgemeinen Säure einen bemerkenswerten Versuch zur Lösung drängender Probleme unternommen. Seine Ansichten veröffentlichte M. 1764 in dem Buch „Chymische Versuche zur näheren Erkenntnis des ungelöschten Kalchs …“, mit dem er sich gegen die 1755 veröffentlichten Ergebnisse Joseph Blacks stellte, der behauptete, daß der Kalk beim Brennen eine „fixe Luft“ (Kohlendioxid) entwickle. M. hingegen meinte, daß beim Kalkbrennen einzig Wasser austrete. Die Kaustizität nach dem Brennen entstünde, weil durch die Wärmezufuhr beim Brennen „Feuermaterie“ aufgenommen werde und der Kalk sich mit einer in dieser enthaltenen Säure verbinde. Beim Versetzen des ungelöschten (gebrannten) Kalks mit Wasser werde diese Säure wieder freigesetzt, und da sie der Feuermaterie entstamme, verursache sie auch die Wärmeentwicklung beim Löschen des Kalks. Da der gebrannte Kalk, der Ätzkalk, sich fettig anfühlt, nannte M. die beim Kalkbrennen aufgenommene Säure „fette Säure“ oder „acidum pinguis“ und erhob sie zu einem allgemeinen stofflichen Grundprinzip. Im Zusammenhang mit der „fetten Säure“ stehen auch M.s Bemühungen, ein „Menstrum universale“, ein universales Lösungsmittel aufzufinden, die, wie auch seine Versuche zur Transmutation, – angeregt durch den befreundeten Arzt Dr. Constantini aus Melle bei Hannover – ein Wiederaufleben alchimistischer Vorstellungen innerhalb der rationalen Chemie bedeuteten. Darüber stand M. in Korrespondenz mit dem Hannoveraner Apotheker und Chemiker J. G. R. Andreae, der diese nach M.s Tod herausgab. Auf M. zurückzuführen ist auch das in der Homöopathie gebräuchliche „Causticum Hahnemannii“, das nach dem Homöopathischen Arzneibuch durch Destillation einer Lösung von frisch gelöschtem Kalk mit Kaliumhydrogensulfat bereitet wird, wobei das „Causticum“ in konzentrierter Form übergehen soll. Verdünnt mit Alkohol wird es gegen neuralgische und arthritische Beschwerden sowie gegen Erkrankungen der Luftwege angewandt. M.s Theorie fand viele Anhänger, u. a. J. Ch. Wiegleb. A. Baumé, C. W. Pörner, W. Bucholz, und Gegner wie D. Macbride, N. J. Jacquin, J. R. Spielmann, M. F. Boehm und J. J. Well, die in zahlreichen Veröffentlichungen M.s und Blacks Lehre einander gegenüberstellten.

  • Werke

    Chym. Versuche z. näheren Erkenntniß d. ungelöschten Kalchs, d. elast. u. electr. Materie, d. allerreinsten Feuerwesens u. d. ursprüngl. allg. Säure, Nebst e. Anhange v. d. Elementen, 1764 (franz. 1765), verb., mit d. alchimist. Briefen vermehrte Aufl., 21770;
    Alchymist. Briefe v. d. Verf. d. chym. Versuche z. näheren Erkänntniß d. ungelöschten Kalchs …, 1767 (franz. 1767).

  • Literatur

    E. G. Baldinger, Vorrede, in welcher Herrn J. F. M.s … Leben erzählet … wird, in: J. Ch. Wiegleb, Kleine chym. Abhh. v. d. gr. Nutzen d. Erkenntniß d. Acidi pinguis …, 1767, S. 3-32 (enthält M.s Autobiogr. aus d. J. 1765);
    P. J. Macquer, Chym. Wb. I, 21788, S. 10 f.;
    H. Kopp, Gesch. d. Chemie III, 1845, S. 34-42;
    J. Ferguson, Bibliotheca Chemica II, 1906, S. 93;
    J. R. Partington, A History of|Chemistry III, 1962, S. 145 f.;
    W. Schneider u. K. Tschanter, J. F. M., in: Die pharmazeut. Industrie 17, 1955, S. 450-52 (P);
    M. Engel, Chemie im 18. Jh. (= Staatsbibl. Preuß. Kulturbes., Ausst.kat. 23), 1984, S. 92 f.;
    W.-H. Hein, in: Dt. Apotheker-Biogr. II, 1978, S. 432;
    Pogg. II;
    DSB IX. – Zu Hermann Krochmann: R. Hehemann, Biogr. Hdb. z. Gesch. d. Region Osnabrück, 1990.

  • Autor/in

    Michael Engel
  • Empfohlene Zitierweise

    Engel, Michael, "Meyer, Johann Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 352-353 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121307948.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA