Lebensdaten
1573 bis 1632
Beruf/Funktion
Liederdichter ; Komponist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118581554 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Metzger, Ambrosius
  • Metzgerus, Ambrosius

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Zitierweise

Metzger, Ambrosius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118581554.html [17.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ulrich (* 1595), Barchentweber in N.;
    M Ursula Marbach;
    1) 1607 Barbara, T d. Eisenhändlers Martin Rausch in N., 2) 1609 Ursula, T d. Schulmeisters Johann Barth.

  • Leben

    M. konnte über die für einen Handwerkersohn normale Schulbildung hinaus die Lateinschule besuchen. Als 18jähriger ging er auf Wanderschaft, studierte in Steyr ein Jahr lang am Gymnasium und erhielt dort anschließend eine Stelle als Lehrer. Danach wurde er Hauslehrer. 1600 kehrte M. nach Nürnberg zurück. Nun studierte er an der Nürnberger Akademie in Altdorf (als Stipendiat des Rats?) und schloß 1603 mit dem Magisterexamen ab. 1606 bewarb er sich vergeblich um eine Kaplanstelle, und auch forthin erhielt er kein geistliches Amt. Schuld daran trug offenbar seine extreme Kurzsichtigkeit, vielleicht auch noch ein zusätzliches Augenleiden – jedenfalls mußte er später seine|Dichtungen einem Schreibknaben diktieren. 1607 nahm er am Egidien-Gymnasium in Nürnberg die Stelle des „Intimus“ oder Schuldieners an – des rangniedrigsten Lehrers –, die er bis zu seinem Tod innehatte.

    M.s Schaffen wurde eingeleitet durch seine „Venus-Blümlein, Erster Theil“, die 1611 im Druck erschienen. Es handelt sich um eine Sammlung von 25 vierstimmigen weltlichen Gesellschaftsliedern. Die Texte, die Liebe, Jagd und Tanz zum Thema haben und mehrfach durch Akrosticha auf weibliche Vornamen bezogen werden, sind von ihm selbst gedichtet. Die Musik ist in der Nachfolge von H. L. Haßlers „Lustgarten neuer teutscher Gesäng“ (1601) auf dem Weg zum monodischen Stil. 1612 veröffentlichte M. einen zweiten Teil mit 19 fünfstimmigen Liedern, von dem nur eine Baßstimme erhalten ist. Ein dritter Teil, an dem er arbeitete, ist nicht erhalten und niemals zur Veröffentlichung gekommen. Ob es an M.s schlechter werdenden Augen – so seine eigene Erklärung – oder an der offenbar geringen Nachfrage nach den ersten Bänden lag, läßt sich nicht sicher bestimmen. Seit 1623 betätigte er sich als Dichter von Meisterliedern und Komponist von Meistertönen. Als Meistersinger im engeren Sinn kann man ihn nicht bezeichnen, da er niemals öffentlich auftrat. M. war der bedeutendste Meisterlieddichter nach Hans Sachs. Von seinen ca. 3000 Liedern sind 1367 erhalten, die Mehrzahl ist in einem seiner 343 Töne abgefaßt. In den geistlichen Liedern hat M. mehrfach den ganzen Psalter, das ganze Buch Jesus Sirach und neben zahlreichen weiteren alttestamentlichen Liedern fast alle Evangelientexte versifiziert. Seine weltlichen Lieder haben ihren Schwerpunkt in antiken Stoffen. In seinem Metamorphosen-Zyklus nach Ovid hat M. durch die gelehrte kompilatorische Verarbeitung von Übersetzungsliteratur einen letzten Höhepunkt des Meistergesangs geschaffen. Im öffentlichen Vortrag lösten seit 1625 die Lieder M.s mehr und mehr die bis dahin dominierenden des Hans Sachs ab. Doch weder seine neugeschaffenen Melodien noch Versuche, durch textliche und formale Experimente frühbarocke Anregungen aufzunehmen, konnten den Meistergesang nachhaltig reformieren. 1630, als seine Begeisterung für den Meistergesang schon im Abklingen war, erschien M.s „Psalter Davids“, eine gedruckte Sammlung in gängigen Strophenformen des prot. Kirchenlieds, jedoch mit beigefügten neuen Melodien. Von dieser Veröffentlichung nahm der Rat der Stadt 75 Exemplare zum Preis von je 1 Gulden ab.

  • Werke

    Weitere W „Hochzeitscarmen“ f. Joh. Ulrich Amman, in: Carmina Votiva Nuptiies, 1632 (Exemplar in Nürnberg, Stadtbibl.). – Ausgg.: F. Schnorr v. Carolsfeld, Zwei neue Meistersinger-Hss., in: Archiv f. Lit.gesch. 3, 1874, S. 54-56 („Curriculum Vitae“, autobiogr. Meisterlied);
    Die Töne d. Meistersinger, Die Hss. d. Stadtbibl. Nürnberg Will III, 792-96, hrsg. v. H. Brunner u. J. Rettelbach, 1980;
    Metamorphosis Ovidij in Meisterthöne gebracht, hrsg. v. H. Kugler, 1981.

  • Literatur

    E. Schumann, Stilwandel u. Gestaltveränderung im Meistergesang, Vgl. Unterss. z. Musik d. Meistersinger, 1972;
    Répertoire International des Sources Musicales, Bd. A/I/5, S. 529 (Verz. d. Lieddrucke);
    H. Kugler, Handwerk u. Meistergesang, A. M.s Metamorphosen-Dichtung u. d. Nürnberger Singschule im frühen 17. Jh., 1977;
    I. Stahl, Die Meistersinger v. Nürnberg, Archival. Stud., 1982;
    Rep. d. Sangsprüche u. Meisterlieder, hrsg. v. H. Brunner u. B. Wachinger, 1985-91 (Verz. d. Meistertöne in I, d. Lieder in VIII, S. 115-478);
    Jöcher IV (Erg.bd.);
    MGG IX;
    Kosch, Lit.-Lex.3

  • Autor/in

    Johannes Rettelbach
  • Empfohlene Zitierweise

    Rettelbach, Johannes, "Metzger, Ambrosius" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 253 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118581554.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA