Lebensdaten
erwähnt 1145 oder 1186
Beruf/Funktion
mittellateinischer Dichter ; Benediktiner ; Mönch von Tegernsee
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118581406 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Metellus
  • Metell, von Tegernsee
  • Metellus, von Tegernsee

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Zitierweise

Metellus von Tegernsee, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118581406.html [24.05.2017].

CC0

Metellus von Tegernsee

Benediktiner, mittellateinischer Dichter, zwischen 1165 und 1186.

  • Leben

    Die Identität des zwischen 1145 und 1165 in seinem Wirken nachweisbaren mittellat. Dichters ist trotz mehrfacher Versuche, vor allem von Fink, mit Bauerreiß und Jacobsen als ungeklärt anzusehen. Die Eckdaten ergeben sich aus den zeitgeschichtlichen Bezügen bzw. den für seine Werke herangezogenen Quellen. Da seinem eigenen Zeugnis nach sein Bruder Wernher in Schliersee lebte, dürfte er wohl am ehesten der Sproß einer oberbayer. Familie gewesen sein.

    Von überdurchschnittlicher Bildung und Belesenheit, sowohl in mittelalterlicher als auch in antiker Literatur, kann M. als der bedeutendste lat. Dichter Süddeutschlands im 12. Jh. gelten. Er hinterließ zwei große Werke: Bei der in 4845 Hexametern abgefaßten „Expeditio Ierosolomitana“ handelt es sich um eine inhaltlich geringfügig erweiterte dichterische Ausformung der „Historia Ierosolimitana“ des Robertus monachus, zu der auch zwei Kreuzzugsbriefe als Vorlage dienten. Ungleich bedeutender, in jeder Hinsicht reifer ist jedoch M.s vermutliches Hauptwerk, die „Quirinalien“. Darin sind die ältere Tegernseer Quirinspassion (ed. Krusch, MGH SS rer. Mer. III) sowie die Tegernseer Gründungsüberlieferung zu einem neuen Gesamtwerk verarbeitet, das inhaltlich die letztgültige Form der Tegernseer Gründungslegende werden sollte. M. folgt in seiner Dichtung konsequent der politischen Linie seines Abtes Rupert. Die Gedichte spiegeln den zeitgenössischen Kampf des Klosters um Reichsunmittelbarkeit, um die Wahrung seiner Observanz sowohl gegenüber den Reformversuchen Bischof Ottos von Freising wie auch gegen die jüngere, hirsauische Benediktinerreform, in deren Gefolge es auch zu heftigen Rivalitäten zwischen Benediktbeuern und Tegernsee kam. Dies hindert M. jedoch nicht, die dort zuerst behauptete Verwandtschaft der Klosterstifter mit den Karolingern topisch in die Tegernseer Gründungslegende zu übernehmen. Des weiteren wendet sich die Dichtung heftig gegen die Vögte und ihre Übeltaten – in diesen Zusammenhang gehört auch der Topos der Arnulfischen Säkularisationen, der bis dahin in Tegernsee nicht bezeugt war. An manchen Stellen wird zudem die Erfahrung des alexandrinischen Schismas spürbar. In Versmaß und dichterischer Gestaltung orientiert sich M. an antiken Vorbildern, vor allem an Horaz und Vergil. Für einen speziellen Teil der Quirinalien, die bukolischen Eklogen, die er etwas umständlich – und wohl in der Hauptsache zum Beweis der eigenen Gelehrsamkeit – einfügt, übernimmt er auch thematisch das Vorbild Vergils.

    Die literarisch wertvollen Quirinalien wurden kurz nach der Entstehung in eine Prosafassung umgeschrieben, da sich die teilweise schwer verständlichen und kaum befriedigend übersetzbaren Verse offensichtlich den politischen und ökonomischen Zielsetzungen des Klosters nicht im gewünschten Umfang dienstbar machen ließen. M. ist über seine literarischen Arbeiten hinaus gelegentlich in anderen Tegernseer Handschriften als Schreiber namhaft zu machen, so etwa in Clm 18 257, und mit einigen Einträgen in den Tegernseer Traditionen zwischen 1155 und spätestens 1186 (von P. Acht als Schreiber T. 17 bezeichnet). Daß M. der Verfasser des Tegernseer „ludus de antichristo“ gewesen sein soll (Bauerreiß), ist wenig wahrscheinlich.

  • Werke

    Expeditio Ierosolomitana, Hs. Admont 267, ed. P. C. Jacobsen, Qu. u. Unterss. z. lat. Philol. d. MA 6, 1982; Ode Quirinalium Metelli in laudibus beati Quirini martyris, Hs. Admont 267, Erstdruck b. Canisius, Antiquae lectionis I, Appendix S. 35-184, Ingolstadt 1601. – Ausgg.: P. Peters, Die Quirinalien d. M. v. T. mit Ausnahme d. Eklogen auf d. Qu. hin untersucht u. hrsg., Diss. Greifswald 1913 (erste krit. Ausg., unvollst.); P. Ch. Jacobsen, Die Quirinalien d. M., Unterss. z. Dichtkunst, 1965 (heute maßgebl. Ausg.).

  • Literatur

    ADB 21; O. Grillnberger, Zur hs. Überlieferung d. „Quirinalien“ d. M., in: StMBO 6, 1885, S. 371 ff.; R. Bauerreiß, Stud. zu M., ebd. 59, 1941, S. 96-104; B. Schmeidler, Stud. z. Gesch. d. Klosters Tegernsee v. 11. bis z. 16. Jh., 1935; W. Fink, Abt Erbo II. v. Prüfening, Vf. d. sog. „Quirinalien“ = M., ebd. 60, 1946, S. 53-75; P. Acht, Die Traditionen d. Klosters Tegernsee 1003-1242, 1952; H. Plechl, Stud. z. Tegernseer Briefslg. IV, in: DA 13, 1957, S. 35-114, 394-481; P. Ch. Jacobsen, Die Quirinalien d. M., Unterss. z. Dichtkunst (s. W, dort auch d. wichtigste ältere Lit.); L. Holzfurtner, Gründung u. Gründungsüberlieferung, Quellenkrit. Stud. z. Gründungsgesch. d. Bayer. Klöster d. Agilolfingerzeit u. ihrer hochma. Überlieferung, 1984, S. 113-25; J. Weissensteiner, Tegernsee, d. Bayern u. Österreich, Stud. zu Tegernseer Gesch.qu. u. d. bayer. Stammessage, Mit e. Ed. d. Passio secunda Sancti Quirini, 1983; Verf.-Lex. d. MA2; Lex. MA.

  • Autor

    Ludwig Holzfurtner
  • Empfohlene Zitierweise

    Holzfurtner, Ludwig, "Metellus von Tegernsee" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 229 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118581406.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Metellus (von Tegernsee)

  • Leben

    Metellus (von Tegernsee) ist der Verfasser des größten Theiles der "Quirinalia", die — halb Legende des Schutzpatrons, halb anekdotische Klostergeschichte — das Leben und den Martyrtod eines heiligen Quirinus in Rom, dessen Ueberführung nach Tegernsee und viele ihm dort zugeschriebene Wunder erzählen. Mit großer Sprachgewandtheit bringt M. den aus Schriften und mündlicher Kunde geschöpften Stoff in die Metren und Gedichtformen des Horaz, Virgil, Boethius und Prudentius, von denen er besonders den zweiten von Jugend auf gelesen, wie er auch sein Werk in "Odae" und "Bucolica" theilt. Erstere nur bieten dem Historiker einiges Brauchbare, während die virgilische Nachahmung in ermüdender Breite den Kampf des Klosters mit dem nicht opferwilligen, verschlagnen Aelplervolke zeigt. Ueber die Person des Dichters läßt sich nur wenig sagen. Sicher ist, daß er im J. 1167 mit den Oden beschäftigt war; denn bis zum zweiten Millenarium Roms (1247) zählt er noch 80 Jahre ("lustra ter dua [et] dena"). Die später verfaßten "Bucolica" sind eine Geistesfrucht seines höheren Alters. Zweifel aber erregt schon der Name des Dichters. Da nicht einmal die Nekrologien Tegernsee's einen Metellus|erwähnen, so hat er wahrscheinlich anders geheißen. Er pflegt ja die Namen zu latinisiren und dabei auch mehr oder minder zu entstellen: Regensburg wird ihm Hyatospolis und Imbripolis, Hartmann Artheimus, Walber(g) Albarius, Glaim Cleminia u. s. w. Daß er als "Fremdling" ins Kloster Tegernsee kam, läßt er selbst einstießen; ihn aber für einen Burgunder zu halten, weil er die Klosterstifter Adelbert und Otkar zu Herzögen von Burgund macht, von denen man dort zu Lande noch singe, geht meines Erachtens zu weit. Er widerspricht sich dabei, indem er ein anderes Mal den Adelbert als baierischen Grafen bezeichnet, auch verräth es keine genaue Kenntniß der burgundischen Sprache, wenn er behauptet, Otkar werde in jenen Liedern "Osiger" genannt. Letzteres wäre ja "Oskar"; überhaupt aber schimmern hier pseudoturpinische Reminiscenzen durch. "Das in edlerer Blüthe, mit auserlesenen Stätten prangende Burgund" kann ihm vorübergehend zum Aufenthalte gedient haben; an seinem Deutschthume, das er gelegentlich durch "nos Teutonici" bekräftigt, ändert dies ebensowenig, als seine Vorliebe für den gallikanischen Ritus, welchen einst Abt Hartwich aus St. Maximin nach Tegernsee verpflanzt, oder als die Bekanntschaft mit den sehr verbreiteten Gesta Francorum, mittelst deren er einmal die Habsucht des Quirinus von Tegernsee und jene des heil. Martin von Tours vergleicht. M. scheint allerdings weit herumgekommen zu sein. Zu Regensburg in der Emeramskirche mag er noch am Grabe Herzog Arnulf's von Baiern die Verse gelesen haben, die nur er uns überliefert; um Eichstätt (urbs Aureatensis) zeigt er sich orts- und sagenkundig; von dem bildergeschmückten Pokale im Frauenkloster zu Neuß, der das wunderwirkende Trinkgefäß eines anderen Quirinus umschloß, spricht er so lebhaft, als ob er ihn selbst gesehen. Die "Quirinalia" Metell's hat bereits 1601 H. Canisius im Anhange zum ersten Bande seiner "Antiqua lectio", p. 35—184, dann 1725 Basnage in der Neuausgabe jenes Sammelwerkes, dem "Thesaurus monumentorum etc." tom. III, ps. II, p. 113—196 erscheinen lassen, jedoch nach einer unvollständigen Abschrift; eine bessere, die nicht blos einzelne Worte, Verse und Strophen, sondern auch sechs ganze Oden mehr hat und erst die richtige Zählung dieser Gedichte ermöglicht, bietet der Codex Nr. 267 des Klosters Admont. Die darin enthaltene Fortsetzung der "Quirinalia", welche von den Vögten des Klosters Tegernsee handelt (vgl. Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde X, 635—638), kann jedoch aus metrischen und sprachlichen Gründen dem M. nicht zuerkannt werden.

    • Literatur

      H. Holland, Gesch. der altdeutschen Dichtkunst in Baiern, S. 80—82. Bursian, Die Quirinalia des Metellus von Tegernsee, in den Sitzungsberichten der historischen Classe der k. b. Akademie d. W. zu München 1873, S. 473—518; Ders., Geschichte der classischen Philologie I, 71—72.

  • Autor

    v. Oefele.
  • Empfohlene Zitierweise

    Oefele, Edmund Freiherr von, "Metellus von Tegernsee" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 508-509 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118581406.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA