Lebensdaten
1878 bis 1954
Geburtsort
Hofheim (Taunus)
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Apparatebauer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138327467 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Messer, Adolf
  • Messer, Adolph

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Zitierweise

Messer, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138327467.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Matthäus (1853–1921), Metzgermeister u. Viehhändler in H., S d. Franz Josef, Metzgermeister in H., u. d. Katharina Gottfried;
    M Margaretha (* 1852), T d. Josef Horst, Lehrer in H., u. d. Katharina Mauerer;
    1) Höchst 1902 Margarethe (* 1877), T d. Johann Anton Merten, Landwirt in Unterseelbach, u. d. Katharina Kronier, 2) 1922 Thea (* 1900), T d. Rudolf Bicker;
    1 S, 1 T, u. a. Hans (* 1925), Dr. rer. pol., Vors. d. Geschäftsführung d. Messer-Griesheim GmbH, Präs. d. IHK Frankfurt (s. L).

  • Leben

    M. verließ mit 14 Jahren die Schule, um als Lehrling in einer Gasmotorenfabrik in Höchst/Main seinen Weg zum Ingenieurberuf zu beginnen. Anschließend besuchte er das Technikum in Neustadt (Mecklenburg) und bezog dann die TH Darmstadt. Der junge Maschinenbaustudent beschäftigte sich mit der damals modernen Acetylenbeleuchtung, grübelte über die Verbesserung der Entwickler und Brenner dafür und entwarf schließlich eine Acetylenanlage für den väterlichen Betrieb und die angeschlossene Gastwirtschaft. Sie fand sehr bald das Interesse von Besuchern und brachte M. Aufträge für solche Anlagen ein. Daraufhin begann der 20jährige 1898 mit dem Aufbau eines kleinen Betriebes in Höchst. Schon im selben Jahr erhielt seine Beleuchtungsapparatur auf einer landwirtschaftlichen Ausstellung in Luxemburg die höchste Auszeichnung. Bis 1905 lieferte M. 2200 Anlagen zur Entwicklung von Acetylen und dessen Verwendung für Beleuchtungszwecke sowie zum Kochen, Heizen, Erwärmen und Löten. Er verlegte sein Unternehmen nach Frankfurt/Main und vergrößerte es hier mehrmals. Doch die Konkurrenz von Gas und Elektrizität bei der Beleuchtung war übermächtig, und M. erkannte bald, daß lediglich auf dem Gebiet des autogenen Schweißens und Schneidens für die Anwendung des Acetylens weitere Entwicklungsmöglichkeiten bestanden. 1906 stellte er die von ihm hierfür entwickelten Geräte vor und wurde schon wenige Monate später auf der Frankfurter Installations-Fachausstellung 1907 erneut ausgezeichnet.

    Damit hatte M. das Feld gefunden, auf dem er fortan mit ungewöhnlichem technischem wie kaufmännischem Geschick den Aufstieg seines Unternehmens verwirklichte. Sehr rasch fanden seine Acetylengeräte und -anlagen in ganz Europa Verbreitung. 1912 beschäftigte er 15 Angestellte und 50 Arbeiter. Er baute eine eigene Fabrik und gründete in Wien die erste Filiale. M. erweiterte sein Fabrikationsprogramm durch die Herstellung von Teilen für Luftzerlegungsapparate; er legte besonderen Wert auf Präzision und größtmögliche Einfachheit der von ihm gebauten Apparaturen. Mit der Gewinnung von Sauerstoff für die autogene Metallbearbeitung in eigenen Anlagen erzielte er weitere Erfolge. 1912 gelang ihm die Einführung seiner Geräte auf dem amerikan. Markt. Seine praktischen Vorführungen brachten ihm binnen weniger Wochen das Startkapital für die Gründung einer Verkaufsfiliale in Philadelphia ein. Weitere Filialen in Essen und Nürnberg sowie in London entstanden fast gleichzeitig. M. baute nun ganze Anlagen für die Erzeugung von Acetylen in großem Stil und trug mit seinen weiterentwickelten Geräten erheblich zur Ausbreitung der Gasschmelzschweißung bei. Im 1. Weltkrieg entwickelte er im Auftrag der Reichsregierung Anlagen zur Herstellung von flüssigem Sauerstoff, der auch als Sprengmittel Verwendung fand. Auch hierfür baute er vollständige Anlagen, von denen er bereits in den Kriegsjahren 50 im In- und Ausland absetzen konnte. Nach dem Krieg entwickelte er Luftzerlegungsanlagen, die sowohl Sauerstoff wie Stickstoff in höchstmöglichen Reinheitsgraden erzeugten. Die Autogentechnik wurde durch den Bau von Acetylen-Kompressoren wesentlich verbessert. M. lieferte damals zahlreiche Anlagen zur Gewinnung von gelöstem Acetylen. Er befaßte sich auch mit der Weiterentwicklung des Elektroschweißens und der Zerlegung von Koksofengas im großen.

    Im 2. Weltkrieg wurden die Fabrikanlagen in Frankfurt weitgehend zerstört. Nach Kriegsende trieb M. den Wiederaufbau mit großer Energie voran. 1946/47 konnte die Fertigung in allen Bereichen wiederaufgenommen werden. 1949 beschäftigte die Firma wieder über 1000 Mitarbeiter. Tochterunternehmen und Verkaufsorganisationen in Frankreich, Belgien und den USA entstanden im Zuge der Ausweitung des Exportgeschäfts. M. und sein Sohn Hans, der seit 1945 in der Firma tätig war und nach dem Tode des Vaters deren Gesamtleitung übernahm, gründeten die SIG-Gruppe mit mehreren Werken zur Herstellung von technischen Gasen. Die Adolf Messer GmbH gehörte bald wieder zu den in der Welt führenden Herstellern von Luft- und Gaszerlegungsanlagen sowie Schweißanlagen und Brennschneidmaschinen. Seit 1965 wird das Unternehmen nach der Fusion mit der Chemischen Fabrik Griesheim, einer Tochterfirma der Hoechst AG, als Messer-Griesheim GmbH fortgeführt. – M. war seit 1899 Mitglied und seit 1915 Vorstandsmitglied des Deutschen Azetylen-Vereins (DAV), Vorstandsmitglied des von ihm 1919 mitbegründeten Verbandes der Autogenen Metallbearbeitung und Gründungsmitglied (1925) des Fachausschusses Schweißtechnik im VDI|

  • Auszeichnungen

    Dr.-Ing. E. h. (TH Darmstadt 1949); Ehrensenator d. TH Berlin (1923) u. d. TH Karlsruhe (1952); Ehrenbürger d. TH Hannover (1953).

  • Literatur

    Messer & Co. GmbH, Frankfurt a. M., Apparatebau 1898-1938, 1938;
    K. Link, Erinnerungen an A.|M., 1954;
    F. Lerner (Hrsg.), Das tätige Frankfurt, 1955, S. 386 ff.;
    ders., Frankfurt am Main u. seine Wirtsch., 1958, S. 247 ff.;
    FS d. Fa. Adolf Messer GmbH, 1954;
    Adolf Messer GmbH, in: Archiv f. dt. Wirtsch. u. Kultur (Sonderdr.), o. J. (P). – Zu Hans: P. Lückemeier, Leben mit vier Terminkalendern, in: FAZ v. 9.10.1987;
    Wi. 1990.

  • Autor/in

    Franz Lerner
  • Empfohlene Zitierweise

    Lerner, Franz, "Messer, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 214-216 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138327467.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA