Lebensdaten
um 1430 bis um 1498
Geburtsort
Stierstadt (Taunus)
Beruf/Funktion
Orgelbauer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 128683880 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Marcae, Leonhard
  • Martius, Leonhard
  • Mirtz, Leonhard
  • mehr

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Zitierweise

Mertz, Leonhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128683880.html [19.08.2019].

CC0

  • Leben

    M. wurde zum ersten Mal erwähnt, als er 1459-61 in der Kathedrale von Barcelona eine für damalige Verhältnisse riesige Orgel mit offenem 32füßigem Pedal und insgesamt 1400 Pfeifen errichtete, zu deren Stimmung und Nachbesserung er 1463 dorthin zurückkehrte. Damals gehörte er bereits dem Minoritenkonvent in Frankfurt/Main an, dem er dann 1470-80 als Guardian vorstand. Seine Orgelbauwerkstatt, in der er stets mehrere Gesellen beschäftigte, befand sich außerhalb des Klosters in angemieteten Privaträumen der Oberstadt. M. war außerdem als Organist, Baumeister (Kreuzgang des Barfüßerklosters, 1478) und Metallgießer (Römerfassade, 1483) tätig. Auch in die martinianische Reform und den Streit seines Ordens zwischen Observanten und Konventualen hat er verschiedentlich, aber mehr vermittelnd, eingegriffen. Wegen seiner durch die Orgelbauten bedingten häufigen Abwesenheit kam es bisweilen zu Auseinandersetzungen mit seinem Frankfurter Konvent. Die in der Literatur mehrfach getroffene Feststellung, M. sei noch 1500 an der Orgel in Windsheim tätig gewesen, beruht auf irrtümlicher Gleichsetzung mit dem Rothenburger Maler Martin Schwarz (Meister Merten).

    M. war der bedeutendste Orgelbauer des deutschen Südens in der 2. Hälfte des 15. Jh. Die wesentlichen Bauteile der Instrumente fertigte er nicht an Ort und Stelle, sondern hauptsächlich in seiner Frankfurter Werkstatt. Die Grobarbeiten ließ er von seinen Gesellen ausführen, erst kurz vor dem Abschluß legte er selbst letzte Hand an. Als ausgesprochener Unternehmer scheint er auch einige Untermeister beschäftigt zu haben. Fast allen Orgeln M.s eignet ein Zug ins Überdimensionale. Wie schon das von ihm 1475 erweiterte Werk der Stadtkirche zu Aschaffenburg muß auch dasjenige im Frankfurter Dom (1475–79) aufgrund der hohen Kosten und langen Bauzeit zu den größten Orgeln M.s gehört haben. Das ungeheuere Gewicht des mit Prinzipal 32 Fuß im Prospekt ausgestatteten Instruments von St. Lorenz in Nürnberg (1478/79) verursachte Mauer- und Gewölberisse. Daß die meisten Orgeln M.s schon im frühen 16. Jh. ersetzt wurden, lag indessen nicht an schlechter Arbeit des allseits begehrten und sehr selbstbewußt auftretenden Meisters, sondern an der konservativen Bauweise, die u. a. der Entwicklung von der Kasten- zur Schleiflade noch nicht Rechnung trug. Dispositionen der Orgeln M.s sind nicht überliefert. Als Schüler ist Johann Meyer in Würzburg ( 1482) bekannt.

  • Werke

    Weitere Orgelbauten: Frankfurt/M., Liebfrauenkirche, Chororgel, vor 1475, Hauptorgel, 1477-79;
    Barfüßerkirche, 1482/83;
    Friedberg i. H., 1476;
    Nürnberg, St. Lorenz, Chororgel, 1479;
    Rothenburg o. d. T., St. Jakob, 1480/81;
    Heilsbronn, 1480-82;
    Würzburg, St. Marien, 1482;
    Worms, Dom, 1482/83;
    Mainz, St. Alban, 1488/89;
    Koblenz, St. Kastor, 1489;
    Friedberg (Erweiterung), 1494.

  • Literatur

    H. Anglès, Orgelmusik d. Schola Hispanica v. XV. bis XVII. Jh., in: FS P. Wagner z. 60. Geb.tag, 1926, S. 11-26;
    W. K. Zülch, Frankfurter Künstler 1223-1700, 1935, S. 210 f.;
    J. G. Mehl, Die Gesch. d. Orgeln zu St. Lorenz, in: Lorenzer Orgelbüchlein, 1937, S. 26-37;
    F. Baldelló, Órganos y organeros en Barcelona, in: Anuario Musical 1, 1946, S. 195-237;
    Th. Peine, Der Orgelbau in Frankfurt a. M. u. Umgebung, 1956, S. 27-41, 220;
    G. Pietzsch, Zur Gesch. d. Musik in Worms, in: Der Wormsgau 3, 1956, S. 249-82;
    ders., in: Die Musikforschung 12, 1959, S. 417;
    F. Bösken, Btrr. z. Orgelgesch. d. Mittelrheins bis z. Beginn d. 16. Jh., in: Kirchenmusikal. Jb. 45, 1961, S. 82-101;
    F. Krautwurst, Die erste Orgel d. St. Jakobskirche in Rothenburg o. d. Tauber, in: Jb. f. fränk. Landesforschung 23, 1963, S. 155-70 (W, L);
    H. Fischer, Der mainfränk. Orgelbau bis z. Säkularisation, in: Acta Organologica 2, 1968, S. 101-204;
    ders., Orgelgesch. d. Stadtkirche zu Aschaffenburg, in: Aschaffenburger Jb. 10, 1986, S. 105-206;
    H. Harrassowitz, Gesch. d. Kirchenmusik an St. Lorenz in Nürnberg, 21987, S. 8-14;
    L. Schnurrer, in: Die Linde 71, 1989, S. 63 f., 70-72;
    Riemann.

  • Autor/in

    Franz Krautwurst
  • Empfohlene Zitierweise

    Krautwurst, Franz, "Mertz, Leonhard" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 189 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128683880.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA