Lebensdaten
1620 bis 1700
Sterbeort
Windsheim
Beruf/Funktion
Weltreisender ; Forschungsreisender in Ostindien
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 124881335 | OGND | VIAF: 209432809
Namensvarianten
  • Mercklein, Johann Jakob (nicht!)
  • Merklein, Johann Jakob
  • Mercklein, Johann Jakob (nicht!)
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Zitierweise

Merklein, Johann Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124881335.html [12.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Hans (1586–1635), Barbier in W., S d. Georg (1550–1614) aus Flachslanden, Bader in Gunzenhausen, seit 1578 in W., u. d. Margarete N. N. ( 1626);
    M Ursula (1594–1630), T d. Hans Müller (1548–1616) aus Obernzenn, seit 1573 Schmied in W., u. d. Margarete Weikert (1552–1625) aus Flachslanden;
    B Georg Abraham (1613–83), Dr. med., Arzt in Nürnberg, Hans Kaspar (1617–97), Kaufm. u. Ratsherr in W.;
    1) Windsheim 1654 Margarete Barbara (1635–70), T d. Ratsherrn Kilian Eisen in W. u. d. Margarete Barbara Zedel, 2) ebd. 1670 Apollonia, T d. Bgm. Christoph Ramminger in W.;
    7 K aus 1), 7 K aus 2), u. a. Johann Leonhard (1671–1734), Ratsherr u. Bgm. in W.; N (S d. Hans Kaspar) Franz Jacob (1670–1742), Eisenhändler, Bgm. u. Oberrichter in W.; Verwandter Albert Daniel Mercklein (s. 2).

  • Leben

    M. ergriff den Beruf seines Vaters. Auf der Wanderschaft gelangte er in die Niederlande, wo er 1644 in den Dienst der Niederländ.-Ostind. Kompanie trat. Er heuerte auf drei Jahre als Unterbarbier auf der „Salm“ an, die nach sieben Monaten in Batavia (Djakarta) ankam. 1648 verlängerte er seinen Vertrag, nunmehr als Oberbarbier. M. diente als Schiffsarzt und Chirurg und fertigte Aufzeichnungen an, die viele Angaben über den Handel enthalten, den die Holländer in Ostasien trieben. Nicht nur Spezereien und Gewürze, auch Salpeter, Zucker, Baumwolle, Opium und anderes wurden aufgenommen, kurz alles, was sich kaufen und verkaufen ließ. Die Holländer stierten dabei wiederholt auf die Konkurrenz der Engländer. M. schildert die rücksichtslosen Geschäftsmethoden der Gesellschaft, ohne sie ausdrücklich moralisch anzuprangern, aber gerade daher umso glaubhafter. Der Verkehr zwischen den Inseln, nach Sumatra, Amboina und zu den gegenüberliegenden Küsten besorgten alte, oft reparaturbedürftige, zudem überladene Schiffe, so daß es häufig zu Unfällen und Schiffsverlusten kam. M. blieb 1646-48 in Batavia, dann drängte es ihn, weitere Länder kennenzulernen. 1648 fuhr er nach Malakka, dann nach Bengalen und zur Gangesmündung, 1649 nach Ceylon und in den Persischen Golf, dann erneut nach Ceylon und Bengalen. 1650 kam er wieder zum Persischen Golf, an die Malabarküste und nach Goa, zu den Nikobaren und schließlich nach Siam. 1651 nahm er an einer Fahrt über Siam und Taiwan nach Japan (Nagasaki) teil, wo sich der Handel unter strenger Aufsicht und Bewachung abspielte. 1652 reiste er zur Koromandelküste und nach Bengalen. Da inzwischen der Dreißigjährige Krieg in Deutschland beendet war, wollte M. in die Heimat zurückkehren. Der Krieg zwischen England und Holland machte jedoch einen längeren Aufenthalt am Kap der guten Hoffnung und dann noch einen Umweg über Kopenhagen erforderlich, ehe er im November 1653 endlich Amsterdam erreichte. In neun Jahren hatte M. nach eigenen Angaben 17 887 holländ. Seemeilen (99 500 km) zurückgelegt und 14mal den Äquator überquert.

    Bei diesen Reisen fehlte es nicht an Abenteuern durch Stürme, Unfälle, Brände, Krankheiten. Es gab auch militärische Aktionen, Angriffe gegen die Spanier in Manila, „Strafexpeditionen“ in das Hinterland der Küsten. M. interessierte sich für fremde Völker, für ihre Gebräuche und ihre Religionen, die ein wackerer Christenmensch allerdings verabscheuen mußte. Er berichtet über die Fruchtbarkeit der Länder, über Pflanzen und Tiere.

    Nach der Heimkehr erwarb M. 1654 das Bürgerrecht der Reichsstadt Windsheim; er wurde Stadtfähnrich, in den äußeren Rat gewählt, 1698 Umgelder. M. wird als „bescheidener, sittsamer Mann“ geschildert, und der Nürnberger Professor, der seinen Reisebericht drucken ließ und in zweiter Auflage durch M.s mündliche Aussagen ergänzte, versicherte dessen Glaubwürdigkeit und Authentizität. M. war weder Forschungsreisender noch Wissenschaftler, sondern ein ehrlicher Erzähler eigener Erlebnisse und Beobachtungen. Mit seinen Schilderungen brachte er Kenntnisse über das Leben und die Gebräuche ferner Völker nach Europa, die in den häufig auf navigatorische Angaben konzentrierten Berichten anderer Reisender ebenso fehlten wie in den Berichten der Faktoreien der Handelsgesellschaften.

  • Werke

    Ostindian. Reise, hrsg. v. Ch. A. Wunsch als Beigabe zu F. Carons u. J. Schouten, Wahrhaftige Beschreibung zweyer mächtigen Königreiche, Japan u. Siam, 1663, Neuaufl. mit Zusätzen u. d. T. Wahrhaftige Beschreibung dreyer mächtigen Königreiche, Japan, Siam u. Corea, 1672, u. d. T. Reise nach Java, Vorder- u. Hinter-Indien, China u. Japan, 1930, u. d. T. Reise nach Ostasien 1644–53, 1985.

  • Literatur

    ADB 21;
    E. Mende, in: Frankenland, Jan. 1985, S. 18-23;
    G. Wunder, J. J. M., e. fränk. Weltreisender, in: ders., Lebensläufe – Bauer, Bürger, Edelmann, Bd. 2, 1988, S. 311-13.

  • Autor/in

    Gerd Wunder
  • Empfohlene Zitierweise

    Wunder, Gerd, "Merklein, Johann Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 162 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124881335.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Merklein: Johann Jakob M. (nicht Mercklein wie Jöcher und Beckmann schreiben), aus der fränkischen Reichsstadt Windsheim, nach Will's Vermuthung Sohn des 1684 verstorbenen Arztes Joh. Jak. M., trat 1644 auf dem niederländischen Schiffe „Salm“ als Wundarzt eine Reise nach Indien an, wo er im Dienste der ostindischen Compagnie bis 1653 verweilte. M. machte die Reise nach Batavia über die Azoren und Abrolhos, lernte während seines Aufenthaltes, besonders nachdem er 1648 zum „Oberbarbierer“ ernannt worden und weiterhin nur auf Schiffen Dienste that, Theile von Sumatra, Engano, Malakka, einige der Niederlassungen in Vorderindien, Ceylon und Persien und auf der Rückreise die Tafelbai kennen. Seine Beobachtungen sind weder zahlreich noch mit besonderem Scharfsinn angestellt. Die Aufzeichnung derselben scheint er erst auf des gelehrten Nürnberger Professors Christoph Arnold Wunsch für den Druck vorbereitet zu haben. Dieselben erschienen 1663 zu Nürnberg als Anhang zu Caron's und Schouten's „Wahrhaftige Beschreibungen zweyer mächtigen Königreiche Japan und Siam,“ in neuer Ausgabe 1672, und scheinen nie als Sonderausgabe gedruckt worden zu sein. Die viel gelesene „Neunjährige Ostindianische Reise“ des Leipzigers Von der Behr (1668) ist zu einem guten Theil aus Merklein's Schilderung abgeschrieben. Letztere enthält auch Stellen aus den Reisetagebüchern zweier anderen Nürnberger Indienfahrer, Kratzer und Wehr.

    • Literatur

      Merklein's Reisebeschreibung. Will, Nürnberger Gelehrten-Lexikon. 3. Bd. Beckmann, Litteratur d. älteren Reisebeschreibungen. I. 2. Stück.

  • Autor/in

    F. Ratzel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ratzel, Friedrich, "Merklein, Johann Jakob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 445 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124881335.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA