Lebensdaten
1798 bis 1879
Geburtsort
Ravensburg
Sterbeort
Esslingen
Beruf/Funktion
Textilfabrikant
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 137097395 | OGND | VIAF: 81335419
Namensvarianten
  • Merkel, Johannes

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Merkel, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137097395.html [25.01.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Christoph Clemens (1762–99), Kaufm. in R., S d. Kaufm. Johann Ludwig (1721–85) in R. u. d. Anna Magdalena Kutter (1731–94);
    M Regina Barbara (1765–1825), T d. Pfarrers Johannes Merk (1731–92) u. d. Maria Ursula Spieler (1731–1809);
    Stief-V (seit 1800) Christian Friedrich Schöllkopf (1777–1841), Kaufm. in R.;
    Vt Ludwig Kienlin (1804–81), Kaufm.;
    - Stuttgart 1834 Louise|(1813-81), T d. Friedrich Schott, Obertribunalrat in Stuttgart, u. d. Charlotte Haug;
    Gvm d. Ehefrau Friedrich Haug (1761–1829), Epigrammatiker (s. NDB VIII);
    2 S, 5 T (1 früh †), u. a. Oskar (1836–1912), Textilfabr., Nachf. in d. väterl. Fa.;
    E Eugen (1862–1929), Textilfabr., seit 1891 Teilhaber, seit 1912 Nachf. in d. Fa.

  • Leben

    M. stammte aus einer alten Ravensburger Kaufmannsfamilie. Nachdem er einjährig seinen Vater verloren hatte, waren sein Stiefvater Schöllkopf und dessen Bruder in Esslingen bestimmend für seine Ausbildung. Die Elementar- und die Realschule besuchte er abwechselnd in Esslingen und Ravensburg. Danach erlernte er seit 1811 den Beruf des Kaufmanns, zunächst im kleinen Detailgeschäft seines Onkels Schöllkopf in Esslingen, dann in der Türkischgarnfärberei und Zichorienfabrik von Mylius & Co. und bei Samuel G. Liesching, beide in Stuttgart. Bei letzterem war er vier Jahre lang als Commis tätig. 1817 kehrte er nach Ravensburg zurück und arbeitete wegen Stellenmangels 12 Jahre lang im Ladengeschäft seines Stiefvaters.

    1830 gründete M. zusammen mit dem Tuchmacher Conrad Wolf und Ludwig Kienlin, Kaufmann und bis 1844 stiller Teilhaber, unter dem Namen Merkel & Wolf in Esslingen eine Weberei und Spinnerei. Produziert wurden in gemieteten Räumen anfangs Tuche, Decken, Wollstoffe und Strickgarn. M. war der Gestalter des Unternehmens. Als in der Gründerphase die Eigenkapitalbasis nicht ausreichte, um das Geschäft in Gang zu bringen, gelang es ihm, langfristige Kredite von seiner Verwandtschaft und von Geschäftsfreunden zu bekommen; eine Industriefinanzierung durch Banken gab es damals in Württemberg noch nicht. Als sich mit dem Eintritt Württembergs in den Deutschen Zollverein das junge Unternehmen der übermächtigen sächs. und preuß. Konkurrenz ausgesetzt sah, änderte M. seine Unternehmensstrategie. Er gab die unrentabel arbeitende Weberei auf und konzentrierte sich ganz auf die Herstellung und den Verkauf von Strick- und Kammgarn. Mit diesem Produkt, das unter dem Namen „Esslinger Wolle“ bekannt wurde, begründete er den Aufstieg des Unternehmens. Seit 1840 rationalisierte M. das Absatz- und Vertriebssystem durch das Zwischenschalten von Gebietsvertretern und Großhändlern. Damit konnte er Reise- und Personalkosten sparen und größere Aufträge hereinholen. M. handelte stets nach dem unternehmerischen Grundsatz, Gewinne zu reinvestieren, sei es zur Erweiterung von Gebäuden, sei es zum Einsatz neuester Technologien, die er aus England und dem Elsaß bezog. 1842 nahm er eine Dampfmaschine, die zweite in Württemberg, in Betrieb. 1856 führte er eine Gasbeleuchtung in der Fabrik ein. 1851 ging er mit der sächs. Spinnerei J. G. Schmidt jr. Söhne in Altenburg eine Interessengemeinschaft ein, die einen eigenen Agenten in Wien mit dem Einkauf von Balkanwolle beauftragte und seit 1857 Preisabsprachen für den Garnverkauf traf.

    1869 zog sich M. aus der Firma zurück und übertrug die Leitung, die er seit dem Ausscheiden von Conrad Wolf 1850 mit Ludwig Kienlin geteilt hatte, auf seinen Sohn Oskar. Unter den Nachkommen von M. und Kienlin erlangte das seit 1890 als „Kammgarnspinnerei Merkel & Kienlin“ firmierende Unternehmen eine führende Stellung unter den deutschen Kammgarnspinnereien. 1973 wurde das Familienunternehmen in der vierten Generation liquidiert.|

  • Auszeichnungen

    Ritterkreuz d. württ. Friedrichs-Ordens (1856).

  • Literatur

    Gewerbebl. aus Württemberg, Nr. 29, 31. Jg., 1879;
    Ein Jh. Arbeit u. Erfolg, Zum 100j. Jubiläum d. Fa. Merkel & Kienlin GmbH Esslingen 1830-1930, 1930 (P);
    G. v. Klass, Die Wollspindel, Ein schwäb. Fam.porträt, 1955 (P).

  • Autor/in

    Anneliese Hermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hermann, Anneliese, "Merkel, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 152 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137097395.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA