Lebensdaten
1795 bis 1883
Geburtsort
Basel
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Geologe ; Naturforscher ; Paläontologe
Konfession
reformierte Familie
Normdaten
GND: 116892048 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Merian, Peter

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Zitierweise

Merian, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116892048.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Rudolf (1766–1800), Handelsmann, S d. Johann Rudolf M.-Sarasin (1733–1820), Fabrikant, Handelsmann, Zunftmeister;
    M Elisabeth, T d. Abel Socin (1729–1808), Prof. d. Med. u. Physik in Hanau;
    Stief-V (seit 1806) Johann Jacob Fürstenberger, Kaufm. in B.;
    Urur-Gvv Samuel M.-Sarasin (1685–1760), Oberstzunftmeister u. Bgm. in B.;
    Om Bernhard Socin-Heusler (1777–1854), Ratsherr in B.;
    B Johann Rudolf (1797–1871), Prof. d. Math. u. Physik in B. (s. Pogg. II);
    - 1821 Cécile (1798–1880), T d. Johann Lucas Thurneysen-Faesch; 1, S, 3 T, u. a. Rudolf (1823–72), Ing., Stadtrat seit 1866, Emilie (* 1822, ⚭ Karl Georg Von der Mühll, Handelsmann), Elisabeth (* 1825, ⚭ Emil Thurneysen, Bandfabrikant), Cécile (1835–1916, Dr. Karl Rudolf Stehlin, Notar, Präs. d. Basler Bankvereins, Präs. d. Ständerats);
    E Karl Von der Mühll-His (1841–1912), Prof. d. math. Physik in Leipzig u. Basel (s. HBLS), Karl Stehlin (1859–1934), Jurist u. Historiker, Priv.-Doz. an d. Univ. Basel, Hans Georg Stehlin (1870–1941), Säugetierpaläontologe, Präs. d. Naturhist. Mus. in B.

  • Leben

    Nach erstem Unterricht im Pfarrhaus von Muttenz besuchte M. seit 1811 das Institut des Naturforschers Christoph Bernoulli. Anschließend studierte er am Pädagogium und an der Univ. Basel, an der Akademie in Genf sowie 1815-17 in Göttingen, wo ihn Friedrich Ludwig Hausmann in die Geognosie einführte. Dort begann seine Freundschaft mit Bernhard Studer (1794–1887). Nach seiner Promotion und einem Aufenthalt in Paris kehrte M. nach Basel zurück, wo er 1820, nach der Neuorganisation der Universität, zum Professor für Physik und Chemie ernannt wurde.

    Wegen einer Erkrankung der Atemwege mußte er 1828 seine Vorlesungstätigkeit einstellen als Stellvertreter und seit 1835 als Nachfolger konnte er für die Chemie Christian Friedrich Schönbein gewinnen. 1835-61 war M. Honorarprofessor für Geologie und Petrefaktenkunde; dreimal amtierte er als Rektor der Universität. 1837 wurde M. in die Kuratel aufgenommen, deren Präsidentschaft er 1847-65 innehatte. Er gehörte 1824-73 dem Großen Rat. 1833-66 dem Kleinen Rat des Kantons Basel an, zeitweise als Stellvertreter des Bürgermeistertums und als Gesandter bei der eidgenössischen Tagsatzung. Seit 1821 wirkte M. am Naturhistorischen Museum, außerdem zeitweilig als Präsident der Museumskommission, in der er sich um die Erneuerung des Basler Museumswesens verdient machte, insbesondere beim Bau des Museums an der Augustinergasse. Bei der Teilung des Kantons Basel (1833) trat er entschieden für die Erhaltung der Kultur- und Universitätsgüter ein. Er war 1817 Mitbegründer, später langjähriger Präsident der Naturforschenden Gesellschaft Basel, 1838 und 1856 Präsident der Schweizer. Naturforschenden Gesellschaft, bei der er seit 1827 der meteorologischen und seit 1860 der geologischen Kommission angehörte.

    M. bestimmte die Gliederung des dem Schwarzwaldmassiv aufgelagerten Flözgebirges (1821) und erkannte dessen Trias-Juraalter; er unterschied auch die tertiären Meeres- und Süßwasserablagerungen im Oberrheingraben und auf der Tafeljurafläche. Zu einer tektonischen Erklärung der repetierten Schichtglieder am Nordrand des Kettenjura gelangte er erst 1829. Weitere Arbeiten galten dem Südschwarzwald (1831), der Quartärgeologie und der Morphologie, sowie dem Vergleich von germanischer und alpiner Trias. Für die Erbohrung der Steinsalzlager der Nordschweiz waren seine Untersuchungen wegweisend. Bedeutend waren ferner seine Beiträge zur Meteorologie.

  • Werke

    u. a. Übersicht d. Beschaffenheit d. Gebirgsbildungen in d. Umgebungen v. Basel, mit bes. Hinsicht auf d. Juragebirge im Allgemeinen, 1821;
    Btrr. z. Geognoisie I, 1829;
    Geognost. Durchschnitt durch d. Juragebirge v. Basel bis Kestenholz bey Aarwangen mit Bemerkungen üb. d. Schichtenbau d. Jura im Allgemeinen, 1829;
    Geognost. Übersicht d. südl. Schwarzwaldes, 1831.

  • Literatur

    ADB 21;
    L. Rütimeyer, Ratsherr P. M., in: Programm z. Rectoratsfeier d. Univ. Basel, 1883;
    A. Müller, Ratsherr P. M., in: Verhh. d. Schweizer. Naturforschenden Ges. 66, 1883, S. 108-33;
    H. Christ, Ratsherr P. M., in: Basler. Jb. 1892;
    E. His, Basler Staatsmänner d. 19. Jh., 1930, S. 109 ff.;
    A. Buxtorf, Die Anfänge d. geolog. Erforschung d. nordschweizer. Juragebirges (Rektoratsrede), 1940;
    E. Bonjour, Briefe v. Johann Rudolf M. an P. M., in: Die Schweiz u. Europa II, 1961, S. 389 ff.;
    ders., Die Univ. Basel, 21971, S. 394 ff., 413 ff., 728 ff.;
    Schweizer Lex.

  • Portraits

    Marmorbüste v. F. Schlöth im Vorsaal d. Aula, Porträt v. J. F. Dietler (1851) in d. Aula d. Naturhist. Mus. Basel.

  • Autor/in

    Pierre A. Soder
  • Empfohlene Zitierweise

    Soder, Pierre A., "Merian, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 139 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116892048.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Merian: Peter M., Alt-Rathsherr und Professor, berühmter Naturforscher besonders auf dem Gebiete der Geologie und Paläontologie, wurde am 20. December 1795 zu Basel geboren und starb daselbst am 8. Februar 1883. M. entstammt einer alten, hochangesehenen Baseler Familie und erhielt seine erste Bildung theils in seiner Vaterstadt, theils vom 8.—12. Lebensjahre im Pfarrhause zu Muttenz, wo er von dem Pfarrer Christian Bernouilli, einem geachteten Physiker, die erste Anregung zu naturwissenschaftlichen Studien und durch die Nähe des versteinerungsreichen Wartenberges eine Aneiferung zum Sammeln von Naturalien, insbesondere von Petrefacten, tief eingeimpft erhielt. M. ging später zu seiner weiteren Ausbildung nach Genf, dann nach Göttingen, wo damals Gauß lehrte, um sich dem Studium der Physik und Chemie zu widmen. Hier erwarb er sich den Grad eines Magisters. Nach einem längeren Aufenthalt in Paris erhielt M., in seine Vaterstadt zurückgekehrt, 1820 die Professur der Chemie und Physik an der Universität daselbst und widmete sich neben jenen Lehrfächern zugleich auch mit allem Eifer dem Studium der Geologie, wozu ihm die interessante Umgebung von Basel reichlich Stoff bot. Auch in die städtischen Angelegenheiten griff er mit kräftiger Hand ein, als ihn das Vertrauen seiner Mitbürger in den Ruth der Stadt berufen hatte. Besonders fand M. in den Wirren der 30er Jahre, als durch die Ablösung von Basellandschaft und durch die Theilung des Staatsvermögens dem Bestand der Universität Gefahr drohte, Gelegenheit, sich für die Erhaltung der Hochschule die größten Verdienste zu erwerben, wie er denn überhaupt für die Hebung der Universität durch Gründung einer Sternwarte und großartiger naturwissenschaftlicher Sammlungen unermüdlich thätig war. Später gab er die Professur der Chemie und Physik an Schönbein ab, um sich ganz dem Lehrfach der Geologie und paläontologischen Studien widmen zu können. Durch zahlreiche Reisen oft in Gesellschaft der ihm nahe befreundeten berühmten Geologen Escher von der Linth und Berhard Studer verschaffte er sich reiche Erfahrungen in geologischen Verhältnissen und so eingehende Kenntnisse über Versteinerungen, daß er in paläontologischen Fragen das Ansehen einer ersten Autorität dieses Faches in der Schweiz erwarb. Trotzdem veröffentlichte M. nur Weniges, fand vielmehr die meiste Befriedigung in der Vergrößerung und genauen Ordnung der ihm anvertrauten paläontologischgeologischen Sammlung, in der er bis zu seinem Lebensende rastlos arbeitete. Seine erste größere und wichtigste Publication: „Beschaffenheit der Gebirgsbildung in der Umgebung von Basel“ mit Karte stammt schon aus dem Jahre 1821. In derselben zeigte er zuerst, daß der norddeutsche Muschelkalk fast ohne Unterbrechung sich bis in die rheinischen Gebirge fortsetze und hier mit Steinsalz verbunden als grauer Kalk von Friedrichshall, den man bisher fälschlich für Zechstein gehalten hatte, entwickelt sei und daß der unter ihm lagernde rothe Sandstein im Schwarzwalde dem bunten Sandstein gleichgestellt werden müsse. Dieser wichtige Nachweis, der bald allgemein als richtig anerkannt wurde und die im Jahre 1832 publicirte Schrift: „Geognostische Uebersicht des südlichen Schwarzwaldes“ hatten für Südwestdeutschland die Bedeutung, daß hier eine ganz neue Aufeinanderfolge der Schichtenbildungen festgestellt werden konnte. Von kleineren Publicationen sind zu nennen: „Ueber die Wärme der Erde in Basel", 1823; „Ueber die Theorie der Gletscher“, 1844; „Geologische Verhältnisse des Rheinthals“, 1856; paläontologische Beiträge in Escher's von der Linth wichtiger Schrift: „Geologische Bemerkungen über das nördliche Vorarlberg“ u. s. w., 1853; „Ueber die Stellung des Terrain à chailles“ (N. Jahrb. f. M. G. u. P., 1864, S. 520), in welchem Aufsatze M. den Nachweis lieferte, daß die genannte kieselreiche Jurabildung zwischen die tiefste Jurakalkstufe (Birmensdorfer Sch.) und die höheren sog. Badener Schichten eingeschoben nur eine Faciesbildung der Schwammkalke ausmache. Eine seiner letzten Publicationen war die kleine Schrift: „Ueber die Grenze zwischen Jura und Kreide“, worin M. unter Hindeutung auf den Uebergang, der sich in den Grenzschichten zwischen fast allen geologischen Formationen bemerkbar macht, nachzuweisen sucht, daß die Entwicklung auf der Erde als eine ganz allmählich fortschreitende angenommen werden müsse und daß auch in der organischen Natur der verschiedenen geologischen Zeitabschnitte sich eine gleichfalls bloß allmähliche Umänderung vollzogen habe.

    • Literatur

      Zur Erinnerung an Herrn Prof. Peter Merian, Basel 1884.

  • Autor/in

    v. Gümbel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Gümbel, Wilhelm von, "Merian, Peter" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 430-431 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116892048.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA