Lebensdaten
1768 bis 1825
Geburtsort
Zámrsk (Böhmen)
Sterbeort
Mailand
Beruf/Funktion
österreichischer Feldherr und Staatsmann ; Feldmarschalleutnant
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 122032330 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bubna von Littitz, Ferdinand Graf
  • Bubna von Lititz, Ferdinand Graf
  • Bubna von Littitz, Ferdinand Graf
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Zitierweise

Bubna von Lititz, Ferdinand Graf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122032330.html [17.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus böhmischen Geschlecht des Ritterstandes (ursprünglich Warlich von Bubna), das 1629 in den Herren- und 1644 in den Grafenstand erhoben wurde;
    V Innozenz, kaiserlich königlicher Kämmerer, S des Johann Wenzel und der Maria Carolina Anna Freiin von Beck;
    M Josepha geborene Gräfin von Bubna (aus einer anderen Linie);
    Wien 1813 Wilhelmine Freiin von Arenfeld (1790–1840, in 2. Ehe verheiratet mit Gustav Fürst von Batthyány-Strattmann, 1803–83), T des aus Fürth bei Nürnberg stammenden Wiener Großkaufmanns Ferdinand Ritter (seit 1787), Freiherr von Arenfeld (seit 1797) und der Maria Anna Elisabeth Christiana Walburga Jos. von Germain.

  • Leben

    Bubna von Lititz bewies bald nach seinem Eintritt ins österreichische Heer 1784 solchen militärischen Scharfblick, Kühnheit und Geistesgegenwart, besonders in den Türkenfeldzügen 1788 wie in den süddeutschen Feldzügen 1796, 1799 bis 1800, daß er bereits 1800 zum Oberst ernannt wurde. März 1805 Vorsteher des Militärdepartments im Hofkriegsrat, im anschließenden Feldzug Generalstabschef der 2. russischen Armee, erhielt er nach 1806 das Kommando der böhmischen Kavalleriebrigade und Remontierungsanstalten (1807); 1813 kämpfte er bei Leipzig unter L. A. G. von Bennigsen mit solchem Geschick und Erfolg, daß ihm sofort das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens verliehen und ihm im Dezember das Kommando der 1. leichten Division übertragen wurde, die die überraschende und schonende Besetzung der Schweiz durchzuführen hatte. Als Oberbefehlshaber der österreichischen Truppen in der Lombardei seit 1814 führte er nicht nur deren Vorstoß nach Südfrankreich 1815, sondern schlug auch 1821 die bis zur Abdankung König Ferdinands gestiegenen Unruhen in Piemont mit solcher Schnelligkeit nieder, daß größeres Blutvergießen verhütet wurde. Solche kriegerischen Leistungen, die schließlich mit der Erhebung zum Feldmarschalleutnant und mit Güterdotationen in Böhmen und Piemont gelohnt wurden, waren freilich nur der eine und kleinere Teil der Rolle, die dieser schon durch seine vollkommene äußere Erscheinung hervorragende Offizier in der Napoleonzeit spielte.

    Der „schlaue Böhme“ verkörperte vorbildlich den großen, konservativen und dabei doch wendig-aufgeschlossenen Militärdiplomaten, wie er in der Armee Österreichs seit Prinz Eugens Zeiten ein Typ geworden war und selbst einem Napoleon Hochschätzung und Vertrauen einflößte; Bubna von Lititz war neben Metternich der beste Diplomat Österreichs, wenn nicht Deutschlands, in seiner Zeit. Hatte er schon 1800-03 als Generaladjutant des Erzherzogs Carl wesentlich zur Milderung der Schwierigkeiten bei der von diesem durchgeführten Heeresreform beigetragen und die Versöhnungspolitik des österreichischen Berliner Gesandten Graf Stadion bei den Potsdamer Manövern 1802 durch Wiederaufnahme der lange unterbrochenen Verbindungen mit Preußen unterstützt, so übertrug man ihm nun auch Ende 1808 die sehr heiklen Besprechungen mit dem von Stein beauftragten Gouverneur Preußisch-Schlesiens, Graf Goetzen, über eine militärische Beteiligung Preußens am Kriege 1809. In dessen Verlauf gewann er sich als Generaladjutant des Kaisers durch seine meisterhafte Vermittlung zwischen dessen und Stadions Wünschen mit den ganz verschiedenen Ansichten des Erzherzog-Generalissimus des Herrschers Vertrauen in solchem Maße, daß dieser ihn im Juli 1809 mit Fürst Liechtenstein zusammen zur Eröffnung von Friedensunterhandlungen zu Napoleon sandte. Bubna von Lititz führte diese bis Anfang Oktober 1809, ohne der Würde Österreichs und einer etwaigen Wiederaufnahme der Feindseligkeiten vorzugreifen, und verstand es hierbei meisterhaft, Napoleons diplomatische Erpressungsversuche zu vereiteln. Man sandte ihn deshalb auch im Sommer 1813 wieder als Unterhändler zu Napoleon, als Österreich Zeit für Rüstungen und für eine Entscheidung über eine Teilnahme am Kampfe Rußlands und Preußens gewinnen wollte. Persönlich hochgebildet und tolerant, gehörte Bubna von Lititz im Herzen zu jenen österreichischen Nationalkonservativen, die durch gemäßigte Reformen das Volk gewinnen wollten, um der Gefahr napoleonischer Revolutionen wirksam zu begegnen. Wenn er ebendeshalb zwischen dem liberalen Erzherzog Carl und dem konservativen Stadion, zwischen dem alten Österreich und dem neuen französischen Herrscher vermitteln konnte, so bedingte das freilich auch seine Skepsis gegenüber der Politik der Zeit nach 1815, die seine letzten Jahre vor seinem Tode mit immer größerer Sorge erfüllte.

  • Literatur

    ADB III;
    H. Rößler, Österr.s Kampf um Dtld.s Befreiung, 1940;
    Wurzbach.

  • Portraits

    Lithogr. u. Radierung (Graph. Slg. München); mehrere Stiche (Bibl. Nat. Paris).

  • Autor/in

    Hellmuth Rößler
  • Empfohlene Zitierweise

    Rößler, Hellmuth, "Bubna von Lititz, Ferdinand Graf" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 695 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122032330.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bubna: Ferdinand Graf B. v. Littitz, österreichischer Feldmarschalllieutenant, geb. zu Jamersk in Böhmen 26. Nov. 1768, 5. Juni 1825. Als Staatsmann und Krieger gleich thatenreich, begann er seine Laufbahn in dem Türkenkriege von 1788. Hierauf machte er die französischen Kriege von 1792—1815 mit, während welchen Zeitraumes er alle Grade vom Oberlieutenant bis zum Feldmarschalllieutenant (1809) durchlief. In den meisten Berichten seiner Vorgesetzten wird sein Name mit Auszeichnung genannt. 1805 ward er Vorsteher und Referent des Militär-Departements und von 1812—13 österreichischer Vertreter in Paris an Schwarzenberg's Stelle. Im August 1813 trat er wieder an die Spitze seiner Division; von der böhmischen Grenze vordringend, erhielt er den Befehl, sich am Tage der Leipziger Schlacht dem äußersten rechten Flügel der Verbündeten unter Benningsen anzuschließen und löste diese für den Erfolg wichtige Aufgabe mit größter Bravour. In Frankreich commandirte er darauf die sogen. "erste leichte Division", welche über Genf unter beständigen Kämpfen vordrang. Nach dem Pariser Frieden ward er Generalgouverneur in Piemont, Savoyen und Nizza, wo die österreichischen Truppen bleiben sollten, bis der nach 16 Jahren zurückgekehrte König von Sardinien seine Armee organisirt hatte. Bei Wiederausbruch des Krieges 1815 erhielt B. das Commando des 2. Corps der italienischen Armee, mit dem er am 12. Juli vor Lyon stand. Nach dem Kriege erhielt er (seit 1818) das militärische Commando in der Lombardei, von wo aus er 1821 beim Ausbruch der piemontesischen Revolution, ohne Befehl zu erwarten, dort einrückte und in fünf Tagen die Empörung dämpfte. Hormayr charakterisirt ihn mit den Worten: "In der Jugend ein Achill an Gestalt, Muth und Kraft, im blutigen Waffenspiele des Revolutionskrieges versucht, keinem großen Tage desselben fremd und ein rechter Vordermann im Kriege." — Außer vielen Auszeichnungen erhielt er zwei Schenkungen, eine in Böhmen und eine in Sardinien.

    • Literatur

      Wurzbach, Biogr. Lex.

  • Autor/in

    v. Janko.
  • Empfohlene Zitierweise

    Janko, Wilhelm Edler von, "Bubna von Lititz, Ferdinand Graf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 461 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122032330.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA