Lebensdaten
um 1440 bis 1509
Sterbeort
Rom
Beruf/Funktion
Bischof von Brixen ; Kardinal
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 129044342 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meckau, Melchior von
  • Melchior von Meggau
  • Meggau, Melchior von
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Zitierweise

Melchior von Meckau, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd129044342.html [27.07.2016].

CC0

Melchior von Meckau (Meggau)

Bischof von Brixen (seit 1488), Kardinal (seit 1503), * um 1440, 22.3.1509 Rom.

  • Genealogie

    Das alte, urspr. meißn. Adelsgeschl. kam später nach Österreich u. in d. Steiermark. Um 1470 ist Johann als Abt v. Altenzella nachweisbar; mit Dietrich starb 1538 die meißn. Linie aus. Ferdinand Helfried, k.k. Kämmerer u. GR, erhielt 1571 d. Freiherrndiplom mit d. Prädikat v. Creutzen (Creutzing); 1619 erhielt Leonhard Helfried (1577–1644). k.k. GR, d. Grafendiplom; mit ihm erlosch d. österr. Linie im Mannesstamm. – V Melchior ( 1443), Herr auf Kohreu, S d. Hans, auf Kohren; M Elisabeth, T d. Hildebrand v. Einsiedel ( 1461), auf Gnandstein, sächs. GR u. Obermarschall (s. NDB IV*); B Caspar ( 1498), kaiserl. Rat, kaufte d. gfl. Hardeggsche Herrschaft Creutzen (Creutzing); Groß-N Helfried ( 1539), Landeshptm. v. Oberösterreich seit 1533, Melchior v. Osse ( 1557), sächs. Kanzler (s. ADB 24).

  • Leben

    Nach dem Studium in Leipzig und Bologna ging M. als Domherr von Meißen 1471 in einer Streitsache seiner Diözese nach Rom. In den nächsten zehn Jahren versah er verschiedene Aufgaben in der Verwaltung der päpstlichen Kurie. 1472 wird M. als Geheimkämmerer von Papst Sixtus IV. und apostolischer Scriptor erwähnt, 1480 zum Rektor der deutschen Nationalstiftung Santa Maria dell'Anima bestellt. Von Rom aus gelang es ihm, sich verschiedene Pfründen zu verschaffen: Er wurde Domherr von Brixen, Straßburg und Passau, Dompropst von Magdeburg und Meißen und Pfarrherr zu Ursen im Erzstift Salzburg. Seit 1482 Koadjutor des Brixener Bischofs Georg Golser, wurde er 1488 mit Erzhzg. Sigmunds Hilfe zum Nachfolger Golsers als Bischof von Brixen gewählt. Im nächsten Jahr hielt er eine Diözesansynode ab und ließ als erster Bischof in Augsburg liturgische Bücher für sein Bistum drucken, u. a. ein Brevier und ein Missale (1493), deren Anschaffung den Priestern der Diözese befohlen wurde. Die geistlichen Aufgaben überließ er seinem Koadjutor Christoph v. Schrofenstein; er selbst wachte streng über seine kirchlichen Rechte und Besitztitel und die damit verbundenen Steuereingänge. Seinen persönlichen Besitz vermehrte er, wo immer es möglich war, und konnte sich deshalb auch, der humanistischen Mode der Zeit entsprechend, als Sammler von Handschriften und Frühdrucken betätigen.

    Daneben trat er immer mehr als Bergbauunternehmer und als Reichsfürst im Dienst des Hauses Habsburg hervor. Im Berggerichtsbezirk von Sterzing-Gossensaß erscheint er seit 1491 als Gewerke; ebenso beteiligte er sich am Kupferbergbau im Ahrntal (Taufers). 1498 befanden sich etwa 31% aller Gruben des Schneebergs in seinem Besitz. Am Hof Sigmunds führte er die „österr.“ Partei gegen die Anhänger der bayer. Politik. So ergab es sich, daß Sigmunds Nachfolger König Maximilian ihn 1490 zum Leiter des neu eingerichteten Tiroler „Regiments“ mit dem höchsten Jahresgehalt (1000 Gulden) ernannte. Bei der für Maximilians ehrgeizige Politik so wichtigen Geldbeschaffung waren M. der einer Augsburger Kaufmannsfamilie entstammende Georg Gossembrot und der Marschall Paul v. Lichtenstein behilflich.

    Für den Ungarnfeldzug 1490 brachte M. bei der Augsburger Gesellschaft der Fugger 286 000 Gulden auf. 1493 leitete er die Gesandtschaft nach Mailand, die zur Geldheirat Maximilians mit Bianca Maria Sforza führte. Den kostspieligen Italienzug 1496 finanzierte er mittels einer Reihe von Silber- und Kupferlieferungsverträgen mit Augsburger Handelsgesellschaften (Gossembrot, Fugger, Paumgartner, Herwart). Im selben Jahr legte er zum ersten Mal Geld bei den Fuggern an (20 000 Gulden). Weitere Einlagen folgten, von denen die Öffentlichkeit nichts erfuhr, so die höchste mit fast 109 000 Gulden Ende 1505. Auch die Anlage von Anima-Geldern vermittelte er bei den Fuggern. 20 000 Gulden und verschiedene Kleinodien, die ihm sein Bruder für einen Neubau der Animakirche und des Hospitals hinterließ und auf deren Herausgabe die Provisoren drängten, gebrauchte er für seine eigenen Zwecke. Auch seine persönliche Stiftungszusage löste er nur zu einem bescheidenen Teil ein. Dafür half er Maximilian mit eigenen Darlehen aus und erhielt in diesem Zusammenhang das Amt Taufers als Pfand. Anläßlich der Behördenreform 1497/98 wurde M. Vorsitzender der neuen Hofkammer und wirkte als solcher prägend auf die damaligen und künftigen Finanzbeamten Maximilians (Liechtenstein, Landau, Lang, Hölzl und Villinger). Während des Engadiner Kriegs (1499) organisierte M. den Einsatz der habsburg. Truppen und schickte seine eigene Brixener Mannschaft ins Feld. Hzg. Ludovico Moro weilte damals als Gast in Brixen. Nach 1500 war M. um einen Ausgleich mit Frankreich bemüht.

    Mit Maximilians Hilfe wurde M. 1503 von Papst Alexander VI. zum Kardinal erhoben. 1506 begab er sich als Maximilians diplomatischer Beauftragter zunächst nach Venedig zum Dogen und dann nach Rom, um hier die Kaiserkrönung vorzubereiten. Zwar erreichte er dieses Ziel nicht, doch stimmte Papst Julius II. der Kaiserproklamation in Trient zu. Schließlich wirkte M. noch für das Zustandekommen der gegen Venedig gerichteten Liga von Cambrai (Dezember 1508). In Rom führte M. ein großes Haus mit knapp hundert Bediensteten. Er galt als „ricchissimo“ mit einem geschätzten Vermögen von 200 000 Gulden. Zu seinen Schuldnern gehörten Männer wie Wolfgang v. Polheim, Heinrich v. Hardegg, Matthäus Lang, der päpstliche Zeremonienmeister Johannes Burchardi und Hzg. Georg der Bärtige von Sachsen. Seine Einlagen bei den Fuggern betrugen an die 153 000 Gulden. Im Frühjahr 1509 erkrankte M. vor dem Antritt einer geplanten Reise nach Brixen und verfügte am 2. März vor einem apostolischen Notar und acht Klerikern als Zeugen seinen letzten Willen. Für das Kirchengut und die Bauzwecke der Anima, wo er beigesetzt werden wollte, setzte er 1500 Dukaten an; ferner bedachte er das Spital in Meißen und die dortigen Franziskaner. Dem Stift Brixen vermachte er lediglich 3000 Gulden; dafür sollte es eine Gedächtniskapelle für ihn und seinen Bruder errichten. Den gesamten restlichen Nachlaß sollte das deutsche Nationalhospiz der Anima erben.

    Da das Testament nicht – entsprechend den kirchenrechtlichen Bestimmungen – dem Papst zur Genehmigung vorgelegen hatte, fiel das Erbe des Kardinals an Papst Julius II; dieser war entschlossen, sein Recht gegenüber der Anima rücksichtslos wahrzunehmen. Die Fuggerbank, die seit 1501 in Rom durch den Augsburger Johannes Zink vertreten war, sollte die von M. eingelegten Gelder so rasch wie möglich herausgeben, allerdings ohne die für die kuriale Finanzpolitik wichtige Augsburger Gesellschaft in akute Kreditnot zu bringen. Wie Auszahlung und Abrechnung im einzelnen erfolgten, läßt sich nachträglich nicht mehr feststellen; doch half der Streit um den Nachlaß M.s und die dadurch verzögerte Rückzahlung der Depositen dem Fuggerschen Unternehmen über die schwerste Krise während seines Aufstiegs hinweg.

    M. ist ein hervorragender Repräsentant der verweltlichten Kirche an der Epochengrenze zur frühen Neuzeit: aktiv beteiligt an der Blüte des Tiroler Bergbaus und am Aufstieg der oberdeutschen Wirtschaft, gleichzeitig aber auch mitverantwortlich für die Unzufriedenheit in weiten Kreisen der Kirche, die dann zum Durchbruch der reformatorischen Bestrebungen beitrug.

  • Literatur

    F. Sinnacher, Btrr. z. Gesch. d. bischöfl. Kirchen Sähen u. Brixen VII, 1830, S. 1-116; H. Ermisch (Hrsg.), UB d. Stadt Freiberg, 3 Bde., 1883 ff.; M. Wolfstrigl v. Wolfskron, Die Tiroler Erzbergbaue 1301-1650, 1903; A. Schulte, Die Fugger in Rom 1495-1523, 2 Bde., 1904; J. Schmidlin, Gesch. d. dt. Nationalkirche S. Maria dell'Anima, 1908; J. Lohninger, S. Maria dell'Anima, 1909; D. Martin Luthers Werke, Tischreden V, 1919; L. Santifaller, Das Brixner Domkapitel in seiner personellen Zusammensetzung im MA, 1925, S. 379 ff.; G. v. Pölnitz, Jakob Fugger u. d. Streit um d. Nachlaß d. Kardinals M. v. Brixen, in: Qu. u. Forschungen aus ital. Archiven u. Bibliotheken 30, 1940/41, S. 223-94; ders., Jakob Fugger, Kaiser, Kirche u. Kapital in d. oberdt. Renaissance, 2 Bde., 1949/51; E. E. Unger, Die Fugger in Hall i. T., 1967; A. Sparber, Die Brixener Bischöfe im MA, 1968; R. Tasser, Gesch. d. Kupferbergwerks in Prettau v. d Anfängen bis 1676, Diss. Innsbruck 1970 (ungedr.); H. Wiesflecker, Kaiser Maximilian I., Das Reich, Österreich u. Europa an d. Wende z. Neuzeit, 5 Bde., 1971 ff., bes. Bd. 5, 1986; A. Stella, 1 principati Vescovili di Trento e di Bressanono, in: Storia d'ltalia, dirotta da G. Galasso, Bd. 17, 1979, S. 497-606; Dt. Reichstagsakten unter Maximilian I., V, Reichstag v. Worms 1495, 2 Bde., bearb. v. H. Angermeier, 1981; G. Heilfurth, Bergbaukultur in Südtirol, 1984; J. Siebmacher, Die Wappen d. Adels in Oberösterreich, Bd. 27, 1984; K.-H. Ludwig u. F. Gruber, Gold- u. Silberbergbau im Übergang v. MA z. Neuzeit, Das Salzburger Revier v. Gastein u. Rauris, 1987; H. Kellenbenz, Economia e società nelle parti meridionali dell'lmpero all'epoca del Cardinale Clesio con riferimento particolare ai principati ecclesiastici, in: Bernardo Clesio e il suo tempo, a cura di Paolo Prodi, in: Europa delle Corti, Centro Studi sulle Società di Antico Regime, Biblioteca del Cinquecento, 1987/88, S. 225-54; ders., Kapitalverflechtung im mittleren Alpenraum, Das Beispiel d. Bunt- u. Edelmetallbergbaus v. 15. bis z. Mitted. 17.Jh., in: ZBLG 51, 1988, S. 13-50; LThK.

  • Autor

    Hermann Kellenbenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Kellenbenz, Hermann, "Melchior von Meckau" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 7 f. [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd129044342.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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