Lebensdaten
1811 bis 1880
Geburtsort
Brünn
Sterbeort
Reichenau bei Payerbach
Beruf/Funktion
Kaufmann ; Industrieller ; Gewerke
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118680668 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Drasche von Wartinberg, Heinrich
  • Wartinberg, Heinrich von D.-
  • Wartinberg, Heinrich von Drasche-

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Zitierweise

Drasche von Wartinberg, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118680668.html [20.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. ist angeblich flämischen Ursprungs u. kam um 1650 nach Böhmen, wo sie Tuch- und Leinenmanufakturen im Schluckenauer Gebiet errichtete;
    V Josef, Tuchfabrikant in Brünn;
    M Anna, T des Gewerken u. Ziegeleibesitzers Miesbach;
    B Jos. Eduard, Tuchfabrikant in Brünn, seit 1836 auch Tuchgroßhändler in W., Wilh., Tuchgroßhändler in W.;
    Josephine v. Freudenthal (1827–62);
    1 S, 1 T, u. a. Richard Frhr. (seit 1883) D. (1850-1923), Dr. phil., Geologe (unternahm Expeditionen in Gebiete vulkanischen Ursprungs), Zoologe (Abhh. üb. Entwicklungsgeschichte u. Systematik der Meeresfauna, spezieller Seescheiden, Borstenwürmer), Landschaftsmaler (s. Pogg. III, ThB, ÖBL).

  • Leben

    D. besuchte das Polytechnikum in Wien, daneben erhielt er eine kommerzielle Ausbildung in der väterlichen Tuchhandlung. Sein Oheim Alois Miesbach verwandte ihn als Geschäftsführer und Direktor seiner Ziegeleien. 1857 wurde er dessen Universalerbe. Der 1829/30 besonders fühlbar werdende Brennholzmangel drängte zur Einführung der Steinkohlenfeuerung bei den Ziegeleien. D. unternahm 1831-36 große Informationsreisen nach Preußisch Schlesien, Belgien, Schottland und Frankreich und absolvierte die Bergakademie in Schemnitz. Noch mangelten der österreichisch-ungarischen Monarchie größere Kohlenbergwerke. 1830 hatte er mit eigenen Schürfversuchen in Niederösterreich begonnen. Zu- nächst erwarb er vom Ärar das fast stillgelegte Braunkohlenbergwerk Thallern. Österreichs einziges, auch heute noch ertragreiches Steinkohlenbergwerk Grünbach wurde 1837 ausgebaut. In der Steiermark wurde 1841 das Werk Seegraben bei Leoben eröffnet, dessen Förderung von 24 000 Zentnern bald auf 2 Millionen Zentner gehoben werden konnte. Bedeutsam war auch seine Erschließung der großen oberösterreichischen Braunkohlenlager im Hausruck und Innkreis, Wolfsegg und Traunthal, die Eröffnung von Kohlenwerken im Pilsener Schwarzkohlen-Becken, die Steinkohlenwerke in der Umgebung von Gran, bei Fünfkirchen, bei Bonyhád, bei Ödenburg, die großen mährischen Schürfungen bei Göding, Luschitz und Neudorf.

    1868 besaß D. 15 Kohlengruben mit einer jährlichen Erzeugung von über 6 Millionen Zentnern Kohle auf den eigenen Werken und von weiteren 4 Millionen Zentnern auf den von ihm erschlossenen Kohlenflözen, wobei er über 4000 Arbeiter im Bergbau beschäftigte. Dazu kamen 12 Ziegelfabriken in der Umgebung von Wien, Pest und Ofen und 2 Tonwarenfabriken in Inzersdorf und Thallern mit einer Gesamterzeugungsfähigkeit von 188 Millionen Stück Ziegel. 5700 Arbeiter fanden Beschäftigung. D. trat bei den großen Stadterweiterungsbauten in Wien und Budapest auch persönlich als Bauherr stark in Erscheinung; um 1870 hatte er in Wien 10 Baustellen, darunter den berühmten, von Theophil Hansen gegenüber der Oper erbauten Heinrichhof (1945 zerstört). Mit über 10 000 Beschäftigten war D. wohl der größte Industrielle Wiens des 19. Jahrhunderts, der es geschickt verstand, seinen Reichtum sicher in Grundwerten anzulegen. Er war Besitzer zahlreicher Güter in Niederösterreich, der Herrschaft Pardubitz (6500 Hektar) in Böhmen und der Herrschaften Tolna und Kaimad (6600 Hektar) in Ungarn. So blieb das Haus D. vom großen Wiener Börsenkrach 1873 nahezu unberührt. – Große Medaille (Londoner Ausstellung 1862), Große Goldene und Humanitäre Medaille (Pariser Weltausstellung 1867).

  • Werke

    zu S Richard: Fragmente e. Geol. d. Insel Luzon (Philippinen), 1878; Die Insel Réunion (Bourbon) im Ind. Ozean, Mit e. Anhange üb. d. Insel Mauritius, 1878;
    Die Synascidien d. Bucht v. Rovigno, 1883;
    Btrr. z. Entwicklung d. Polychaeten, 2 Hh., 1884/85; Btrr. z. feineren Anatomie d. Polychaeten, 2 Hh., 1885.

  • Literatur

    zu Heinr. D. R. Granichstaedten-Czerva, Alt-Wiener Millionäre, in: Wiener Ztg. v. 23.7.1954.

  • Portraits

    Ölgem. (auch v. S Richard, Künstlerhaus Wien).

  • Autor/in

    Gustav Otruba
  • Empfohlene Zitierweise

    Otruba, Gustav, "Drasche von Wartinberg, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 103 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118680668.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA