Lebensdaten
1897 bis 1942
Geburtsort
Zessel (Schlesien)
Sterbeort
Berlin-Plötzensee
Beruf/Funktion
Diplomat ; Legationsrat ; Widerstandskämpfer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118940279 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Scheliha, Rudolf von

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Zitierweise

Scheliha, Rudolf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118940279.html [15.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus schles. Adelsfam.;
    V Rudolph (1865–1946), auf Zessel, S d. Rudolf (1819–92), auf Zessel, 1866/67 kons, Mitgl. d. preuß. Abg.hauses f. d. Wahlkreis Breslau (s. Biogr. Hdb. Preuß. Abg.haus II), u. d. Anna Charlotte v. Studnitz (1838–67);
    M Elisabeth (1876–1942), T d. Johannes v. Miquel (1828–1901), preuß. Min. (s. NDB 17), u. d. Emma Wedekind;
    2 Schw (1 früh †) Renata (1901–67), Dr. phil., Althistorikerin (s. Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1936–70; [M. Mommsen], R. v. S. 1901-1967, Gedenkbuch, 1972);
    1927 Maria Louise (* 1904), T d. Wilhelm Edler v. Medinger (1878–1934), auf Klein-Skal, Dr. phil., Ing. agr., österr. Dipl., böhm. Pol. (s. NDB 16), u. d. Alice Pfersmann v. Eichthal;
    2 T Sylvia (* 1930, Nikolaus Koch, * 1923, Ing.), Elisabeth (* 1934, Thomas Ritscher, * 1928, Dr. rer. nat., Dipl.chemiker); Verwandter Karl Joachim (1802–65), Jur., Gutsbes., 1834-59 Landrat d. Kr. Militsch, 1849-54 Mitgl. d. preuß. Abg.hauses f. d. Wahlkreis Breslau (s. Biogr. Hdb. Preuß. Abg.haus II).

  • Leben

    S. meldete sich nach dem Abitur 1915 als Kriegsfreiwilliger (1916 Lt. d. Res.), wurde mehrfach schwer verwundet und erhielt beide Klassen des Eisernen Kreuzes. Nach einem Jurastudium in Breslau und Heidelberg 1919-21 und dem Referendariat in Berlin trat S. im Juli 1922 in den Auswärtigen Dienst ein. Über die Berliner Zentrale und die Vertretungen in Prag, Konstantinopel, Ankara und Kattowitz gelangte er im Okt. 1932 als Legationssekretär (1937 Gesandtschaftsrat II. Kl.) an die dt. Gesandtschaft in Warschau. Obwohl seit 1933 NSDAP-Mitglied, nahm S. spätestens seit 1938 eine zunehmend kritische Haltung gegen das NS-Regime ein. Er wurde zum Informanten des Journalisten Rudolf Herrnstadt ( 1966), der für den sowjet. Geheimdienst arbeitete. Nach Kriegsbeginn wurde S. in der neugeschaffenen Informationsabteilung des Auswärtigen Amts mit der „Beobachtung und Bekämpfung der poln. Hetzpropaganda“, dann mit der Leitung des Länderreferats „Mittel-, Nord- und Osteuropa“ betraut (1941 Legationsrat I. Kl.). Dadurch erhielt er gute Kenntnisse über die dt. Verbrechen in Polen und der Sowjetunion. Dies veranlaßte ihn, einzelnen Polen und Juden zu helfen, das Ausland über die Massenmorde des NS-Regimes zu unterrichten und militärische Geheimnisse zu verraten. Vermutlich war es S., der Carl J. Burckhardt (1891–1974), Mitglied des Internat. Komitees vom Roten Kreuz, im Okt. 1942 über die „Endlösung der Judenfrage“ informierte. Am 29.10.1942 wurde S. von der Gestapo verhaftet und mit den Aktionen der „Roten Kapelle“ in Verbindung gebracht. Das Reichskriegsgericht verurteilte ihn wegen Landesverrats und Spionage für die Sowjetunion zum Tode. Das Urteil wurde durch den Strang vollstreckt. Seither haftete S. das Odium eines „bezahlten Verräters“ an. Erst neuere Forschungen haben an dem von der Gestapo geprägten Bild sowie an den Verdächtigungen der Nachwelt Zweifel aufkommen lassen. Ob er ein bezahlter Spion oder/und ein Widerstandskämpfer mit idealistischen Motiven war, ist bisher ungeklärt.

  • Literatur

    H. Höhne, Kennwort Direktor, Die Gesch. d. Roten Kapelle, 1970;
    G. Kegel, In d. Stürmen unseres Jh., 1984;
    U. Sahm, R. v. S. 1897-1942, Ein dt. Diplomat gegen Hitler, 1990 (P);
    R. Griebel u. a., Erfasst?, Das Gestapo-Album z. Roten Kapelle, Eine Fotodok., 1992 (P);
    Mitteldt. Jb. 1997, S. 242 f.;
    R. Henkel, Was treibt d. Spion?, Spektakuläre Fälle v. d. „Schönen Sphinx“ bis z. „Bonner Dreigestirn“, 2001, S. 63-79.

  • Autor/in

    Johannes Hurter
  • Empfohlene Zitierweise

    Hürter, Johannes, "Scheliha, Rudolf von" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 646 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118940279.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA