Lebensdaten
1724 bis 1788
Geburtsort
Weikersheim
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Mathematiker ; Physiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100793118 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meister, Albrecht Ludwig Friedrich
  • Meister, Albert L.
  • Meister, Albertus L.
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Zitierweise

Meister, Albrecht Ludwig Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100793118.html [19.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Christoph Andreas (1671–1728), hohenloh. Konsistorialrat u. Hofprediger (s. Jöcher III u. Erg.bd. IV), S d. Johann (* 1636), Pastor in Ahornberg, u. d. Elisabeth Catharina Zeitler;
    M Martha Sophie (1683–1737). T d. Pfarrers Nikolaus Pistorius in Kitzingen u. d. Eva Sophie Dorothea Gerstenmeyer;
    B Carl Ludwig (1713–63), Amtmann in Hollenbach, Christian (1718–82), Prof. d. Strafrechts in G. (s. ADB 21); – ledig;
    N Georg Jakob Friedrich (1755–1832), Jurist, Prof. in G., Joh. Christian Friedrich (1758–1828), Jurist, Prof. in Frankfurt/Oder u. Breslau (beide s. ADB 21).

  • Leben

    M. studierte seit 1743 in Göttingen und 1747/48 in Leipzig. In Göttingen erwarb er 1753 den Magistergrad und promovierte dort im selben Jahr mit einer Arbeit über das „Instrumentum scenographicum“, ein von ihm erfundenes Hilfsmittel, um perspektivische Zeichnungen durchzuführen. 1764 wurde er ao. und 1770 o. Professor in der philosophischen Fakultät der Univ. Görtingen. Als die hannov. Regierung plante, in Göttingen eine Kriegsschule nach franz. Muster zu errichten, wurde M. 1765 nach Frankreich geschickt, um sich dort zu informieren. Bei seinen Vorlesungen, die vor allem Geometrie, Baukunst und Perspektive betrafen, vermittelte er insbesondere Kenntnisse in der Feldmeßkunst, in der darstellenden Geometrie und in der Verwendung optischer und mathematischer Instrumente, die er selbst herzustellen vermochte. Seit 1765 war er ao. und seit 1776 o. Mitglied der Götünger Societät der Wissenschaften, 1784 wurde er zum Hofrat ernannt.

    In seinen zahlreichen Arbeiten beschäftigte sich M. mit sehr verschiedenartigen mathematischen und naturwissenschaftlichen Themen. Dazu gehören Beiträge über Instrumente und Maschinen, die in der Antike für Kriegs- und friedliche Zwecke benutzt wurden, optische Phänomene, Thermometerskalen, Musikinstrumente, Wolkenformen, geologische Fragen (Vulkanismus; Versuch, die Entstehung der Gebirge durch eine Änderung der Erdachse zu erklären). In seiner Abhandlung „Generalia de genesi figurarum planarum et inde pendentibus earum affectionibus“ (Novi Commentarii Societatis Regiae Scientiarum Gottingensis, I, 1769/70, 1771, S. 144-80), die sich mit deren Klassifizierung, mit positiven und negativen Flächenräumen der allgemeinen Vielecke und mit der Inhaltsbestimmung der Polygone beschäftigt, verwendete M. Methoden, die später in der Topologie benutzt wurden, und lieferte erstmals eine Präzisierung des Begriffs des allgemeinen Vielecks. Ebenfalls richtungsweisend war die „Commentatio de solidis geometricis pro cognoscenda eorum indole in certos ordines et versus disponendis“ (Commentationes Societatis Regiae Scientiarum Gottingensis ad a. MDCCLXXXIV et LXXV, Bd. 7, 1786, Classis math., S. 3-74), in der Beziehungen zwischen zwei reziproken Körpern (d. h. zwischen Körpern, von denen der eine ebenso viele Flächen wie der andere Ecken besitzt, und umgekehrt), abgeleitet werden.

  • Literatur

    ADB 21;
    J. St. Pütter, Versuch e. academ. Gelehrten-Gesch. v. d. Georg-Augustus-Univ. zu Göttingen I, 1765, S. 196, II, 1788, S. 170 f.;
    Elogium Alberti Ludov. Friderici Meisteri quod … legit Abraham Gotth. Kaestner, in: Commentationes Societatis Regiae Scientiarum Gottingensis ad a. MDCCLXXXVII et LXXXVIII, Bd. 9, 1789, S. I-VIII (W-Verz.);
    M. Arnim, Autorenverz. zu d. Veröff. d. Ges. d. Wiss. zu Göttingen 1751-1927, 1928,|S. 195-97 (W-Verz.);
    S. Günther, Vermischte Unterss. z. Gesch. d. math. Wissenschaften, 1876, S. 41-48, 52;
    Meusel, Bd. 9, 1809, S. 56-58 (W-Verz.);
    Nouv. Biogr., Bd. 27, S. 538 f.;
    Pogg. II.

  • Autor/in

    Menso Folkerts
  • Empfohlene Zitierweise

    Folkerts, Menso, "Meister, Albrecht Ludwig Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 722-723 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100793118.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Meister: Albrecht Ludwig Friedrich M., Mathematiker und Physiker, geb. 1724 zu Weickersheim im Jagstkreis, am 18. December 1788 zu Göttingen. Er studirte seit 1743 zu Göttingen, in den Jahren 1747 und 1748 zu Leipzig, von wo er im folgenden Jahre als Hofmeister nach Göttingen zurückkehrte, um sich bald gänzlich dort niederzulassen. Er begann 1753 als Magister, wurde 1764 außerordentlicher, 1770 ordentlicher Professor der Philosophie. Unter seinen Schriften haben insbesondere zwei Abhandlungen als von bleibendem Werthe sich erwiesen: „Generalia de genesi figurarum planarum et inde pendentibus earum affectationibus“ (Novi Comm. Soc. Reg. Scient. Gotting. I, 144 sqq.) und „Commentatio de solidis geometricis pro cognoscenda eorum indole in certos ordines et versus disponendos“ (Comment. Gotting. VII. 39 sqq.). In jener ersten Abhandlung aus dem Jahre 1770 hat M. die allgemeine Theorie der Vielecke wesentlich gefördert, hat die verschiedenen „Ufer"|eines Linienzuges sowie positive und negative Flächentheile unterschieden. In der zweiten Abhandlung von 1784 hat er Beziehungen zwischen je zwei von ihm als reciprok bezeichneten Körpern untersucht; reciprok aber nennt er Körper, von welchen der eine etwa m Flächen und n Ecken, der andere n Flächen und m Ecken besitzt; so hat beispielsweise der Würfel 6 Flächen und 8 Ecken, das Octaeder 8 Flächen nebst 6 Ecken und beide Körper heißen reciprok.

    • Literatur

      Meusel, Lexikon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller IX, 56—58. Siegm. Günther, Vermischte Untersuchungen zur Geschichte der mathematischen Wissenschaften (Leipzig 1876) S. 41—48 und S. 52.

  • Autor/in

    Cantor.
  • Empfohlene Zitierweise

    Cantor, Moritz, "Meister, Albrecht Ludwig Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 251-252 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100793118.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA