Lebensdaten
gestorben 2. Hälfte 13. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Spruchdichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137330030 | OGND | VIAF: 81535525
Namensvarianten
  • Meißner
  • Der Meißner der Jenaer Liederhandschrift
  • Meißner der Jenaer Liederhandschrift
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Meißner der Jenaer Liederhandschrift, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137330030.html [29.10.2020].

CC0

  • Leben

    M. ist mit 128 in der Jenaer Liederhandschrift überlieferten Strophen der herausragende Dichter dieser Sammlung. Nach seiner Reimsprache ist er mitteldeutscher Herkunft. Hierfür sprechen auch zahlreiche zeitgeschichtliche Bezüge in seinem Werk, die jedoch nicht immer eindeutig bestimmten Personen und Geschehnissen zugeordnet werden können. So verfaßte er eine Preisstrophe auf den König von Böhmen (I 13), bei dem es sich wahrscheinlich um Ottokar II. ( 1278) handelt. In fünf Strophen erwähnt er seine Gönner: I 8 den Reichsministerialen Herdegen von Grundlach ( 1272 oder der bis 1303 bezeugte Namensnachfolger), IV 4 den Bischof Hermann von Cammin ( 1289). XVII 8, 9 und 11 die seit 1268 regierenden Brandenburger Mgf. Otto V. den Langen ( 1299), Otto IV. ( 1308) und Albrecht III. ( 1300).

    Auch wenn von M. keine faßbaren literarischen Wirkungen ausgingen, war er doch unter den zeitgenössischen Spruchdichtern sehr bekannt. Dafür spricht zum einen seine Beteiligung an literarischen Polemiken in Verbindung mit dem Marner und mit Konrad von Würzburg, zum andern die Betonung seines hohen literarischen Ranges bei Rumsland von Sachsen und Herman der Damen, die M. auf eine Stufe mit Konrad von Würzburg stellen.

    Im Werk M.s finden sich Anklänge an ältere Dichter wie Walther von der Vogelweide, Reinmar von Zweter und den Marner, aber auch an Zeitgenossen wie Herman der Damen und den Jungen Meißner. Der Thematik nach erweist er sich als repräsentativer Vertreter der Gattung, bei dem das Typische der Sangspruchdichtung dominiert. Auffällig ist ein stark pastoraler Anspruch und die Betonung der geistlichen Lehre unter verstärkter Hinwendung zu biblisch-dogmatischen Gegenständen und der Anwendung exegetischer Techniken. Sein Ziel ist religiöse Mahnung und ethische Erziehung, nicht die Vermittlung religiösen Wissens. Dies kommt auch in seiner Fürstenlehre zum Ausdruck. Einige seiner Strophen enthalten Reflexionen über die Aufgabe und den Wert der Kunst.

    Die Töne M.s werden im Meistersang des 15. und 16. Jh. nicht wieder aufgenommen. Hier gelegentlich vorkommende Namensnennungen beziehen sich vermutlich auf den Jungen Meißner.

  • Werke

    G. Objartel, Der M. d. Jenaer Liederhs., 1977 (Ausg., Kommentar u. Unters.).

  • Literatur

    A. Frisch, Unterss. üb. d. versch. mhdt. dichter, d. nach d. Überlieferung d. namen Meißner führen, Diss. Jena 1887;
    B. Wachinger, Sängerkrieg, Unterss. z. Spruchdichtung d. 13. Jh., 1973, S. 151-63;
    G. Peperkorn, Der Junge Meißner, Sangsprüche, Minnelieder, Meisterlieder, 1982, S. 3-7;
    Vf.-Lex. d. MA2;
    Rep. d. Sangsprüche u. Meisterlieder d. 12. bis 18. Jh., IV, bearb. v. F. Schanze u. B. Wachinger, 1988, S. 329-50.

  • Autor/in

    Günter Peperkorn
  • Empfohlene Zitierweise

    Peperkorn, Günter, "Meißner der Jenaer Liederhandschrift" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 693 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137330030.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA