Lebensdaten
1883 bis 1950
Geburtsort
Gießen
Sterbeort
Gauting bei München
Beruf/Funktion
Reformationsforscher ; Schriftsteller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116864133 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meißinger, Karl August
  • Meissinger, K. A.
  • Meissinger, Karl
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Zitierweise

Meißinger, Karl August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116864133.html [31.05.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1853–1914), Steuerrendant, S d. Johannes (* 1804), Bauer u. Schäfer in Berstadt (Wetterau), u. d. Marie Katherine Litt;
    M Marie (1852–90), T d. Martin Unger (* 1821), Bauverwalter d. Frhrn. v. Rabenau in Kesselbach/Lumda, u. d Henriette Pfeil;
    B Hermann (1884–1957), Syndikus u. Fachanwalt f. Arbeitsrecht in Berlin, seit 1950 Vizepräs. d. Landesarbeitsgerichts in München (s. Rhdb., P);
    1) Straßburg 1909 ( 1938) Rosa (* 1885), T d. Seligmann (später Karl) Oppenheimer (1848–1926), Vieh-, Kartoffel- u. Obstgroßhändler in Friedberg, später in Frankfurt/M., u. d. Fanni Bergen, 2) Gauting 1939 Josefine (1886–1980), Sängerin, gesch. v. Nikolaus Nettstraeter (1887–1952), Gen.musikdir. d. Frankfurter Oper, T d. Moselschiffers Joseph Kemp u. d. Maria Barbara Schwickerath; Schwägerin Barbara Kemp (1881–1959, 2] Max v. Schillings, 1868–1933, Komp.), Sängerin;
    3 S, 2 T aus 1), 1 S aus 2).

  • Leben

    Nach dem Abitur in Friedberg 1902 studierte M. bis 1906 in Gießen Theologie bei Bernhard Stade und Walter Köhler; durch den Philosophen August Messer sah er sich angeregt. Auf Köhlers Empfehlung hin wurde er 1906 Privatassistent bei dem Straßburger Kirchenhistoriker Johannes Ficker, an dessen Lutherforschungen er bis 1914 beteiligt war. Unter anderem wirkte er an der Edition „Luthers Vorlesungen über den Römerbrief|1515/16) “ (1908) mit. 1910 promovierte er in Gießen zum Lic. theol. 1915-17 war er Kriegsteilnehmer, im August 1918 erfolgte seine Promotion zum Dr. phil. in Straßburg. 1919-23 war M. aushilfsweise an der Stadtbibliothek in Frankfurt am Main beschäftigt. Gleichzeitig arbeitete er an der Rhein-Mainischen Volkszeitung mit, zu deren Verleger Friedrich Dessauer er lange Jahre in freundschaftlichen Beziehungen stand. 1923-33 war M. im Höheren Schuldienst tätig, zunächst in Frankfurt am Main, dann in Höchst am „Städtischen Reformgymnasium mit Oberrealschule“ (1927 Studienrat). Im November 1933 wegen politischer Unzuverlässigkeit entlassen, lebte er als freier Schriftsteller bis 1936 in Frankfurt, danach in Gauting bei München.

    Seit seiner Studienzeit Anhänger der Ökumene, trat M. nach 1945 in der Una-Sancta-Bewegung hervor. 1947 gründete er das „Institut für Reformationsforschung“, dessen Vorstand auch der spätere Benediktinerabt Hugo Lang angehörte. 1949 nahm er an der Gründungsversammlung der „Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung“, Darmstadt, in der Frankfurter Paulskirche teil. Im selben Jahr gründete er das „Goethejahr-Hilfswerk des Landkreises Starnberg e.V.“, das sich der Betreuung in Not geratener Künstler und Schriftsteller widmete; dieser nach M.s Tod in „Starnberger Kunstkreis Bucentaur e.V.“ umbenannte Verein besteht heute noch.

    M. hat sich als Reformations- und Lutherforscher einen Namen gemacht, besonders als Kenner der schwierigen frühen Texte Luthers. Hervorzuheben sind seine maßgebende Mitarbeit an den Bänden 56 und 57 der Weimarer Lutherausgabe (1938 und 1939), seine Biographie „Erasmus von Rotterdam“ (1942, 21948). „Glauben und Tun, Ein Luther-Brevier“ (1947) sowie die postum erschienenen Bände „Der katholische Luther“ (1952) und „Luther, die deutsche Tragödie 1521“ (1953). – M.s literarisches Schaffen steht in engem Zusammenhang mit seinen historischen Forschungen. Dies gilt vor allem für die gegen seinen Willen als Roman bezeichnete Rekonstruktion der Lebensumstände des Zweiten Jesajah „Der Abenteurer Gottes“ (1935). M. ging es in diesem Buch darum, die in ihrer Wirkung für die Reform des Christentums wesentliche „Berührung der prophetischen Geschichtsreligion mit der zeitlosen Weltschau der Indogermanen (Zarathustra, ionische Welt, Buddha)“ darzustellen. Der „Roman des Abendlandes“ (1939), dessen 3. Auflage (1943) wegen der Beibehaltung zensierter Stellen mit ausdrücklich christlichem Bekenntnis verboten wurde, stellt in 14 Kapiteln die Entwicklung des abendländischen Geistes seit der Erfindung des Buchdrucks dar.

  • Werke

    Weitere W u. a. Friedrich List, d. trag. Deutsche, 1930;
    Helena, Schillers Anteil am Faust, 1935;
    Der verborgene Stern, Roman, 1941;
    Kallistos d. Töpfer, Erz., 1946;
    Angelika Wingerath, Roman, 1949;
    Das Turiner Grablinnen, 1949.

  • Literatur

    Denkschr. 1948, hrsg. v. Inst. f. Ref.forschung (W);
    A. Haering, in: Die Besinnung 3, 1948, S. 84-86;
    O. Jancke, Der Abenteurer Gottes, in: Das literar. Dtld., 1950, Nr. 1, S. 3;
    W. Burkard, in: Dt. Rdsch. 77, 1951, H. 11, S. 1018-22;
    A. Braun, Zum 80. Geb.tag d. Schriftstellers u. Ref.forschers, in: Hessen-Journal 5, 1963, Nr. 1, S. 33 f.;
    dies. u. W. H. Braun, in: Wetterauer Gesch.bll. 28, 1979, S. 163-76 (Lebenslauf, W-Verz., L, P);
    Kosch. Lit.-Lex.3

  • Autor/in

    Werner Schulze
  • Empfohlene Zitierweise

    Schulze, Werner, "Meißinger, Karl August" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 691-692 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116864133.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA