Lebensdaten
1344 oder 1343 bis 1363
Sterbeort
Meran
Beruf/Funktion
Graf von Tirol ; Herzog von Oberbayern ; Herzog von Bayern
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123611911 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meinhard
  • Meinhard III. von Tirol
  • Meinhard III.
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Zitierweise

Meinhard III., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123611911.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Wittelsbacher;
    V Ludwig V. ( 1361), Hzg. v. Bayern, Mgf. v. Brandenburg, Gf. v. Tirol (s. NDB 15);
    M Margarethe Maultasch ( 1369), Hzgn. v. Kärnten u. Bayern, Gfn. v. Tirol (s. NDB 16);
    Passau 1358 Margarethe v. Österreich ( 1366), T d. Hzg. Albrecht II. v. Österreich (1298–1358, s. NDB I) u. d. Johanna v. Pfirt; Schwäger Rudolf IV. (1339–65), Hzg. v. Österreich u. Steiermark, Albrecht III. (1348–95), Hzg. v. Österreich (s. NDB I), Leopold III. (1351–86), Hzg. v. Österreich (s. NDB 14); kinderlos (?).

  • Leben

    Als einziges Kind aus der von der Kirche lange Zeit nicht anerkannten Ehe Ludwigs des Brandenburgers und der Margarethe Maultasch wurde M. mit zehn Jahren im Zuge eines wittelsbach.-habsburg. Bündnisses mit der österr. Herzogin Margarethe verlobt und anschließend nach Wien zur Erziehung geschickt. 1357 kehrte er von dort zurück, und im folgenden Jahre feierte man die Vermählung. Doch erst im September 1359 erteilte die Kurie parallel zur Anerkennung der Ehe der Eltern und der legitimen Geburt M.s die Zustimmung zu dieser Verbindung.

    Nach dem Tode seines Vaters Ludwig stand M. die Regierung in Oberbayern und Tirol zu. Der junge Fürst erwies sich dieser Aufgabe jedoch kaum gewachsen. Von seinen wittelsbach. Verwandten und dem bayer. Adel bedrängt, wurde M. schließlich gefangengesetzt und in München festgehalten. Dort erreichte ihn die Aufforderung der Tiroler Stände, in ihr Land zu kommen, wo M. offenbar als Repräsentant der alten heimischen Dynastie mit einer deutlichen Distanzierung von Wittelsbach und Bayern angesehen wurde. Im Oktober 1362 gelang M. die Flucht, von der vielleicht auch seine Mutter und sein Schwager Hzg. Rudolf IV. von Österreich wußten. Aber auch in Tirol, wo sich M. mit heimischen adeligen Räten umgab, entfaltete er keine nachhaltige Tätigkeit – möglicherweise, weil er gesundheitlich dazu nicht in der Lage war. Der überraschende Tod M.s wurde bereits von den Zeitgenossen auf eine Vergiftung zurückgeführt und in der Folge bisweilen noch weiter ausgeschmückt. Einige Tage nach dem Hinscheiden ihres Sohnes überantwortete Margarethe Maultasch Tirol den habsburg. Herzögen, den Schwägern M.s. Damit war die Vereinigung Tirols mit Österreich begründet.

  • Literatur

    A. Huber, Gesch. d. Vereinigung Tirols mit Österreich u. d. vorbereitenden Ereignisse, 1864;
    F. H. Haug, Ludwigs V. d. Brandenburgers Regierung in Tirol (1342–61), in: Forschungen u. Mitt. z. Gesch. Tirols u. Vorarlbergs 4, 1907, S. 1-53;
    F. Huter, Der Eintritt Tirols in d. „Herrschaft zu Österreich“, in: Tiroler Heimat 26, 1962, S. 13-36;
    J. Riedmann, MA, in: J. Fontana u. a., Gesch. d. Landes Tirol I, 1985, S. 425;
    Th. Straub, Bayern im Zeichen d. Teilungen, in: M. Spindler u. A. Kraus, Hdb. d. bayer. Gesch. II, 21988, S. 210 ff.

  • Portraits

    Gem. v. 1571, zugeschrieben G. B. Fontana (Innsbruck, Schloß Ambras, Span. Saal);
    Kupf in: D. Custos, Tirolensium principum comitum … genuinae eicones, 1599.

  • Autor/in

    Josef Riedmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Riedmann, Josef, "Meinhard III." in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 669 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123611911.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Meinhard III., Herzog von Baiern und Graf von Tirol, Sohn des Markgrafen Ludwig von Brandenburg und der Margaretha (Maultasch), Gräfin von Tirol, wurde zwischen 1343 und 1345 geboren. Der Sitte jener Zeit entsprechend wurde er schon im J. 1352 mit Margaretha, Tochter des Herzogs Albrecht II. von Oesterreich, verlobt und im Juni 1358 mit derselben vermählt. Als sein Pater am 17. September 1361 von einem plötzlichen Tode hinweggerafft wurde, trat er als einziger Sohn desselben die Regierung von Oberbaiern und Tirol an. Jung und unerfahren, wie er war, gerieth er schon nach wenigen Tagen in die Hände einer zahlreichen bairischen Adelspartei, welche den lebenslustigen Fürsten durch Vergnügungen jeder Art zu fesseln wußte und in seinem Namen die ganze Regierung führte. Allein manche der übrigen Adeligen und vor Allem die bairischen Städte, die schon längst im Besitze politischer Rechte und auf dem Landtage vertreten waren, wollten sich die Herrschaft einer Adelscoterie nicht gefallen lassen. Am 5. Mai 1362 verbanden sich dieselben mit Meinhards Oheime, Stephan von Baiern-Landshut und dessen Vettern, den Pfalzgrafen am Rhein, die ein Interesse daran hatten, daß das Land nicht durch eine schlechte Regierung ruinirt werde, um M. der Schmach zu entreißen, in die jene, die ihn seinen Landen entfremdet, ihn gestürzt hätten und um dahin zu wirken, daß er seine fürstliche Gewalt besser handhabe. Seinen Räthen und Pflegern wurde förmlich der Gehorsam aufgekündet. Herzog Stephan sammelte ein Heer, um diesen Beschluß im Nothfalle mit Gewalt zur Durchführung zu bringen. Da flohen die Rathgeber des jungen Fürsten mit demselben über die Donau in das Gebiet des Bischofs von Eichstädt, wo sie Sicherheit zu finden hofften. Der Bischof wollte dann, wie es heißt, den Herzog heimlich nach Tirol führen. Allein trotz ihrer Verkleidung wurden sie am 16. Juni in der Gegend von Vohburg von den Bauern erkannt, gefangen genommen und in die Hände des Herzogs Stephan geliefert, der M. München als Aufenthaltsort anwies und sich auf dessen Regierung einen entscheidenden Einfluß sicherte. Doch entzog sich M. diesem schon nach wenigen Monaten, indem er, einer Einladung der Tiroler Folge leistend und vielleicht auch von seinem Schwager Rudolf von Oesterreich dazu angetrieben, ohne Wissen Stephans sich um die Mitte des October aus München nach Tirol zurückzog. Daß er mit seinem Schwager im besten Einvernehmen stand, ergibt sich daraus, daß eine seiner ersten Handlungen nach seiner Ankunft in Tirol die Uebergabe seines Siegels an den Dompropst Johann von Brixen, Rudolfs Hofkaplan und Oesterreichs entschiedenen Anhänger war. Schon wenige Monate darauf, am 13. Januar 1363, machte ein früher Tod seinem Leben ein Ende. Daß er wie schon sein Vater von seiner Mutter durch Gift aus dem Wege geräumt worden sei, scheint doch ein leeres Gerücht zu sein.

    • Literatur

      Westenrieder, Berichtigungen der Regierungsgeschichte des Herzogs Meinhard. 1792. A. Huber, Geschichte der Vereinigung Tirols mit Oesterreich. 1864.

  • Autor/in

    Huber.
  • Empfohlene Zitierweise

    Huber, Alfons, "Meinhard III." in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 231-232 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123611911.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA