Lebensdaten
1815 bis 1878
Geburtsort
Kleinniedesheim bei Frankenthal (Rheinpfalz)
Sterbeort
Kleinniedesheim bei Frankenthal (Rheinpfalz)
Beruf/Funktion
Bienenzüchter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 136774040 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mehring, Johannes
  • Mehring, J.

Orte

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Zitierweise

Mehring, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136774040.html [14.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (* um 1787), Landwirt in K.;
    M Katharina Philippina (1794–1880), T d. Nikolaus Schmahl, Landwirt in Pfiffligheim b. Worms, u. d. Anna Maria Krück;
    1845 Barbara (1820–90), T d. Theobald Wehe, Lehrer in Oppau, u. d. Susanna Louise Schenkel;
    5 S, 1 T (alle früh †).

  • Leben

    M., der ursprünglich Lehrer werden wollte, besuchte eine Präparandenanstalt, die er jedoch ohne Abschluß verließ. Daraufhin erlernte er das Schreinerhandwerk und ging dann als Geselle auf Wanderschaft. 1845 kaufte er ein Anwesen in Frankenthal und betrieb dort sein Handwerk. 1849 begann M. mit der Bienenzucht; er war ein guter Beobachter und geschickter Experimentator, der allerlei praktische Bienenzuchtgeräte ersann und baute. Zum Zweck der Erneuerung des Wabenbaus schnitt er die Zellen bis auf die Mittelwand herunter; dabei erkannte er, daß man nur die Mittelwand herstellen müsse, um mit Hilfe der Bienen die ganze Wabe zu erhalten. Deshalb schnitzte er in zwei Holzplatten die Gestalt der Zellböden; durch Pressen einer Wachstafel zwischen den Platten erhielt er die Mittelwand. 1858 stellte er die künstlichen Mittelwände und eine handgefertigte Mittelwandpresse auf der Wanderversammlung der Bienenwirte in Stuttgart aus und erhielt dafür einen Preis von 30 Gulden. Die bewegliche Wabe des Pfarrers Johann Dzierzon und des Barons August v. Berlepsch ließ sich durch die Verwendung von künstlichen Mittelwänden – auch Kunstwaben genannt – erst richtig auswerten. In Frankenthal befaßten sich zwei weitere Bienenzüchter, Schober und Sprinkhorn, mit der Anfertigung von Mittelwänden; an der geistigen Urheberschaft M.s an der Erfindung besteht jedoch kein Zweifel.

    M., von dessen sechs Kindern keines das Säuglingsalter überlebte, wurde immer mehr zum Grübler und erschien seinen Zeitgenossen als schwer zugänglich. 1869 trat er mit einem Buch an die Öffentlichkeit: „Das neue Einwesensystem als Grundlage der Bienenzucht“. Ein Bienenvolk ist hiernach nicht eine Herde zahlreicher Einzelwesen, sondern ein Gesamtorganismus. M. bezeichnete deshalb das Bienenvolk mit seinem Wabenbau als „den Bien“ und verglich diesen mit einem Wirbeltier. In diesem Einwesen ist die Königin das weibliche Geschlechtsorgan, Drohnen sind männliche Geschlechtsorgane, Trachtbienen, die fortwährend süße Säfte eintragen, entsprechen den Gliedmaßen, während die jungen Bienen, die den eingetragenen Nektar in Honig umwandeln, die Eingeweide des Wirbeltiers darstellen. So konnte M. die Arbeitsteilung im Bienenvolk und die Unfähigkeit von Arbeitsbienen, Drohnen und Königin, allein zu existieren, gut erklären. Er hatte erkannt, daß das Bienenvolk eine Ganzheit darstellt, wenn seine Darstellung auch nicht frei von Übertreibungen ist. Die Verwendung des Begriffs „der|Bien“ ist heute geläufig. Pfarrer Ferdinand Gerstung, der später eine ähnliche Auffassung vertrat, bezeichnete M. als den Vater der organischen Auffassung vom „Bien“ und gab 1901 das „Einwesensystem“ neu heraus. Als Mitarbeiter der angesehenen Eichstätter Bienenzeitung beschrieb M. 1858-72 in ca. 40 Veröffentlichungen Beobachtungen an Bienen und nahm Stellung zu zahlreichen Fragen der Imkerei. Seine Idee, durch Zuckerfütterung den Ertrag der Imkerei zu heben, stieß auf schroffe Ablehnung der Bienenzüchter. August v. Berlepsch, der mit M. in freundlichem Briefwechsel stand, mußte deshalb 1871 bei einer Ausstellung im Glaspalast in München die Honigproben des Pfälzers von der Prämierung ausschließen. – Kein anspruchsvolles Lehrbuch der Imkerei ist nach seinem Tod geschrieben worden, in dem nicht an M. erinnert wird, der mit seiner künstlichen Wabenmittelwand eines der wesentlichen Elemente der modernen Imkerei erfunden hat. Eine der ersten handgeschnitzten Pressen M.s aus Birnbaumholz befindet sich im Erkenbert-Museum der Stadt Frankenthal.

  • Werke

    W-Verz. in: W. Horn u. S. Schenkung, Index litteraturae entomologicae, Bd. 3, 1928, S. 806, u. in: W. Derksen u. U. Scheiding-Göllner, Index litteraturae entomologicae, Bd. 3, 1968, S. 78.

  • Literatur

    F. Gerstung, J. M., Einige Züge aus s. Lebensbilde, in: Neuausg. d. „Einwesensystems“, 1901;
    Pfarrer Braun, in: Pfälzer Bienenztg. 12, 1878;
    Dr. Reidenbach, in: Pfälzer Bienenztg., Sept. 1933, S. 137-62;
    T. Kellen, die Kunstwaben, 1892 (P);
    J. Michel, in: Südwestdt. Imker 8, 1958;
    F. Kaiser, J. M. 1815-78, Leben u. Werk d. Erfinders d. Kunstwabe, in: Allg. Dt. Imker-Ztg. 12, 1978, S. 129-35.

  • Portraits

    Darst. in Öl auf Gedenktafel v. H. Seebacher, 1897, Erkenbert-Mus. d. Stadt Frankenthal: M.-Medaille d. Imkerverbands Rheinhessen-Pfalz in Gold, Silber u. Bronze;
    Gedenkstein in d. Rathausanlage d. Stadt Frankenthal.

  • Autor/in

    Fritz Kaiser
  • Empfohlene Zitierweise

    Kaiser, Fritz, "Mehring, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 625 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136774040.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA