Lebensdaten
1649 bis 1719
Geburtsort
Wasungen
Sterbeort
Riga
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 130510955 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meder, Johann Valentin
  • Meder, Johann V.
  • Meder, Johannes Valentin

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Meder, Johann Valentin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130510955.html [23.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Erhard ( n. 1656), Kantor u. Organist in W.;
    M Anna N. N.;
    B David Bernhard, Organist an d. Marienkirche in Kopenhagen um 1672, Joh. Friedrich (1639–89), Kantor u. Organist in W., Joh. Nikolaus, Kantor in Salzungen um 1671, Maternus, Organist in Meiningen (alle s. MGG VIII);
    Danzig 1688 Constantia, T d. Nicolaus Fink;
    2 S, u. a. Erhard Nikolaus (1689–1744), Notar in R.

  • Leben

    Als Knabe wurde M. wegen seiner schönen Stimme geschätzt. 1669/70 studierte er in Leipzig zunächst Theologie, dann aber scheint er sich bei Thomaskantor Sebastian Knüpfer im Kontrapunkt geübt zu haben: Knüpfer widmete ihm einen kunstvollen Kanon. Mitteldeutschland bot M. gute Berufsaussichten. Rückblickend berichtet er, daß zwei Fürsten ihn sogar als Kapellmeister hätten berufen wollen – in Eisenach, Gotha oder Meiningen, wo ihn überall sein Stammbuch nachweist –, er sei sich aber noch zu jung dafür vorgekommen. Außerdem zog es ihn nach Norden. 1673 erlebte er am Bremer Dom eine „wohlbestellte Musique“. In Kopenhagen, wo einer seiner Brüder tätig war, entschloß er sich 1674, sein Glück im schwed. Livland zu suchen. Auf der Reise dorthin kam es zur Begegnung mit Dietrich Buxtehude in Lübeck. Noch im selben fahr wurde M. Kantor am Gymnasium zu Reval. Zwischen 1680 und 1686 weilte er in Riga. 1687-89 bekleidete er in Danzig das begehrte Amt eines städt. Kapellmeisters, doch seine Begeisterung für die deutsche Oper entfremdete ihn den vorgesetzten Behörden, und finanzielle Schwierigkeiten zwangen ihn zur Flucht. 1698/99 hielt er sich einige Monate in Königsberg auf. Seine Hoffnungen, in Riga unter besseren Bedingungen arbeiten zu können, erfüllten sich nicht, denn der Nordische Krieg lahmte die allgemeine Entwicklung. Bis zu seinem Tode lebte M. in Riga von offiziellen und privaten Kompositionsaufträgen und (seit 1701) als Domorganist.

    Nach seinen autobiographischen Mitteilungen bei Mattheson (1740) betrachtete M. die Vokalmusik als Grundlage seiner Kunst. In seiner Jugend hatte er Italienisch gelernt und sich mit der Musik ital. Komponisten wie Carissimi und Cesti vertraut gemacht. Von M.s zahlreichen Kompositionen sind viele verschollen; bei seinem Tod übergab sein Sohn 129 geistliche Kompositionen im Manuskript der Stadt Riga, darunter 15 Messen, 5 Magnificats, 4 Passionen, 3 Dialoge und zahlreiche geistliche Konzerte. Die bedeutendste unter den erhaltenen geistlichen Kompositionen ist die Matthäuspassion, die in ihrer biblischoratorischen Anlage den norddeutschen Historientyp auf einen Höhepunkt führt. Von M.s vier deutschen Opern ist nur die erste mit Musik erhalten: „Die beständige Argenia“, die 1680 in Reval uraufgeführt wurde und dem neu vermählten schwed. König Karl XI. und seiner Gemahlin gewidmet war. Der in Danzig dargebotene „Nero“ (1695) verdankte N. A. Struncks gleichnamigem Leipziger Werk außer dem Text die Musik einiger Arien. Als seine kompositorische Spezialität nannte M. 1708 den „oratorischen Styl“, den er besonders in Danziger Festmusiken angewandt habe. Versteht man darunter auch die ausdrucksvolle solistische Textdarstellung, so betrifft dieses Merkmal schon seine Revaler Kompositionen, darunter die einzige erhaltene Oper, die nun aber das Rezitativ allzu gewichtig darbietet. Mit besonderem Nachdruck nahm sich der zur Hypochondrie neigende Komponist des Lamentos an, das|zum deklamierenden Gesang ein Streichertremolo führt. Durch seine Vorliebe für große, vielgliedrige Formen und für „pompöse Musiquen“ gehört er in die Vor- und Frühgeschichte der deutschen Kirchenkantate.

  • Werke

    Ach Herr strafe mich nicht in Deinem Zorn (Psalmkonzert f. Sopran u. Instrumente), 1679 (hrsg. v. F. Kessler, in: Danziger Kirchenmusik, Vokalwerke d. 16.-18. Jh., 1973, Nr. 22);
    Die beständige Argenia (Oper), 1680 (hrsg. v. W. Braun, in: Das Erbe dt. Musik 68, 1973);
    Vor-Jahrs-Erstlinge, 1685;
    Der poln. Pracher (Quodlibet-Suite), 1689 (hrsg. v. F. Kessler, in: Danziger Instrumental-Musik, 1979, Nr. 8);
    Matthäuspassion, 1701 (?) (hrsg. v. B. Smallman, Das Chorwerk 133, 1984).

  • Literatur

    J. Mattheson, Grundlage e. Ehrenpforte, 1740, S. 218-23;
    J. Bolte, in: Vj.schr. f. Musikwiss. 7, 1891, S. 43-52, 455-58;
    ders., ebd. 8, 1892, S. 499-506;
    ders., Das Danziger Theater im 16. u. 17. Jh., 1895, S. 145-50;
    ders., in: Sammelbde. d. Internat. Musikges. 1, 1899/1900, S. 530-34;
    A. Arnheim, Aus d. Bremer Musikleben im 17. Jh., ebd. 12, 1919, S. 414;
    H. Rauschning, Gesch. d. Musik u. Musikpflege in Danzig, 1931;
    Å. Vretblad, in: Svensk Tidskrift för Musikforskning 19, 1937, S. 85-79;
    R. Brockpähler, Hdb. z. Gesch. d. Barockoper in Dtld., 1964;
    B. Smallman, in: The Musical Times 115, 1974, S. 118-21;
    W. Braun, in: Btrr. z. Musikgesch. Nordeuropas, 1976, S. 69-78;
    F. Krummacher, Die Choralbearb. in d. prot. Figuralmusik zw. Praetorius u. Bach, 1978, S. 229-33;
    K. J. Snyder, in: Journal of the American Musicological Society 33, 1980, S. 545 u. 547;
    Dt.balt. Biogr. Lex.;
    Altpr. Biogr.;
    MGG VIII;
    The New Grove (W, L).

  • Autor/in

    Werner Braun
  • Empfohlene Zitierweise

    Braun, Werner, "Meder, Johann Valentin" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 596 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130510955.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA