• Genealogie

    V Christoffer Bronner (auch Brunner), aus Groden (Cuxhaven), seit 1661 Küster am Maria Magdalenenkloster, 1667-87 Küster und 1678-87 außerdem Organist am Hl. Geist-Hospital in Hamburg, vermutlich S des Tobias Brunner, Orgelbauer in Lunden (Norderdithmarschen);
    1688 Margareta Brodhagen, Hamburg.

  • Leben

    B. war seit Ostern 1688 als Küster und von Ostern 1689 bis Weihnachten 1719 zugleich als Organist am Heiligen Geist-Hospital in Hamburg tätig. 1699 übernahm er gemeinsam mit Cordes das Direktorium der 1678 von G. Schott begründeten Hamburger Oper, gab es aber schon im gleichen Jahre wieder an diesen ab. B.s Tätigkeit als Komponist für die Oper erstreckt sich auf die Zeit von 1693 bis 1702. Hier dürfte seine Hauptbedeutung gelegen haben, wenn er auch Kantaten geschrieben hat (Ehrenpforte S. 220). Allerdings ist von B.s Werken nur ein Choralbuch erhalten. Von den 7 Opern, die B. zum Teil gemeinsam mit J. Mattheson und Ch. Schieferdecker komponierte, sind nur die Titel|bekannt. Für ihren Wert sprechen sowohl die Zeugnisse Matthesons, der vor allem die Opern „Narcissus“ und „Procris“ hervorhebt (Patriot S. 144), als auch die Tatsache, daß B. in Hamburg neben Meistern wie J. S. Kusser und R. Keiser bestehen konnte. Ein Schüler B.s war der Stralsunder Organist Chr. Raupach.

  • Werke

    Echo u. Narcissus, 1693;
    Venus od. d. siegende Liebe, 1694;
    Procris u. Cephalus, 1701;
    Beatrix, 1701;
    Der Tod d. großen Pans, 1702;
    Victor, Hzg. d. Normannen, 1702;
    Berenice, 1702 (zweifelhaft ob v. B. od. Schieferdecker komponiert);
    Musikal. Choralbuch, 1715, 21721.

  • Literatur

    ADB III;
    J. Mattheson, Der musikal. Patriot, 1728, S. 144;
    ders., Grundlage einer Ehrenpforte, 1740, S. 220, 283 (Neudr. v. M. Schneider, 1910);
    E. O. Lindner, Die erste stehende dt. Oper, 1885;
    H. Kretzschmar, Gesch. d. Oper, 1919;
    L. Krüger, Die Hamburg. Musikorganisation im 17. Jh., 1933;
    G. F. Schmidt, Die frühdt. Oper u. d. musikdramatische Kunst G. C. Schürmanns, 1934, I, S. 50, II, S. 31, 35, 46, 51;
    E. L. Gerber, Neues hist.-biogr. Lex. I, 1812, Sp. 519 f.;
    R. Eitner II, S. 200 (Angaben üb. d. Verf. d. Texte u. d. Beteiligung anderer Komponisten an d. Opern B.s);
    Riemann.

  • Autor/in

    Kurt Gudewill
  • Empfohlene Zitierweise

    Gudewill, Kurt, "Bronner, Georg von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 635 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131588869.html#ndbcontent

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  • Leben

    Bronner: Georg B., ein Componist und Organist um 1700, von dessen Lebensverhältnissen wir jedoch nichts weiter wissen, als daß er um die genannte Zeit Organist an der Heil. Geistkirche zu Hamburg war, bei der 1678 daselbst gegründeten deutschen Oper thätig gewesen, und vor 1728 gestorben ist. Er muß unter die besseren Componisten gehört haben; denn Mattheson, von dem wir einige Nachrichten über ihn besitzen, sagt von ihm im Patrioten 1728, S. 144: „Daß es nicht ein Jeder so gut machen werde, wie der ehemalige Hamburgische Organist Bronner; denn dieser verstorbene gute Mann hatte, nach seiner Art, obgleich eben keine Vollkommenheit, doch nicht selten solche Einfälle, die sich gar wohl hören ließen, und keineswegs zu verwerfen waren, wie die zu der Zeit berühmten und beliebten Opern: Narcissus und Procris, unter anderen sattsam bewiesen haben“. Bronner's Thätigkeit bei der Oper fällt in die Jahre 1693—1702, und zwar componirte er neben Kusser und Keiser, was doch gleichfalls für seine Brauchbarkeit spricht; 1699 hatte er auch mit Cordes M. D. das Directorium der Oper übernommen, doch augenscheinlich nur auf ganz kurze Zeit, es kamen unter ihm nur zwei neue Opern zur Aufführung und noch in|demselben Jahre nahm Schott das Directorium wieder in seine Hände. Mit Ende 1702 verschwindet B. für immer von der Hamburger Opernbühne, aus welchen Gründen ist unbekannt, lange gelebt hat er jedenfalls noch; denn nach 1715 gab er im Selbstverlage ein Choralbuch (mit doppeltem Generalb. und jeder Choral auch mit 2 Cant. und Baß gesetzt, s. Walther) heraus, welches 1720 unter dem Titel „Hamburg. Musikal. Choralbuch“ etc., in 2. Aufl. erschien. Seine Hamburger Opern sind: 1693, Echo und Narcissus, Text von Postel ("Gut gerathen"); 1694 Venus oder die siegende Liebe, Text von Hinsch; 1701 Procris und Cephalus, Text von Bressand ("Recht artig"); 1702 Victor Herzog der Normannen, Text von Hinsch (nur der 3. Act von B., den 1. und 2. componirten Schieferdecker und Mattheson); Berenice, Text von Hinsch (nicht mehr als zweimal gegeben und 1728 von Keiser unter dem Titel Lucius Verus ganz neu componirt); Der Tod des großen Pans etc., Text von Hinsch, eine Traueroper „auf das frühzeitige Absterben des hochedlen cet. Herrn G. Schotten“ (nicht ganz von B., Mattheson hatte Antheil an der Composition); endlich Beatrix, Text von Hinsch (schon 1701, unter dem Titel Philippus, Herzog von Mailand, zum Namenstage Leopolds verfaßt, damals aber durch den kaiserl. Gesandten verboten und zurückgelegt; an der Musik hatte ebenfalls Mattheson Antheil). Vgl. Mattheson, Patriot 181; Ehrenpf. 283 Anm. In Concerten kamen neben Werken von Kuhnau, Keiser, Rosenmüller, Pachelbel, Buxtehude, Froberger, Corelli und anderen ausgezeichneten Männern, auch Stücke von B. zur Aufführung, und gedruckte Cantaten von ihm verbreiteten sich, neben solchen von Keiser, bis Riga, wo sie „bei einigen Liebhabern zum öftern musicirt wurden“ (Ehrenpf. 220). Auch war der wackere Stralsunder Organist Christoph Raupach ein Schüler Bronner's (ebd. 283). Nimmt man diese Umstände zusammen, und dazu Mattheson's zwar nicht unbedingtes, aber bei seinem Charakter doch nicht ganz gering anzuschlagendes Lob, so kann die völlige Vergessenheit, in welche Bronner's Arbeiten gerathen sind, nicht so durchaus verdient sein.

  • Autor/in

    v. Dommer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dommer, Arrey von, "Bronner, Georg von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 361-362 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131588869.html#adbcontent

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