Lebensdaten
1688 bis 1731
Geburtsort
Rothenhaus bei Komotau
Sterbeort
Prag
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118857290 | OGND | VIAF: 69726875
Namensvarianten
  • Brokoff, Ferdinand Maximilian
  • Brokoff, Johann Ferdinand
  • Prokop, Johann Ferdinand
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Zitierweise

Brokoff, Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118857290.html [08.03.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Johann s. (2).

  • Leben

    B. absolvierte seine Lehrzeit bei seinem Vater und dem Plastiker Andreas Quitainer. Ab 1707 war er wieder in der Werkstatt der Familie tätig und beteiligte sich mit selbständigen Arbeiten bis 1709 an der plastischen Ausschmückung der Karlsbrücke. Neben diesen Arbeiten war er an Adelspalästen und öffentlichen Plätzen beschäftigt (Mohrenkaryatiden am Palais Morzin, Prag, 1713/14). In Zusammenarbeit mit J. B. Fischer von Erlach führte er 1715/16 dessen Grabmalentwurf für den böhmischen Oberstkanzler Graf Wratislaw v. Mitrowitz (St. Jacob, Prag) aus und anschließend ein großes Marmorrelief der Familie Christi in der Teynkirche in Prag (1718). Zu Beginn des Jahres 1722 berief ihn Fischer von Erlach zur Ausschmückung der fürstlichen Domkapelle mit plastischem Schmuck nach Breslau. 1726 war er wieder in Prag und erstellte dort die Mariensäule auf dem Hradschiner Platz (1726–28). Anschließend wurde er wieder nach Wien beordert, wo er noch im gleichen Jahre das Modell für die stuckierte Szene am Hochaltar der Karlskirche in Wien fertigte und wohl auch selbst ausführte. 1728 wurde er Bürger der Prager Neustadt. 1729 berief man B. zur Ausschmückung der im Bau befindlichen Zisterzienser-Kirche in Grüßau (Schlesien), wo er bis März 1730 an den Modellen arbeitete. Er starb wie sein Bruder an einem Lungenleiden. Seine Bedeutung für die böhmische Plastik liegt in der Einführung der bewegten Figurenkomposition im Sinne des italienischen Barock Berninis. B. ging in der Auflösung der Oberflächen und Umrisse jedoch nicht so weit wie M. Braun.

  • Werke

    Weitere W Plastiken f. d. Totenkapelle v. St. Galli Prag, um 1720;
    Grabmal Gg. v. Wolff, Elisabeth-Kirche Breslau, 1722;
    Grabmal d. Fürsten Trautson, Michaelerkirche Wien, 1723/24 (mit Fischer v. Erlach).

  • Autor/in

    Gerhard Franz
  • Empfohlene Zitierweise

    Franz, Gerhard, "Brokoff, Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 632 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118857290.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Brokoff: Johann Ferdinand B., geb. zu Prag im J. 1688, war der älteste Sohn eines tüchtig eingeschulten aber etwas handwerksmäßigen Bildhauers und half schon in früher Jugend dem Vater bei seinen Arbeiten. Nachdem er die Anfangsgründe des Zeichnens und Modellirens bei diesem erlernt, trat er in die Schule des ehemals hochangesehenen Andreas Quitainer, mit welchem er bald gemeinschaftlich mehrere große Denkmale, darunter die auf dem Wälschen Platze in Prag aufgestellte Dreifaltigkeitsgruppe ausführte. Nun ging sein Wunsch dahin, Italien zu bereisen. Um sich die Mittel zu dieser Reise zu verschaffen, übernahm er die Herstellung mehrerer Gigantenstatuen, wie sie damals neben den Portalen der Paläste häufig angeordnet wurden. Der berühmte Architekt Fischer von Erlachen war der erste, welcher Brokoff's Talent erkannte und ihm Arbeiten verschaffte. Mit großartigen Aufträgen überhäuft, aber fortwährend des Glaubens, daß er demnächst die italienische Reise werde antreten können, scheint sich B. weit über seine Kräfte angestrengt zu haben, so daß er|im besten Mannesalter, noch nicht 43 Jahre zählend, an der Schwindsucht verschied. In Anbetracht dieses kurzen Lebens erscheint die Menge der von ihm gefertigten Sculpturen um so unbegreiflicher, als es meist colossale mit vielen Figuren ausgestattete Gruppen sind. Allein stehend und jeder Gelegenheit beraubt, die Meisterwerke der Antike und Frührenaissance kennen zu lernen, konnte er nur im Geiste seiner Zeit arbeiten. Wo es aber darauf ankam, markige lebensvolle Gestalten aufzubauen und die verschiedenartigsten Gegenstände zu einem einheitlichen Ganzen abzurunden, da steht dieser Künstler geradezu unübertroffen. Kein Zweiter überwand die größten technischen Hindernisse mit solcher Leichtigkeit. Seine vorzüglichsten Werke haben auf den Vorhäuptern der Brückenpfeiler der Prager Brücke Platz gefunden, imponirende aus Sandstein gefertigte Gruppen von 15—18 Fuß Höhe, von mehreren geistlichen und weltlichen Herren gestiftet, zunächst um die Geschichte des Jesuitenordens zu illustriren. Eine der ausgezeichnetsten Gruppen stellt die Thätigkeit des indischen Apostels Franciscus Xaverius dar. Der Heilige steht hoch auf einem Felsen und predigt das Evangelium, unter ihm und rings umher hat sich ein seltsames Gedränge von Negern, gefesselten Sclaven, Kriegsleuten und sogar Thiergestalten versammelt. Aus einem vergitterten Fenster stehen die in den Flammen, sitzenden Armen-Seelen zu dem Heiligen hinauf. Das Ganze ist mit solchem Feuereifer entworfen, daß man eine versteinerte Skizze des Rubens vor sich zu sehen glaubt. Sehr glücklich bewegte sich B. im Gebiete der decorativen Plastik: seine Masken, Giganten und Karyatiden zählen zu den besten Leistungen, welche in dieser Richtung geschaffen wurden. Neben den genannten Arbeiten hat der Meister zahlreiche Grabsteine, Altäre und einzelne Statuen vollendet, denen jederzeit eine gewisse Großartigkeit innewohnt, wenn auch die Formengebung oft manches zu wünschen übrig läßt. An seinen größeren Arbeiten pflegte er seinen vollen Namen einzumeißeln, ein Monogramm hat er nicht gebraucht.

    • Literatur

      Dobrowsky, Böhm. Litteratur. — Hammerschmid, Prodromus glor. Prag.
      Eigentlicher Entwurf der Prager Brücken von Kamenicky. — Dlabacz, Böhm. Künstlerlexikon.

  • Autor/in

    Grueber.
  • Empfohlene Zitierweise

    Grueber, Bernhard, "Brokoff, Ferdinand" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 349-350 unter Brokoff, Johann Ferdinand [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118857290.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA