Lebensdaten
erwähnt 14./15. Jahrhundert
Beruf/Funktion
ostfriesische Häuptlinge
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 122554396 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Brok, ten
  • tom Brok
  • ten Brok
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Zitierweise

Brok, tom, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122554396.html [20.10.2018].

CC0

  • Leben

    Die ursprünglich wohl aus dem Norderlande (Gebiet um Norden) stammenden tom oder ten B.s waren Häuptlinge (= führendes Geschlecht) in dem zwischen Norden und Aurich gelegenen B.merland (kolonisiertes Bruchland), ihr Sitz die Burg B.e oder Oldeborg bei Engerhafe. Die erste namentlich bekannte Persönlichkeit ist Keno I. (um 1350–1376) Hilmersna (= Sohn des Hilmer). Ihm folgte sein einziger überlebender Sohn Ocko I. (1376–1391), der damals im Dienst der Königin Johanna von Neapel stand und von ihr zum Ritter geschlagen wurde. Ritter Ocko, bald auch Herr über das benachbarte Auricherland, bekriegte zum Ausbau seiner Herrschaft siegreich die benachbarten Häuptlinge mit dem Ziel der Einigung Ostfrieslands und nahm seine schon weit über das B.merland hinausreichenden Besitzungen von dem damaligen Grafen von Holland, Herzog Albrecht I. von Bayern, zu Lehen. Bei einer Unterhandlung mit seinem Hauptgegner Folkmar Allena wurde er in Aurich, wo er sich inzwischen eine Burg erbaut hatte, ermordet. Da sein erbberechtigter Sohn Keno damals noch ein Knabe war, übernahm der uneheliche Sohn Widzel (1391–99) zunächst die Herrschaft. Er war eng verbündet mit den Vitalienbrüdern unter Störtebeker, die in Marienhafe (Störtebekerturm) ihren Hauptschlupfwinkel fanden. Nach dem gewaltsamen Tode Widzels in der Kirche von Detern trat mit Keno II. (1399–1417) die bedeutendste Persönlichkeit des Geschlechts die Regierung an. Er erreichte in schweren Kämpfen und schwierigen Verhandlungen die Einigung Gesamt-Ostfrieslands; dabei spielte die Stadt Hamburg wegen der Verbindung einiger Friesen mit den Vitalienbrüdern eine entscheidende Rolle. In kühnem Überfall bemächtigte er sich der Stadt Emden, nahm Ostfriesland vom Herzog von Geldern zu Lehen und griff sogar in die Kämpfe in Westfriesland ein. Auf der Höhe seines Erfolges starb er plötzlich. Sein Verdienst ist es, Ostfriesland zum ersten Male geeinigt zu haben; sein Sohn Ocko II. (1417–26, 1435) nannte sich daher „Häuptling in Ostfriesland“.

    Dieser war der großen Aufgabe, der äußeren die innere Einigung folgen zu lassen, nicht gewachsen, obwohl er seine Stellung durch die Heirat mit einer oldenburgischen Grafentochter und die dadurch gewonnenen Bundesgenossen wesentlich gestärkt hatte. In Focko Ukena, dem mächtigen Häuptling von Leer und alten Bundesgenossen seines Vaters erwuchs ihm nach anfänglicher Zusammenarbeit ein immer schärferer Gegner. Der Gegensatz führte schließlich zu kriegerischer Auseinandersetzung, in der Ocko nach einer Niederlage bei Detern (1426) in der Entscheidungsschlacht auf den „Wilden Äckern“ (1427) unterlag. Als er nach vierjähriger Gefangenschaft aus der Burg in Leer entkam, war er ein gebrochener Mann und ist vier Jahre später, ohne den Versuch gemacht zu haben, seine Herrschaft wiederzugewinnen, als Letzter seines Geschlechts in Norden gestorben. Den vier Männern zur Seite steht als wichtige Frauenpersönlichkeit Foelke Kampana ( zwischen 1417 und 1419), die Gemahlin Ockos I., um deren umstrittene Gestalt sich bald die Legende gerankt und der man den wenig ehrenvollen Beinamen der „quaden“ (= bösen) Foelke gegeben hat.

  • Literatur

    M. Klinkenborg, Gesch. d. ten Broks, 1895;
    H. Reimers, Das Geschlecht d. quaden Foelke, in: Ostfreesland-Kal., 1927 u. 1929;
    H. Reimers, Ostfriesland bis z. Aussterben seines Fürstenhauses. 1925;
    S. J. Meyer-Abich, Foelke Kampana, 1942.

  • Autor/in

    Günther Möhlmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Möhlmann, Günther, "Brok, tom" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 631-632 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122554396.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA